Bildtext einblenden
Die Gemeinde Grassau hat eine Resolution verabschiedet, die sich dem Thema Wolf widmet.

Informationen zum Wolfsmanagement – Gemeinde Grassau unterstützt Weidetierhalter

Grassau – Vom Wolf betroffene Weidetierhalter zu unterstützen, um damit die Kulturlandschaft zu erhalten und präventiv zu helfen, ist erklärtes Ziel der Marktgemeinde Grassau. Hierfür wurde eine Resolution mit Forderungen erarbeitet. Unter anderem wird ein Ansprechpartner in einer neuen und festinstallierten Stelle gefordert. In der jüngsten Marktgemeinderatssitzung informierte zunächst Jochen Grab über das Wolfsmanagement in Bayern, gab Auskunft zur aktuellen Lage und auch zur staatlichen Unterstützung.


»Der Wolf, der die großen Diskussionen ausgelöst hat, lebt nicht mehr und dennoch macht Beratung und Information Sinn«, betonte Bürgermeister Stefan Kattari. Seiner Auffassung nach wird dieser Wolf kein Einzelfall bleiben und auch ein Abschuss helfe nicht, denn es gebe keine bewachte Grenze. Es gehe darum, einen Beitrag zur substanziellen Unterstützung der Betroffenen zu leisten, hob der Rathauschef hervor.

Im Gespräch mit den zwei Landwirten im Marktgemeinderat Franz Pletschacher (BP) und Klaus Noichl (CSU) kamen, so Kattari, erstaunliche Tatsachen auf den Tisch, wie bei Förderungen und komplizierten Antragsverfahren. »Wir wollen alle unsere Kulturlandschaft erhalten und alles dafür tun, unsere Landwirte bestmöglich zu unterstützen«, sagte er. Zu den vielen Besuchern im Saal sagte er, dass es in einer Marktgemeinderatssitzung keine öffentliche Diskussion gebe, es aber, sofern es gewünscht sei, noch eine öffentliche Veranstaltung zu diesem Thema geben werde.

Zunächst informierte der regionale Wolfsbeauftragte Jochen Grab über den aktuellen Sachstand. Im Jahr 2000 wurde das erste Rudel Wölfe in Bayern festgestellt. Nach zehn Jahren erkannte man ein exponentielles Wachstum, was eine völlig normale Entwicklung sei. Mittlerweile seien zehn Rudel nachgewiesen. Zum Rudel gehören neben den Eltern auch der aktuelle Wurf sowie einige Teenager aus dem vorherigen Wurf, in etwa zehn bis zwölf Tiere.

Die Besonderheit beim Wolf sei, dass dieser in kurzer Zeit sehr große Distanzen zurücklege, so Grab. Dies zeigten Wölfe, die mit einem Sender ausgestattet wurden. Folglich sei das Wolfsmanagement auch staatsübergreifend tätig. Wichtig seien alle Hinweise, um Wölfe nachweisen zu können. Diese werden gesammelt, untersucht und überprüft. Er bat darum, alle Hinweise, vor allem Mensch-Wolf-Hund Begegnungen weiterzugeben, wenn möglich zu fotografieren, zufilmen oder auch zu berichten. Grab dokumentierte an einer Karte auch die Bewegung des in Bergen so offensichtlich entdeckten Wolfs, der mehrfach Nutztiere gerissen hatte und nun in Tschechien überfahren wurde. Zeitgleich sei aber auch ein weiterer männlicher Wolf entdeckt worden. »Irgendwann wird einer hier hängen bleiben«, vermutet der Experte.

Hauptkonfliktfelder mit dem Wolf

Zu den Hauptkonfliktfeldern zählte er »Wolf und Nutztier«. Seit 2020 gebe es die Förderrichtlinie Wolf, wobei die Förderkulisse investive Kosten abdecke. Informationen hierzu gebe es beim Landesamt für Umweltschutz (LfU). Konflikte existieren auch zwischen »Wolf und Jagd«. Diesbezüglich verwies er auf die Rotwildfütterung und das Wintergatter. Schließlich bestehe ein Konflikt zwischen »Wolf und Mensch«, wobei zwischen normalem und unerwünschtem, oder auffälligem Verhalten des Wolfs unterschieden werden müsse. »Wir brauchen eine faktenbasierte Diskussion mit effektiver Informationsstruktur und müssen ein Vertrauensmanagement pflegen und zusammen Verantwortung übernehmen«, betonte Grab. Eigeninteresse müsse zurückgestellt und Perspektiven für die Betroffenen müssen in den Mittelpunkt gerückt werden.

Mehdi Akbari (UGL) interessiert, wie sich der Mensch bei einer Begegnung mit dem Wolf verhalten solle. Erwachsene Wölfe scheuen den Kontakt. Problematisch können Wölfe im Teenageralter sein, die sich ausprobieren wollen. Die Sterblichkeit bei Wölfen sei groß. 80 Prozent überleben das erste Jahr nicht. »Tatsache ist, dass es in den letzten 20 Jahren keine gefährlichen Mensch-Wolf Begegnungen gegeben hat«, sagte Grab.

Klaus Noichl (CSU) fragte, warum die Population des Wolfs in Schweden auf 300 begrenzt werde, obwohl viel mehr Platz für den Wolf sei. In Deutschland wurden vergangenes Jahr 157 Rudel gezählt, was rund 1800 Tieren entspreche, obwohl hier weniger Platz und eine deutlich größere Bevölkerung vorhanden seien. Grab informierte, dass Schweden, obwohl in der EU, andere Kriterien und eine andere FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat) habe.

