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Blumen überreichte Bürgermeister Stefan Kattari an die Frauen des Kleiderschranks. Anna Kraus (rechts) leitet die Einrichtung. (Foto: Eder)

»Eure Arbeit ist von unschätzbarem Wert« – Bürgermeister Kattari lobt Frauen in der Kleiderkammer des Vereins Integer

Grassau – »Eure Arbeit ist von unschätzbarem Wert«, betonte Bürgermeister Stefan Kattari, der sich vor Ort über den Kleiderschrank des Vereins Integer ein Bild machte. Die Versorgung ukrainischer Flüchtlinge mit Kleidung, aber auch mit Geschirr und Kleinmöbeln stand in den letzten Wochen im Vordergrund und sorgte für viel Arbeit für das ehrenamtliche, rund zehnköpfige Team um Leiterin Anna Kraus.


Probleme, Nöte und Erfahrungen wollte Bürgermeister Kattari bei seinem Besuch des Kleiderschranks, begleitet von der Familienstelle Grassau, erfragen und stand hoch motivierten Frauen gegenüber. Den Kleiderschrank hatte der Verein Integer vor einigen Jahren eingerichtet, um sozial schwachen Bürgern sowie Geflüchteten die Möglichkeit zu geben, sich mit Gebrauchtkleidung einzudecken. Zunächst startete die Kleiderkammer in einem kleinen Keller, konnte dann in das Obergeschoß des BRK-Gebäudes umziehen und ist nun seit zwei Jahren im dritten Stock des ehemaligen Katekgebäudes beheimatet.

Doch diese Kleiderkammer ist viel mehr als nur eine Ausgabestelle von gebrauchten Kleidern. Die Einrichtung wird von den Frauen liebevoll wie ein Modekaufhaus geführt. Gut sortierte Kleiderständer präsentieren moderne Waren, Kleiderpuppen zeigen Beispiele, Accessoires krönen das Outfit. Umkleidekabinen und große Spiegel zur Betrachtung runden das Angebot ab.

Bürgermeister Kattari zeigte sich beeindruckt von der, wie er betonte, lebenspraktischen Hilfe, angefangen bei der Radlgarage – auch Räder werden im Kleiderschrank angeboten – über die Bekleidung bis vor allem zur Integrationsleistung des Vereins. Ebenfalls betonte er die Bedeutung der Wiederverwendung und der Möglichkeit, Dingen des täglichen Bedarfs ein zweites und drittes Leben zu geben. Der Bürgermeister lobte das Team, das sehr genau darauf achte, was angenommen wird, und so ein hochwertiges Angebot präsentiere. Er dankte zudem Franz Kunert, der nicht nur die Radlgarage führt, sondern zudem die Damen des Kleiderschranks handwerklich unterstützt.

Kunert informierte, dass von den 110 gespendeten Rädern bereits 75 hergerichtet an ukrainische Flüchtlinge ausgegeben worden seien. Kattari hielt es jedoch für bedenklich, dass in der Bevölkerung – nicht im Verein – ein Unterschied zwischen den Flüchtlingsgruppen gemacht werde. Was derzeit für die ukrainischen Flüchtlinge geleistet wird, sei ein gutes Beispiel, wie man allgemein mit Geflüchteten umgehen sollte. Dies hätte er sich zum Beispiel auch für syrische Flüchtlinge gewünscht, die ebenfalls ihre Heimat, ihr Hab und Gut verloren. »Integration durch Arbeit ist eine Wertschöpfung für das Sozialsystem«, sagte er und fügte hinzu, dass er froh sei, dass dies mit den ukrainischen Flüchtlingen gelinge. Es gebe auch Arbeit, die ohne Sprachkenntnisse bewältigt werden kann. Er lobte die lebenspraktischen Ansätze des Vereins und hob das Deutschlotsenprojekt als vorbildlich hervor.

Aus der praktischen Arbeit in der Kleiderkammer berichtete Leiterin Anna Kraus. Auf einer Verkaufsfläche von 300 Quadratmetern könne die Kleidung sehr gut präsentiert werden. In verschiedenen Abteilungen – darunter auch einer für Kinder – werden die Waren ihren Angaben zufolge angeboten. Immer mehr nachgefragt werde auch Spielzeug, ebenso Geschirr und Kleinmöbel. Bevor diese Waren jedoch gespendet werden, sollte beim Team nachgefragt werden, da natürlich das Platzangebot im Kleiderschrank begrenzt ist.

Zu Beginn der Ukraine-Krise und mit dem Ankommen der Flüchtlinge erhöhte sich der Arbeitsaufwand des Teams. »Teilweise wurden die Flüchtlinge mit Bussen hergefahren und standen bei uns Schlange«, informierte Anna Kraus. Gleichwohl lobte sie die Disziplin der Kriegsflüchtlinge.

Bekleidung wurde anfänglich auch kostenlos ausgegeben. Seit Juni nunmehr wird auch von den ukrainischen Geflüchteten ein kleiner Betrag für die Ware verlangt. »Das hat auch etwas mit Würde zu tun«, sagt sie und erklärt, dass die Ware dadurch nicht zu Almosen werde und die Bedürftigen sich wie Kunden in einem Kaufhaus fühlen.

tb