Bildtext einblenden
Gemeinderätin Daniela Ludwig hält den Glasfaserabzweig mit den Leerrohren. Der Abzweig führt in die Häuser. In der orangenen Kugel ist ein Peilsender verbaut. (Foto: Eder)

Masterplan für Breitbandausbau vorgestellt

Grassau – Um den Breitbandausbau voranzutreiben und somit das gesamte Gemeindegebiet mit schnellem Internet ausstatten zu können, hatte der Marktgemeinderat die Erstellung eines Masterplans in Auftrag gegeben. Das Ergebnis wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgestellt und einstimmig angenommen. 


Der Masterplan, so informierte Bürgermeister Stefan Kattari, werde mit Kosten von 37.000 Euro zu 100 Prozent gefördert. Der Breitbandausbau habe große Bedeutung und eine gute Infrastruktur sei eine wesentliche Voraussetzung für Firmen in Grassau. Der Plan sei nötig, um ein vernünftiges Leistungssystem mit dem Ziel alle Liegenschaften zu erfassen, aufzubauen, betonte Kattari.

Der Plan bildet ein künftiges Glasfasernetz ab, erklärte Paul Roither von der Firma Corwese. 70 bis 80 Prozent der Kosten des Breitbandausbaus entstehen bei den Tiefbaumaßnahmen, erklärte der Experte. Folglich sei es ratsam, im Zuge von Tiefbaumaßnahmen, bei Straßen- oder Gehwegsanierungen, bei Grabungen für die Wärmeversorgung, Leerrohre für die Glasfaserkabel zu verlegen.

Roither erklärte die Technik und zeigte, wo Netzknoten eingeplant sind und das Hauptkabelnetz zu den Netzverteilern führt. Die Kapazität der Netzverteiler würde so gewählt, dass alle Gebäude angeschlossen werden können und zudem eine Reserve von mindestens 15 Prozent besteht. Er betonte, dass ein Glasfaseranschluss für jede Adresse geplant sei.

Daniela Ludwig (CSU) erkundigte sich, ob auch bei langen Leitungen ein Anschluss möglich ist. Paul Roither sah hier kein Problem, denn riesige Entfernungen gebe es nicht und irgendwann komme ohnehin Glasfaser in jedes Haus, zumal der Netzanbieter in absehbarer Zeit das Kupfernetz abschalten möchte. Klaus Noichl (CSU) interessierte die Haltbarkeit der Glasfaserkabel und ob sie auch repariert werden können. Laut Roither gebe es kein Verfallsdatum und auch Flicken sei möglich. Tom Hagl (CSU) fragte, wie viele Daten transportiert werden können. Es gebe keine bessere Technik, betonte Roither.

Bürgermeister Kattari erklärte, dass die Netzbetreiber ein Interesse haben, das Kupfernetz abzustellen, da bei diesem die Signale verstärkt werden müssen. Dies werde dazu führen, dass früher oder später jedes Haus einen Glasfaseranschluss haben werde. Wie lange dies dauern werde, könne nicht gesagt werden, so Kattari. Der Netzbetreiber kündigte jedoch an, dass der Ausbau in Grassau 2026 erfolgen solle und diese Kosten vom Netzbetreiber, geschätzt etwa vier Millionen Euro, übernommen werden. Folglich werde die Gemeinde keine Straßensanierungen bis dahin vornehmen, um zu verhindern, dass Straßen mehrfach aufgerissen werden müssen. Schlaglöcher und notwendige Reparaturen werden durchgeführt.

Breitbandausbau in Rottau

Mit dem Breitbandausbau in Rottau wird bereits begonnen, denn der Gemeinderat entschied einstimmig, im Zuge der Tiefbaumaßnahmen für die neue Wärmeversorgung zugleich Leerrohre für das Glasfasernetz zu verlegen. Die Kosten für das Verlegen der Leerrohre in Höhe von 250.000 Euro muss zunächst die Gemeinde tragen. Ob diese Kosten später vom Netzbetreiber übernommen werden, könne noch nicht gesagt werden, sagte Bürgermeister Kattari.

In Rottau und Mietenkam sei die Kostenübernahme, so der Netzbetreiber, wegen der Streulage nicht möglich. »Eine schwierige Situation, denn der Netzbetreiber übernimmt nicht den Ausbau und es gibt gleichzeitig keine Förderung«, erklärte Kattari. Eine Förderung sei nur dort möglich, wo die Bandbreite so gering sei, dass sie nicht ausreiche. Das Unternehmen würde jedoch mit Glasfaser ausbauen, wenn die Leerrohrinfrastruktur vorhanden ist. Das Netz, so Kattari, sei anbieterneutral und die Bürger müssen keine bestimmten Produkte abnehmen. Zusammenfassend erklärte Kattari, dass die Kosten bei 250.000 Euro netto liegen und im Zuge der Fernwärmerohrverlegung der Breitbandausbau erfolgen könne. Voraussetzung sei, dass Leerrohre verfügbar sind. Der Ausbauplan Rottau könne nicht in Gänze umgesetzt werden, lediglich dort, wo die Rohre für die Fernwärme verlegt werden. Kattari folgert, dass 60 Prozent in Rottau angeschlossen werden können. Zusätzliche Kosten, weil nicht alle Häuser einen Fernwärmeanschluss erhalten, aber beim Breitbandausbau berücksichtig werden, seien enthalten. »Wir wissen nicht, wann und wie diese Ausgabe refinanziert werden kann«, betonte der Bürgermeister. Hierfür gebe es mehrere Modelle, vom Verkauf der Leitung bis zur Verpachtung. »Es bleiben Unabwägbarkeiten und dennoch haben wir eine Chance, Rottau anzuschließen, die so schnell nicht wieder kommen wird«, sagte Kattari. Eine Informationsveranstaltung zum Glasfaserausbau gibt es am Mittwoch um 19.30 Uhr im Gasthaus Messerschmied in Rottau.

Manfred Huber (AE) erinnerte an den Wettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« und berichtete, dass die Digitalisierung auch für die Handwerksbetriebe sehr wichtig sei. Nun habe man die einmalige Chance, zu einem relativ erschwinglichen Preis eine Glasfaserstruktur zu schaffen. Huber betonte, dass bei einer späteren Verlegung die Kosten erheblich höher sein werden. Auf Frage von Olaf Gruß (SPD), ob es für Mietenkam ein ähnliches Modell gebe, sah Kattari eine Möglichkeit, wenn die Fernwärme in Mietenkam komme.

Franz Pletschacher (BP) informierte, dass die Kreisstraße von Grassau nach Mietenkam saniert werde und fragte, ob dann auch gleich ein Leerrohr verlegt werde. Bürgermeister Kattari berichtete, die Sanierung der Kreisstraße war eigentlich bereits für dieses Jahr vorgesehen, sei aber zurückgestellt worden, um Zeit für solche Erwägungen zu haben.

Einstimmig votierte der Gemeinderat für die Schaffung der Leerrohrinfrastruktur in Rottau. Damit könnte Rottau noch vor Grassau mit schnellem Internet versorgt werden.

tb