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»Es ist nicht schwer, ich werde weiter nähen«

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Grassau: »Es ist nicht schwer, ich werde weiter nähen«
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Javid möchte helfen und näht Behelfsmasken. Sibylle Bregenzer hat die Koordination und die Bügelarbeiten übernommen. (Foto: T. Eder)

Grassau – Javid aus Afghanistan sitzt an der Nähmaschine im Nähstüberl des Vereins Integer und näht geschickt und schnell Behelfsmasken aus weißem Baumwollstoff. Javid ist ein begabter Schneider und möchte gerade jetzt etwas für die Allgemeinheit tun.


Innerhalb kürzester Zeit nähte er, unterstützt von Sibylle Bregenzer, die die Bügelarbeiten übernimmt, über 100 Masken. Diese wurden zunächst der Grassauer Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung gestellt.

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Der Verein Integer engagiert sich auf vielfache Weise in der Gemeinde. Er unterhält eine Selbsthilfe-Radreparaturwerkstatt und auch den Grassauer Kleiderschrank, eine gemeinnützige Kleiderkammer, sowie das Nähstüberl. Diese Einrichtungen mussten aufgrund der Corona-Krise vorübergehend geschlossen werden. Speziell für die Schutzsuchenden in der Flüchtlingsunterkunft werden auch Deutschkurse angeboten. Auch dies ist derzeit nicht möglich. Die Bewohner haben zwar Unterlagen für ein Selbststudium, doch das Erlernen der deutschen Sprache ohne Anleitung ist sehr anspruchsvoll.

Die Empfehlung, beim Einkaufen oder im öffentlichen Nahverkehr eine Mund-Nasen-Maske zu tragen, wird von politischer Seite immer dringender. Auch ein Grassauer Supermarkt ruft seine Kunden vehement dazu auf, diese Behelfsmasken zum Schutz des Personals und gegenseitiger Rücksichtnahme zu tragen. Nachdem diese Masken aber käuflich nur schwer zu bekommen sind und auch nicht jeder nähen kann, geschweige denn das nötige Material vorrätig hat, hatte die Vorsitzende des Vereins Integer, Uta Grabmüller, die Idee: »Wir helfen einfach.«

Ein Aufruf unter den Mitgliedern des Vereins fiel auf fruchtbaren Boden und die Produktion der Masken begann. Auch Stoff wurde gespendet. Allerdings zeigte sich schnell, dass die engagierten Hobbynäherinnen bald an ihre persönlichen Produktionsgrenzen kamen.

Sybille Bregenzer, Leiterin des Grassauer Kleiderschranks, hat dann überraschend von Javid, einem in Grassau lebenden Flüchtling, das Angebot bekommen, Masken in größerer Stückzahl zu nähen, und dieses gerne angenommen. Unter Beachtung der Abstandsregelungen und strenger Hygienemaßnahmen hat sie gemeinsam mit dem jungen Mann die Produktion übernommen.

In kürzester Zeit entstanden so über 100 Masken. Mit den Materialspenden von Hobbynäherinnen konnten nun allen knapp 130 Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft Behelfsmasken zur Verfügung gestellt werden. »Die gemeinnützige Einrichtung, die Kleiderkammer mit Nähstüberl, ausgestattet mit einer professionellen Nähmaschine, hat sich wieder einmal bewährt«, betont Uta Grabmüller.

Genäht wird derzeit in vielen Orten. Doch das Besondere hier ist vor allem Javid. Der junge Afghane, der sich so engagiert. Die vorhandenen Schnittvorlagen hat er selbstständig verbessert und die Arbeitsabläufe so koordiniert, dass er nur wenige Minuten für eine Maske benötigt. Damit auch seine Landsleute davon profitieren und selbst aktiv werden können, hat er zudem in Farsi, einer Landessprache Afghanistans, ein kleines Anleitungsvideo erstellt. »Ich möchte helfen«, sagt der junge Mann, der schon sehr gut Deutsch spricht. »Es ist nicht schwer und wer eine Maske braucht, kann sich melden, ich werde weiter nähen«, verspricht er.

Der Bedarf an Behelfsmasken wird weiter anhalten, davon geht auch Uta Grabmüller aus. Wer in Grassau für Schutzbedürftige, für Ältere oder besonders belastete Mitmenschen nähen möchte oder Material spenden möchte, kann sich bei Grabmüller unter der Telefonnummer 0171/56 73 784 melden. Auch wer zur Risikogruppe zählt und Bedarf an Masken hat, kann bei ihr anrufen. tb