Nach dem klassischen Wolfsmanagement erkundigte sich Thomas Göls (CSU). So lange das Tier nicht auffällig werde, gebe es keine weiteren Managementmaßnahmen. Zeigt das Tier auffälliges Verhalten, werde versucht, es zu vergrämen. Sollte dies alles nichts nützen, werde das Tier entnommen. Dies gelte auch für alle anderen Wildtiere, so Grab. Auch informierte der Experte, dass Nutztiere nur zu ein bis zwei Prozent als Beute eine Rolle spielen. Hauptbeute sei Rot- und Rehwild. Mehdi Akbari fragte, ob es Projekte gebe, den Wolf zu fangen und umzusiedeln. Allein das Narkotisieren eines Wolfs sei schwierig, so Grab und Projekte zum Umsiedeln gebe es nicht.

Franz Pletschacher, Bauernobmann und Marktgemeinderat, schilderte die Probleme der Landwirte. Man könne im Weidegebiet die Förderung eines Zauns beantragen, wobei dieser Elektrozaun mit 13 Euro gefördert würde, dieser jedoch 20 Euro koste. Folglich muss der Landwirt den Rest zahlen, was einen fünfstelligen Betrag ausmachen könne. Pletschacher kritisierte die lange Dauer bis zur Förderung.

Auch sollte der Zaun rund um die Uhr unter Strom stehen, auch im Winter, was enorme Energiekosten bedeute. Das Auf- und Abbauen der Zäune bedeute zudem viel Arbeit, gerade auch für die Nebenerwerbslandwirte. »Wir bräuchten 100 Prozent Kostenerstattung und wollen nicht in Vorleistung gehen für den gesellschaftlich gewünschten Wolf, der nicht geschossen werden darf«, sagte er.

Das zweite Problem seien laut Pletschacher die Almen, die teils nicht einzuzäunen sind. »Wir sind eine Urlaubsregion und die Gäste freuen sich auf die Kälber. Wenn der Wolf nicht geschossen wird, verliert dieser die Scheu. Sollte der Wolf nur durch die Herde durchlaufen, dann erschrecken sich die Kühe und fällt eines runter, gibt es keine Entschädigung, weil das Tier nicht gerissen wurde«, sagte er. Bei gerissenen Tieren gebe es als Entschädigung nur den Schlachtpreis, egal ob es sich um ein Zuchttier handelt, ergänzte er und kritisierte zudem den bürokratischen Aufwand.

Klaus Noichl fügte hinzu, dass er ein verändertes Verhalten der Weidetiere befürchte. Die Mutterkuh verteidigt ihr Kalb und mache dann keinen Unterschied zwischen Hund und Wolf. Er kritisierte mangelnde Absprachen zwischen der LfU und den Ökoverbänden. Grassau möchte die Landwirte unterstützen und habe gemeinsam mit den Landwirten eine Resolution mit vier wesentlichen Punkten erarbeitet, erklärte der Rathauschef. Wichtig ist die Einrichtung eines aktiven Wolfmanagements mit einer dauerhaften Personalstelle im Landratsamt oder Landwirtschaftsamt. Dieser Fachmann soll Weidetierhalter beraten, bei Förderanträgen unterstützen, unverzügliche Rissbegutachtung und Gentest durchführen lassen und bei derBeantragung von Ausgleichs-leistungen unterstützen. Bürgermeister Kattari konnte sich hier eine landkreisübergreifende Zusammenarbeit vorstellen.

Auch seien die Förderbedingungen völlig unnachvollziehbar und für die Weidetierhalter eine große Hürde. Dementsprechend wird eine Änderung der Förderbedingungen für Schutzmaßnahmen gefordert. Zum einen müssen die Förderrichtlinien vereinfacht werden und eine Zwischenfinanzierung aus öffentlichen Mitteln erfolgen. Zudem sollen alle Maßnahmen zur Errichtung und Unterhaltung des Herdenschutzes, auch die Arbeitskosten zu 100 Prozent gefördert werden.

Haftung gefordert bei Herdenausbruch

Gefordert wird auch eine Haftung bei wolfsbedingtem Herdenausbruch. Der Landwirt soll eine Haftungsbefreiung erhalten, sofern nachgewiesen wurde, dass der Herdenausbruch trotz Schutzmaßnahmen durch den Wolf bedingt war. Man wünscht sich zudem eine staatlich finanzierte Haftpflichtversicherung für Weidetierhalter, die für Schäden, die flüchtende Tiere verursacht haben und die an den flüchtenden Weidetieren entstehen, aufkommt. Auch müssen die Halter von Herdenschutzhunden haftungsrechtlich abgesichert werden, sollten die Hunde unvorhergesehene Übergriffe auf Menschen ausüben.

Die vierte Forderung in der Resolution will, dass eine Anpassung der Bedingungen für ökologische Weidetierhaltung erfolgen muss. Diese Forderung setzt sich mit dem Widerspruch zwischen ökologischer, dem höchsten Tierwohl entsprechender Biolandwirtschaft und präventiven Herdenschutzmaßnahmen auseinander. Zum einen sollen die Tiere geschützt im Stall stehen, zum anderen ist in der Biolandwirtschaft aber die Weidehaltung notwendig. Gefordert wird eine Anpassung der Richtlinien für ökologische Tierhaltung und für den Schutz der Weidetierhaltung.

Einstimmig wurde die Resolution vom Marktgemeinderat genehmigt und gleichzeitig der Bürgermeister beauftragt, diese Resolution den politischen Entscheidungsträgern vorzutragen und sich für eine zeitnahe Umsetzung einzusetzen.

tb