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Rottauer präsentierten ihr Dorf im besten Licht

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Grassau: Rottauer präsentierten ihr Dorf im besten Licht
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Während ihre männlichen Kollegen zu Fuß Rottau erkundeten, steuerte Luise Antwerpen von der Unteren Naturschutzbehörde interessante Ziele rund ums Dorf an. Etwa das Museum Klaushäusl, wo ihr Stefan Kattari die Reichenbachsche Solehebemaschine erklärte. (Foto: Adersberger)

Grassau – Die offizielle Rückmeldung der Kommission steht noch aus, aber daran, dass er und seine fünf Jurykollegen begeistert sind, ließ Markus Breier, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege, keinen Zweifel. »Mit Kleinigkeiten könnt ihr euch noch steigern, aber die Basis habts hervorragend erfüllt«, lobte er die Rottauer.


Die hatten sich zuvor gut zweieinhalb Stunden beim Rundgang kräftig ins Zeug gelegt, um ihren Ort für den Wettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« bestmöglich zu präsentieren. Schützenhilfe gab es vom strahlenden Sonnenschein, der die üppige Blütenpracht in den Gärten und auf den Balkonen leuchten ließ und dem Tag mit einem tiefblauen Himmel den passenden Hintergrund bescherte.

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»Das ist überwältigend«, kommentierte nicht nur Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika als Jurymitglied. Doch, das war allen klar: Die schöne Optik allein reicht nicht fürs Weiterkommen in den Bezirksentscheid. Da muss die Jury schon überzeugt sein, dass der Ort gesund ist – in jeder Hinsicht – und für die Zukunft gut aufgestellt.

Das vermittelten die Sprecher der Projektgruppen und Bürgermeister Rudi Jantke bei der Ortsführung im Wechsel. Mit Daten und Fakten, Anekdoten, persönlichen Geschichten informierten und unterhielten sie die fünf Männer der Jury – neben Breier und Soika auch Breiers Vorgänger Georg Unterhauser, Tittmonings Bürgermeister Konrad Schupfner und Kreisbaumeister Rupert Seeholzer.

Stolz zeigte Jantke den Kindergarten, für den sich die Rottauer 1991 intensiv eingesetzt hatten, nebst schönem Spielplatz und Kinderhort in unmittelbarer Nähe. Weiter ging's durchs Baugebiet, wobei Miche Schmid immer wieder auf die gesunden Handwerksbetriebe und die Entwicklung einzelner Höfe verwies. »Schaut gut aus, dass es da noch weitergeht«, bemerkte er bei vielen der stattlichen und meist sehr alten Höfe anerkennend.

Auf den ersten Bio-Milchbauern im Ort wies er hin, und – angesichts einiger Kuhfladen – auf den noch bestehenden Viehaustrieb: »Da brauchts bloß auf die Straße zu schauen.« Die informativen Haustafeln, so erklärte Schmid, selbst Landwirt, seien nicht nur für Auswärtige, sondern »auch für uns interessant«.

Die Jury erfuhr vom Rottauer Unikum, dem Klauser Kaspar, der in den 60ern die Jugend beim Wirt zum Singen brachte und vom »Schneider-Girl«, der einst größten Wirtschaft im Ort. Auch auch wenn es die längst nicht mehr gibt, sei das Wirtshaussterben in Rottau kein Thema – angesichts von drei – mit dem Adersberg sogar vier – gut gehenden Gasthäusern.

Der Stolz von Hans Kern als Vertreter des Gartenbauvereins sind die 22 Streuobstwiesen und 36 Gemüsegärten im Ort. Am Friedhof erklärte Kern, dieser war 1973, als Rottau Bundessieger beim damaligen Dorfwettbewerb wurde, noch Grau in Grau. In Eigenleistung hätten ihn die Bürger begrünt, Kies durch Rasen ersetzt. Und mehr noch: Ein schattiger Bankerl-Platz wurde geschaffen, um aus dem Friedhof einen Ort der Begegnung zu machen.

Ohnehin betonten alle Sprecher, die an diesem Tag ihr Dorf präsentierten, den Gemeinschaftssinn, mit dem die Rottauer die Dinge freiwillig und oft ehrenamtlich anpacken. Etwa bei der Schaffung der vielen Sitzgelegenheiten, beim Vereinsstadel neben dem Tennisplatz, der, wie Trachtenvereinsvorsitzende Lisi Hilger betonte, auf keinen Fall eine Konkurrenz zu den Wirtshäusern sein soll. Oder bei der Eisstockbahn hinterm Wirt, die 2009 »in Eigenregie« neu angelegt wurde.

