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Kontakt nach außen nur über neue Medien – Wie sich die Corona-Krise auf Seniorenheime auswirkt

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Grassau: Corona-Krise für Seniorenheime besonders belastend – Kontakt nach außen über Telefon und Chats
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Nur ein kleiner Außenbereich, aber für das Seniorenheim wichtig. Hier dürfen sich die Bewohner aufhalten, den Bereich aber zu verlassen, ist nicht möglich. (Foto: Eder)

Grassau – Das Anthojo-Pflegeseniorenheim Grassau zählt mit 42 Plätzen zu den kleinen Seniorenheimen im Landkreis Traunstein. Wie es den Bewohnern derzeit der Corona-Krise geht, die einen Ausgang und Besuch von Verwandten und Freunden ausschließt, das erläuterte Einrichtungsleiterin Marina Egart.


Seit Tagen dürfen die Bewohner das sichere Umfeld nicht verlassen. Zu groß ist die Gefahr einer Ansteckung mit dem tückischen Virus. Würde nur einer der Bewohner sich anstecken, könnte dies fatale Folgen für die anderen haben. »Wir haben unsere Bewohner auf die Gefahr aufmerksam gemacht, ihnen erklärt, wie schwerwiegend dies sein könnte und viel Verständnis erhalten«, betont Marina Egart.

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»Wir klären, sofern dies sinnvoll ist und auch psychisch verstanden werden kann, über den aktuellen Stand der Krise auf, versuchen aber dennoch, unsere Heimbewohner mit Schreckensmeldungen zu verschonen und das Thema Corona nicht zum beherrschenden werden zu lassen«, erklärt sie.

Was jetzt, angesichts fehlender sozialer Kontakte von außen besonders Not tut, ist die interne Zuwendung. Es werde ein abwechslungsreiches Programm organisiert. Dazu zählen gemeinsame Spiele, Singen und auch Basteln.

Das Pflegeheim ist schon seit vielen Tagen österlich geschmückt. Gestecke und Dekorationen verweisen auf das höchste kirchliche Fest im Jahreslauf. Zu den Vorbereitungen im Haus zählen normalerweise Besuche von Schulklassen und Kindergartengruppen. Dies, so Marina Egart, war immer eine willkommene Abwechslung für die Bewohner. Heuer sieht es jedoch anders aus.

Kein Kinderlachen, keine süßen Kindergesichter und keine kleinen Hände, die zum Basteln anregen, werden den Alltag ergänzen. »Das werden alle sehr vermissen«, sagt sie. Freuen würden sich die Bewohner aber sicherlich über von Kindern gemalte Bilder, die gerne vor der Türe abgelegt werden können.

Nicht nur Angehörige und Freunde dürfen das Pflegeheim derzeit nicht betreten, auch Zulieferer werden nicht eingelassen. Alles wird vor der Türe geregelt, sodass von außen alles abgeriegelt ist. Ob nun Nahrungsmittel geliefert werden, oder aber die Wäsche zur Reinigung abgeholt und später wiedergebracht wird, alles wird streng kontrolliert und geht möglichst kontaktlos vonstatten.

Die Bewohner leiden natürlich an den persönlichen Einschränkungen. Der Kontakt zu den Liebsten ist gekappt und funktioniert derzeit nur über Telefon. Einige Bewohner sind gar nicht in der Lage zu telefonieren und verstehen nicht, warum sie nicht besucht werden. Doch auch hier öffnen die Medien neue Wege. »Wir werden versuchen über die neuen Technologien, sei es Skype, Facetime, WhatsApp Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zu realisieren«, erklärt Marina Egart. Natürlich bedürfe dies einiger Zeit, wäre aber auch für Zeiten nach der Krise eine sinnbringende Möglichkeit, in Kontakt zu bleiben. Somit würde die Krise auch neue Kommunikationswege im Seniorenheim eröffnen. tb