Gerade mal 18 und schon Autorin: Grassauerin veröffentlicht Debütroman

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Die 18-jährige Pia Endres hat vor kurzem ihren ersten Roman veröffentlicht.

Grassau – Beim Schreiben lässt Pia Endres ihren Gedanken freien Lauf. Sie entwirft Welten, taucht in die Köpfe ihrer Charaktere ein und malt sich spannende Geschichten aus. Das Schreiben ist für die Abiturientin ein Prozess, bei dem sie Wort für Wort Neues kreiert. Pia Endres stellt tief greifende Gefühle ins Zentrum ihrer Geschichten und möchte vor allem eines: Ihre Leser inspirieren. 


Vor kurzem hat die 18-Jährige ihren ersten Roman veröffentlicht: »Und ich frage trotzdem: Wie geht es dir?« Er handelt von Mira, einem jungen Mädchen, das nach dem Abitur durch Europa reisen möchte. Doch schon nach ihrer ersten Etappe muss Mira zurückkehren. Sie ist an Leukämie erkrankt und muss fortan zahlreiche Behandlungen und Untersuchungen über sich ergehen lassen. »Es ist ein bedrückendes Thema«, gesteht die 18-Jährige in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Doch mit ihrem Buch möchte die Schülerin ihre Leser wachrütteln und ihnen Mut machen.

»Im Alltag ist man oft im 'Beschweren-Modus'«, erklärt Pia. Man ärgere sich über die kleinsten Dinge und erkenne überhaupt nicht, wie gut es einem eigentlich geht, sagt sie. Auch der Titel ihres Romans »Und ich frage trotzdem: Wie geht es dir?« weise auf diese Thematik hin. Die Frage sei mehr und mehr zu einer Floskel geworden, die keiner mehr Ernst nimmt, erklärt sie. Mit ihrem Buch fordert Pia Endres auf, mal ehrlich auf die Frage zu antworten und mit anderen über seine Gefühle zu sprechen. Inspiriert von der Serie »Club der roten Bänder« und dem Spielfilm »Drei Schritte zu dir« – beides beschäftigt sich mit schwerkranken, jungen Menschen –, wollte sie außerdem das Leben im Krankenhaus von einer anderen Seite beleuchten.

Pia war schon immer kreativ. Sie malt und zeichnet gerne und hat schon in der Grundschule angefangen kürzere Geschichte zu schreiben. Aus diesem Grund stand schon lange fest: Sie möchte einem Roman schreiben. Vor zwei Jahren, da war sie 16, hat Pia mit Hilfe der Schreibchallenge »NaNoWriMo« (National Novel Writing Month) von Chris Baty, in der es darum geht, innerhalb eines Monats einen kleinen Roman mit etwa 50.000 Wörtern zu Papier zu bringen, begonnen an ihrem Buch zu schreiben. Aufmerksam geworden ist Pia auf das kreative Schreibprojekt des amerikanischen Autors über Instagram.

Am 1. November 2019 startete sie und schrieb bis zum Ende des Monats jeden Tag etwa zwei Stunden an ihrer fiktiven Geschichte – und das neben Schule und Klausuren. Gleich nach dem Unterricht hat sich die Grassauerin an ihren Schreibtisch gesetzt und an ihrem Buch gearbeitet. Einen Plan hat sich Pia vor dem Schreiben nicht gemacht. Zwar hatte sie eine ungefähre Vorstellung zu Hauptfiguren und Handlung, das meiste sei allerdings beim Schreiben entstanden. Jeden Tag, nachdem sie ihr Schreibpensum geschafft hatte, war sie richtig erfüllt und habe zufrieden und mit schweren Fingern ihren Laptop zugeklappt. Am Anfang des Monats hat Pia sich noch richtig darauf gefreut, wenn sie am 31. November ein »Ende« unter ihren Text setzen konnte. Doch je tiefer sie in ihre Geschichte eintauchte und je mehr sie schrieb, desto wehmütiger wurde sie. »Am letzten Tag wollte ich überhaupt nicht loslegen mit dem Schreiben«, erzählt sie. Der Abschied von »ihren Figuren« fiel ihr zunehmend schwerer. Doch Pia Endres hat die Schreibchallenge durchgezogen und am Ende 216 Seiten geschafft – das sind sogar ein bisschen mehr als 50.000 Wörter.

Die Challenge habe ihr geholfen, das Buch auch »wirklich fertig zu schreiben«. Zwar habe sie schon früher versucht, einen Roman zu verfassen, gefehlt habe es ihr aber bisher immer an der nötigen Disziplin. Sie brauche immer etwas Druck, um etwas fertig zu bringen. Ein Monat sei für das Projekt perfekt gewesen, »es ist überschaubar und man kann es schaffen«, erzählt sie. Schreiben kann ihrer Meinung nach jeder. Was es brauche, sei eine gute Idee, man müsse sich darauf einlassen und Spaß haben. Auch wenn Pia es anfangs nicht geplant hatte, stecke doch sehr viel von ihr in Mira, der Hauptfigur ihres Romans. Sowie Mira sehnt sich auch die 18-Jährige nach Freiheit. Nach der Schule einfach Reisen zu gehen, das sei auch ihr Traum, der sich seit der Pandemie noch verstärkt habe. Mira liebe zudem genauso wie Pia Schokolade, es gebe sehr viel Gemüse in beiden Familien und Mira hat genauso eine kleine Schwester wie Pia.

Nach Ende der Schreibchallenge und dem Fertigstellen ihres Buches wollte Pia ihren Roman auch veröffentlichen. »Ich dachte, das macht man so, wenn man ein Buch geschrieben hat«, erklärt sie. Entschieden hat sie sich dann für einen noch sehr jungen Verlag, der erst vor kurzem gegründet wurde, und vor allem Geschichten von jungen Hobbyschreibern verlegt. Dort wurde ihr Buch angenommen und schließlich im Mai als E-Book und in gedruckter Form veröffentlicht. Doch bis Mira ihr fertiges Buch in den Händen halten konnte, vergingen Monate. Zusammen mit ihren zwei Lektorinnen hat sie ihr Buch an manchen Stellen noch ausgearbeitet, manche Passagen verkürzt, manche verlängert.

Auch wenn das Schreiben Pia sehr viel Spaß macht und sie im vergangenen Jahr sogar für ihre Familie und Freunde einen Gedichtband in Druck gegeben hatte, kann Pia sich nicht vorstellen, später einmal als Autorin zu arbeiten. Sie malt gerne und möchte deswegen lieber einmal Kinderbücher illustrieren. »Auf meine Illustrationen kann ich mich mehr verlassen«, erzählt sie.

Die Ideen für ihre Geschichten oder Gedichte kommen ihr spontan. Ihre Kreativität komme in Schüben. Zwar hat Pia seit ihrem ersten Roman versucht, an einem neuen zu arbeiten, zufrieden war sie aber bisher nicht mit ihren Ergebnissen. Lust hätte Pia aber auf jeden Fall. Doch wartet sie noch ab, bis die Muse sie erneut küsst und sie die richtige Idee hat und loslegen kann. aha