Gleich drei Bürgermedaillen verliehen

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Bürgermeister Stefan Kattari zeichnete Uta Grabmüller, Dr. Hans Jürgen Grabmüller und Stefan Kattari sen. mit der Bürgermedaille aus. (Foto: T. Eder)

Grassau – Dr. Hans Jürgen Grabmüller, wissenschaftlicher Leiter des Chronikprojekts, muss wohl die Geschichte der Marktgemeinde um einen wesentlichen Teil erweitern, denn bislang wurden noch nie an drei verdiente Bürger zeitgleich die Bürgermedaillen verliehen. Und bislang erhielt auch noch nie ein Ehepaar diese Auszeichnung. Der Antrag wurde von Altbürgermeister Rudi Jantke gestellt, der zugleich die Verdienste von Uta Grabmüller, Dr. Hans Jürgen Grabmüller und Stefan Kattari sen. in den Fokus stellte. 


»Die Bürgermedaille wird Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise in Grassau verdient gemacht haben, wobei die Anzahl der lebenden Würdenträger nicht größer als 20 sein darf«, informierte Bürgermeister Stefan Kattari. Die Gemeinde war mit der Auszeichnung zuletzt sehr zurückhaltend – die letzte wurde 2008 an den Kulturbeauftragten Fritz Seibold verliehen.

»Alle drei Geehrten haben sich in herausragender Weise um die Aufarbeitung der Geschichte von Grassau und Rottau verdient gemacht«, betonte Kattari. Uta Grabmüller, seit 2006 in Grassau, sei eine der tragenden Säulen des Grassauer Chronikprojekts gewesen und habe bei fast allen Bänden das Lektorat übernommen. Darüber hinaus habe sie als Autorin in den Bänden »Das Musikleben von Grassau«, »Engagement und Ehrenamt« und »Die historische Entwicklung Teil III« gewirkt. Das kulturelle Leben habe sie durch Mal- und Literaturworkshops und Kunstausstellungen bereichert.

Besonders hervorgehoben wurde ihr Engagement als Gründerin und Vorsitzende des Vereins »Integer«, der in Grassau lebende Asylbewerber mit Deutschkursen, Kleiderkammer und Projekten unterstützt. 2018 wurde der Verein mit dem Integrationspreis der Regierung ausgezeichnet. Grabmüller würdigte alle Ehrenamtlichen – immerhin 17 Millionen bundesweit – die der öffentlichen Hand durch ihren Einsatz Geld sparen helfen.

Ehrenamt müsse man sich aber auch leisten können, es brauche Zeit und Geld. Umso willkommener sei die neue Ehrenamtsstelle im Rathaus. Sie habe aber auch einen egoistischen Grund für ihre Arbeit, denn wer sich engagiert, hat mehr vom Leben. Geschichtsinteressiert wusste sie, dass bislang nur zwei Frauen in Grassau mit dieser Auszeichnung geehrt wurden, die Hebamme Viktoria Gnadl 1989 und die langjährige Marktgemeinderätin und Fotografin Hilde Normann 1997.

Auch der Historiker Dr. Hans Jürgen Grabmüller erhielt die Auszeichnung in Anerkennung seiner Verdienste als Leiter des Chronikprojekts und als Autor der Bände »Die historische Entwicklung Teil I, Teil II und Teil III«, und »Handwerk und Gewerbe«. Die Werke finden bedingt durch die professionelle Leitung in ausgewiesenen Fachkreisen hohe Anerkennung. Darü-ber hinaus engagiert er sich als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Achental und beteiligt sich an vielen Projekten, darun-ter die Almdatenbank, informierte Kattari. »Als ich 2005 von Berlin nach Grassau in meine Heimat zurückkehrte, dachte ich nicht, dass mich das Thema Geschichte einholen wird. Mir lag eher eine gärtnerische Zukunft im Sinn«, sagte Grabmüller. Fritz Seibold, ein Freund aus Jugendtagen, hatte ihm das Ehrenamt der wissenschaftlichen Leitung vermittelt, sagte Grabmüller. Mittlerweile entstand mit der zwölfbändigen Chronik das umfangreichste Geschichtswerk im Landkreis.

»Eine weitere Chance heimatlichen Engagements ergab sich vor zehn Jahren, als ich Rudi Jantke im Amt des Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins folgte«, so Grabmüller. Seit dem letzten Jahr sei er nun auch Kulturbeauftragter der Gemeinde und somit neben der Heimatgeschichte auch mit Kunst, Kultur und Brauchtum beschäftigt.

Ebenfalls historisch sehr wertvolle, ehrenamtliche Arbeit leistet Stefan Kattari sen., der sich seit 2014 der Pflege und Betreuung der archivarischen Materialien der Gemeinde angenommen hat. Ihm gelang die Erarbeitung eines professionellen Systems zum sicheren und schnellen Auffinden von Schriften, Dokumenten, Urkunden und Gegenständen. Damit wurde eine ausgezeichnete Grundlage für die Quellensuche zur Heimatforschung geschaffen, so der Bürgermeister über seinen Vater.

Auch habe er unzählige historische Handschriften des gemeindlichen Archivs in Maschinenschrift übertragen und so für die Allgemeinheit lesbar gemacht. Der ehemalige Lehrer der Grund- und Mittelschule habe sich darüber hinaus an der Heimatforschung beteiligt und den Themenband »Schulgeschichte« verfasst. Auch am Themenband »Handwerk und Gewerbe« hat Kattari sen. als Autor mitgewirkt. Zudem setzte er sich 13 Jahre als Marktgemeinderat, von 1984 bis 1985 und von 1990 bis 2002, für die Gemeinde ein. Nun ist er ebenfalls Bürgermedaillenträger.

Mit dem Lied »Sound of silence«, gespielt vom Trio Wolfgang Diem, Lothar Bey-schlag und Julian Steffl, wurde wohl seine Arbeit im stillen Kämmerlein im Gemeindearchiv beschrieben. Wissenschaftliche Systematik betreibe er seit seinem 13. Lebensjahr. Damals begann er, Schmetterlinge zu sammeln, berichtete Kattari sen.. Die Auszeichnung sei für ihn zugleich Ansporn für weitere Jahre als Archivpfleger. tb