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Ein Projekt des Nähstüberls waren diese Upcycling-Taschen, vorgestellt von Uta Grabmüller, produziert aus den früheren Ausstellungsplanen des Museums Salz und Moor.

Jahreshauptversammlung des Vereins Integer – Neue Räume im ehemaligen Katek-Gebäude bezogen

Grassau – Über die Nutzung der Räume des Vereins Integer im dritten Stock des ehemaligen Katek-Gebäude seit Herbst 2020 sowie über die Vereinsarbeit informierte Vorsitzende Uta Grabmüller bei der Jahreshauptversammlung. Jetzt in Zeiten des Krieges und den vielen ukrainischen Geflüchteten sei die ehrenamtliche Arbeit des Vereins noch sichtbarer und unschätzbar.


Der Verein ist im vergangenen Jahr mit dem Einrichten der Räume beschäftigt gewesen, so Uta Grabmüller. Neben einem Aufenthaltsraum mit Küche, genutzt als Café Integer, konnten ein Nähstüberl eingerichtet und ein Musikzimmer ausgestattet werden. Der Betrieb des »Grassauer Kleiderschrank« konnte unter strengen Hygienevorschriften aufrechterhalten bleiben. Die Spendenbereitschaft und auch das Angebot an Gebrauchtkleidung nahm zu. Entsprechend hoch sei auch der Kundenbesuch gewesen.

Lobend erwähnte Grabmüller das Team mit 13 Frauen, die neben den Einsätzen während der Öffnungszeiten mindestens 40 Stunden weiterer Wochenarbeitszeit für Sichten, Ordnen, Instandhaltung und Einräumen investieren. Im Gebäude untergebracht ist auch ein Lager und eine kleine Werkstatt, die »Radlgarage«, die durch den zusätzlichen Platz am neuen Standort näher bei den Kunden aus der Gemeinschaftsunterkunft ist. Bis zum Jahresschluss konnten rund 300 Räder angenommen, hergerichtet und an die Geflüchteten abgegeben werden. Unverzichtbar ist die Radlgarage derzeit auch für die ukrainischen Geflüchteten, die mit Rädern versorgt werden. Großes Lob galt Franz Kunert, der als Chef der Radlgarage voll mit Herzblut dabei und unzählbare Stunden beim Schrauben engagiert ist.

Für die Bildungsarbeit steht der bestens ausgestattete Schulungs- und Seminarraum zur Verfügung. Laut Uta Grabmüller setzten sich der Deutschunterricht und einzelne Seminare kontinuierlich fort. Coronabedingt habe es allerdings massive Hindernisse im Kursbetrieb gegeben, die durch computergestütztes Lernen ein wenig ausgeglichen werden konnten. Mühsam sei laut Grabmüller die Teilnehmergewinnung aus der Gemeinschaftsunterkunft. Umso stärker wird das Angebot nun von den ukrainischen Kriegsflüchtlingen angenommen.

Zudem startete die Zusammenarbeit mit der VHS Traunstein, die im Herbst einen Digitalisierungskurs abgehalten hatte. Grabmüller verwies weiter auf die Produktion von Upcycling-Taschen im Nähstüberl und auf den ständig steigenden Vorrat an gespendeten Instrumenten für das Musikzimmer. Das Konzept »Community Music«, gemeinsames Musikmachen ohne Vorkenntnisse, soll nun wieder stärker angeschoben werden.

Finanziell geht es dem Verein aufgrund der Einnahmen aus dem Kleiderschrank gut. Diese Einnahmen wie auch die Mitglieder, die auf 58 angestiegen sind, ermöglichten nun auch die kleine Starthilfeunterstützung an die Ukrainer. Wer die Arbeit des Vereins unterstützen möchte, kann dies durch eine Mitgliedschaft.

Vor allem die Situation der ukrainischen Geflüchteten beschäftigte die Mitglieder bei der Aussprache. Hilfreich ist der dienstägliche Runde Tisch, bei welchem Fragen der Geflüchteten diskutiert, möglichst geklärt und aufgearbeitet werden. Hilfsangebote werden dort vorgestellt, aber die Menschen können dort auch über ihre Sorgen sprechen. Uta Grabmüller informierte, dass es keine Missstimmung zwischen den Asylbewerbern der Gemeinschaftsunterkunft und den ukrainischen Flüchtlingen gebe. Ihr Ziel wäre es, Geflüchtete mit ihren Kompetenzen und ihrer Berufserfahrung auch ins Ehrenamt einzubinden.

Es werden aber künftig weitere Probleme durch diese Kriegsflucht auf die Gemeinden zukommen, betonte Dr. Hans Grabmüller. Er lege dem dritten Bürgermeister Manfred Huber ans Herz, im Gemeinderat ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Ukrainer, die derzeit privat untergekommen sind, irgendwann wohnungslos sein werden. Die Gemeinde müsse sich Gedanken machen, wo diese dann obdachlosen Menschen untergebracht werden. Franz Kunert merkte an, dass es auch in Grassau Leerstand gebe und die Gemeinde hier Druck machen sollte. Marktgemeinderat Richard Schreiner erklärte, dass die Gemeinde dem Landratsamt den Leerstand mitgeteilt habe. Die Entscheidung, ob diese Wohnungen vermietet werden, liege jedoch bei den Eigentümern. Wie Huber weiter erklärte, gebe es in Rottau Angebote an Unterkünften, die noch nicht belegt seien. Dr. Grabmüller fragte nach, ob Zweitwohnungsinhaber angeschrieben und auf die Situation hingewiesen werden können. Vielleicht zeigen sich in diesem Personenkreis Menschen solidarisch und stellen ihre sehr selten genutzten Ferienwohnungen zeitlich begrenzt zur Verfügung.

»Es ist beeindruckend, was ihr leistet, was ihr an Hilfe gebt. Das ist von enormem Wert, und herzlichen Dank im Namen der Gemeinde«, sagte dritter Bürgermeister Manfred Huber. Er ist überzeugt, dass noch enorme Herausforderungen kommen werden und ehrenamtliche Hilfe wichtig ist. »Wie würde es einem selbst gehen, wenn man in ein fremdes Land flüchten muss?«, fragte er und sagte Unterstützung der Gemeinde zu.

tb