Irmela Scheidle-Horkel verstorben

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Irmela Scheidle-Horkel ist im Alter von 81 Jahren verstorben.

Grassau – Stets mit ruhiger Stimme, aber mit viel Begeisterung vertrat Irmela Scheidle-Horkel ihre Meinung. Die sozial- und umweltpolitisch engagierte, langjährige Marktgemeinderätin ist im Alter von 81 Jahren nach schwerer Krankheit im Kreis ihrer Familie verstorben.


Schon immer setzte sich die am 18. November 1939 geborene Physiotherapeutin für die Schwächeren ein. Die Mietenkamerin heiratete 1974 und hat zwei Söhne. 1975 eröffnete sie in Mietenkam ihre Praxis. Ihr fiel auf, dass soziale und ökologische Themen damals nur wenig lokale Beachtung erfuhren. Als Mitglied der »Grünen« gründete sie 1995 die »Unabhängige Grüne Liste« in Grassau. 1996 trat die »UGL« zum ersten Mal bei der Kommunalwahl an. Scheidle-Horkel kandidierte zudem für das Bürgermeisteramt in Grassau. Sie wurde 1996 in den Marktgemeinderat gewählt, dem sie bis 2016 angehörte. 2012 wurde ihr von der Marktgemeinde der Jugendförderpreis in Anerkennung ihrer Verdienste verliehen.

Ihr politisches Engagement war eng mit ihrem sozialen verknüpft. So rief sie neben der UGL auch den sozialen Arbeitskreis ins Leben. Aus diesem entstand dann 1997 der Verein »TIPI-Begegnungsstätte für Jung und Alt«, dem sie bis zu ihrem Tod vorstand.

In den 90er Jahren fehlte es in der Gemeinde an Betreuung für Kleinkinder von alleinerziehenden und berufstätigen Eltern. So setzte sie sich unter dem Titel »Netzwerk für Kinder« für eine Kinderkrippe ein, die 1999 im ehemaligen Musikschulgebäude entstand. Schnell waren die 15 Plätze belegt. Auch gab es damals noch keine Mittagsbetreuung für Grundschulkinder. Diese entstand ebenfalls 1999 unter dem Dach des Vereins »TIPI« und auf Initiative von Irmela Scheidle-Horkel. Durch ihre ruhige, aber beharrliche Art gelang es ihr immer, Menschen für ihre Ideen begeistern zu können.

Vor allem für die Schwächeren der Gesellschaft setzte sie sich mit großem Tatendrang ein. Zu den Initiativen, die von »TIPI« und somit von ihr unterstützt wurden, zählt die Initiative »Chiemgauer Kinder in Not«. Die beliebte Mietenkamerin stieß weitere Initiativen an, wie Sprachkurse für Asylbewerber und eine Tauschbörse für den bargeldlosen Austausch von Dienstleistungen. Im Marktgemeinderat brachte sie immer wieder ökologische Themen zur Diskussion, war äußerst kritisch bei Neuausweisungen. Sie scheute sich nicht, auch trotz Gegenwehr anderer Räte an ihrer Meinung festzuhalten. 2016 legte sie nach einem schweren Unfall ihr Mandat nieder. Für sie war die Zeit für eine Neuorientierung gekommen.

Besonders viel Freude hatte die sportliche Mutter in der Natur und im Garten. Dieses Erlebnis ermöglichte sie auch Bürgern, die keinen eigenen Garten hatten, durch die Schaffung eines Gemeinschaftsgartens.

Vielen Grassauern wird Irmela Scheidle-Horkel mit ihrem sozialen, politischen, persönlichen Engagement und ihrer sympathischen und couragierten Art in liebevoller Erinnerung bleiben.

tb