Da sein Juroren-Augenmerk vor allem den Entwicklungskonzepten und wirtschaftlichen Initiativen gilt, hakte der Tittmoninger Bürgermeister Konrad Schupfner nach, wie es denn um die Nahversorgung bestellt sei. Er konnte beruhigt werden: Zwei Metzger gibt es, einen Bierbrauer, besagte Wirtshäuser und ein Museumscafé, und zwar keinen Bäcker, aber das decke der 2010 eröffnete Lebensmittelladen ab. »Der belebt das Dorf, und es gibt viele regionale Produkte, viel Selbstgemachtes, und die Post ist auch dabei«, betonte Hilger.

Weiter ging es zur Leonhardikapelle, wo Jakob Huber die Maßnahmen vorstellte, die bei der Renovierung ergriffen wurde, um das kleine, direkt an der Bundesstraße gelegene Gotteshaus zu schützen. Dann vorbei an der Tourist-Info – immerhin hat Rottau 30 000 Übernachtungen im Jahr und 38 Vermieter – zum Feuerwehrhaus, das mit einem Gemeinschaftsraum für die Mutter-Kind-Gruppe oder Altennachmittage und der Kegelbahn im Untergeschoß eine Rolle im gesellschaftlichen Leben spielt.

Die Rundtour endete, wo sie begonnen hatte, auf dem Kirchplatz. Dieser brachte mit seinem rege genutzten Dorfstadel ein Sonderlob der Jury ein. Von der Aufenthaltsqualität und Tauglichkeit des Platzes für Feste konnte sie sich im Anschluss beim gemütlichen Ausklang selbst überzeugen, wobei die Trachtentänze der »Gederer«-Jugend ebenso gut ankamen wie der berühmte Rottauer Most und der Datschi mit Zwetgschgen von den vielen Rottauer Obstbäume.

Beim Abschluss auf dem Kirchplatz war auch Luise Antwerpen von der Unteren Naturschutzbehörde schließlich mit von der Partie. Die einzige Frau in der Jury war, während ihre männlichen Kollegen zu Fuß durch Rottau zogen, unter dem Wettbewerbsaspekt »Dorf in der Landschaft« rund um Rottau mit dem Auto unterwegs.

Als sie vom Hoderhof auf dem Daschnbichl das ganze Dorf, den Chiemsee, die Kendlmühlfilzn, die Rottauer Filze sowie die Gedererwand im Blick hatte, verstand sie, warum die Rottauer ihrer Wettbewerbsbroschüre den Namen »Rottau im Chiemgau zwischen Chiemsee, Moor und Bergen« gegeben hatten.

Das »Museum Salz & Moor« im Industriedenkmal Klaushäusl war ihre nächste Anlaufstelle. Die Reichenbachsche Solehebemaschine, die 148 Jahre lang die Sole zur Hochreserve pumpte, sei die einzige, die am Original-Standort verblieben ist, erkläre ihr Museumsleiter Stefan Kattari.

Nach einem kurzen Abstecher zum Moorerlebnispfad im nahen Naturschutzgebiet Kendlmühlfilzn mit Schaubienenkasten und Lehrbienenweg ging es gleich zum nächsten Industriedenkmal, dem Torfbahnhof. Hier erfuhr Antwerpen von dem Museumsverein, dank dem das Areal seit 1988 unter Denkmalschutz steht.

Nachdem sie die europaweit einzige noch funktionierende Torfballenpresse, die Moorleiche Rosalinde und den keltischen Bohlenweg aus der Zeit um 600 vor Christus bestaunt hatte, hatte sich die Jury-Vertreterin eine Erfrischung redlich verdient: Im 1975 auf Anregung des Verkehrsvereins gebauten Wassertretbecken, das wegen der schönen Lage am Saliterbach und der gepflegten Anlage nicht nur die Rottauer gerne besuchen. Allein heuer, so Heimatvereinsvorsitzender Hias Hofmann, steckten ehrenamtliche Helfer 600 Arbeitsstunden in die Anlage. Da holte sich die einzige Frau des Bewertungskomitees am Ende gerne nasse Füße.

Weiter sind Rottau und Freutsmoos

Während des Dorfrundgangs mit der Jury dachten die Rottauer noch, sie stünden in Konkurrenz mit Freutsmoos. Doch da hatte Markus Breier, Fachberater für Gartenkultur und Landespflege eine gute Nachricht: Beide Orte kommen in die nächste Runde. Sie fallen nämlich in zwei getrennte Wettbewerbs-Gruppen: Rottau in die mit bis zu 600 Einwohnern, Freutsmoos in die mit 601 bis 3000 Einwohnern. Eine Weitermeldung in den Bezirksentscheid sei möglich, wenn die Kommission dies als würdig erachtet – und das, so Breier, sei der Fall. Für den Sonderfall, dass in beiden Kategorien nur ein Kandidat antritt, gebe es einen entsprechenden Beschluss in den Wettbewerbsrichtlinien. Die Jury für den Bezirksentscheid wird voraussichtlich im Juli 2020 in Rottau erwartet.

kad/ja