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»Ein Dorfladen ohne Dorfgemeinschaft funktioniert nicht«

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Grassau: Zukunft des Mietenkamer Dorfladens? "Es funktioniert ohne Dorfgemeinschaft nicht"
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Der Mietenkamer Dorfladen ist nach nur vier Jahren geschlossen. Wie es weitergehen wird, ist nicht bekannt, wird aber diskutiert. (Foto: T. Eder)

Grassau – Mit dieser Resonanz hatte der Initiativkreis Dorfladen Mietenkam nicht gerechnet. Dem Aufruf zur Diskussion über die Zukunft des Mietenkamer Dorfladens, der nach nur vier Jahren wieder geschlossen ist, folgten rund 100 Mietenkamer und Grassauer. Analysiert wurden die Gründe des Scheiterns, aber auch die Möglichkeiten eines Dorfladens.


Seit Oktober ist der Dorfladen mit Café geschlossen. Aus der Mietenkamer Bürgerschaft habe sich ein kleiner Initiativkreis zusammengefunden, der überlegt, welche Möglichkeiten es gebe, den Dorfladen zu halten, erklärte Sprecher Georg Beyschlag. 2015, im Zuge der Dorfsanierung, wurde der kleine Laden installiert. Im Jahr 2000 schloss der letzte Lebensmittelladen im Ort. Für viele Mietenkamer sei es wichtig gewesen, Einkäufe zu Fuß erledigen und sich treffen zu können.

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200 Einwohner wollten regelmäßig einkaufen

2013 wurde dann eine Umfrage ausgearbeitet, in der von den 850 Einwohnern 200 versicherten, regelmäßig im Dorfladen einzukaufen. »Die Wirklichkeit sah anders aus«, so Beyschlag. Franziska Neubauer, die im Dorfladen gearbeitet hat, erklärte, dass der Dorfladen seine Stammkunden und treuen Einkäufer gehabt habe, es aber zu wenig waren, um wirtschaftlich zu arbeiten. Man müsse bewusst im Dorfladen einkaufen. Der Dorfladen brauche die Gemeinschaft und müsse von ihr getragen werden.

Beim Vergleich mit anderen funktionierenden Dorfläden der Umgebung zeigte sich, so Beyschlag, dass die Miete in Mietenkam deutlich höher sei, die Verkaufsfläche deutlich kleiner und der Jahresumsatz nur bei einem Drittel der vergleichbaren Läden liege. Bei den vergleichbaren Geschäften gebe es 200 Teilhaber, die das Risiko mit ihrer Einlage mittragen. Wichtig für die Mietenkamer sei das Café, so Beyschlag.

Als Einkaufsmöglichkeit sei der Laden aufgrund der Konkurrenz in Grassau und Übersee problematisch. Man müsste sich spezialisieren, meinte er. »Ein Dorfladen ohne Dorfgemeinschaft funktioniert nicht«, betonte er. Auch informierte er, dass es staatliche Förderprogramme für Dorfläden gebe.

Hermann Roth interessierten die Gründe für die Geschäftsaufgabe. Diese seien unterschiedlich. Einigen waren die Preise zu hoch oder die Öffnungszeiten nicht passend, so Franziska Neubauer. Auch mit Altlasten hatte der Laden zu kämpfen. Beyschlag fragte, ob es nicht sinnvoller sei, den Schwerpunkt auf das Café zu legen und das Sortiment des Dorfladens auf das Notwendigste zurückzufahren. Informiert wurde, dass es dafür Auflagen gebe.

Helmut Bielenski erinnerte an die Erfolgsstory des Mietenkamer Dorfplatzes mit seiner schönen Gestaltung. Zum Dorfladen hätte es damals keine Auflagen gegeben, nur ein Konzept. Willensbekundungen, im Dorfladen einzukaufen, bringen nichts, so Peter Biebl. Vielmehr müssten die Leute einen Grund haben, stehen zu bleiben und hier einzukaufen. So sollte das Dorfcafé von außen schneller als solches wahrgenommen werden und weitere Angebote, wie Bank-Automat, E-Tankstelle und Postservice hinzukommen.

Abendliche Weinstube scheitert an Verträgen

Hermann Roth gefiel der Gedanke, im Rahmen einer Genossenschaft Laden und Café zu halten. Er schlug abends eine Weinstube vor. Laut zweiter Bürgermeisterin Doris Noichl gebe es jedoch mit der Eigentümergemeinschaft Verträge, die das ausschließen. So dürfen Laden und Café nur bis 20 Uhr und der Dorfsaal nur bis 24 Uhr geöffnet sein.

Eva Maria Reichert gefiel das genossenschaftliche Prinzip der monatlichen Überweisung eines Betrags an den Laden, für den dann eingekauft werden kann. Dies gebe dem Betreiber Kalkulationssicherheit. Eine weitere Möglichkeit seien Leihregale, die von Direktvermarktern am Ort gemietet und bestückt werden können, sagte Beyschlag.

Als tot geborenes Kind bezeichnete Werner Häusler den Dorfladen. Nicht nur die Miete, sondern zusätzliche finanzielle Belastungen rief er auf. Er fragte, warum man sich nicht auf ein Café beschränke. Sepp Schranzhofer betonte, der Dorfladen sei eine soziale Institution und wichtig für das Dorfleben. Seiner Ansicht nach sollte dies von der Gemeinde mehr gefördert werden.

Die letzte Pächterin, Gitte Ruhani, erklärte, welchen Spaß die Ladenführung machte und dass der tägliche Umsatz durch das Konzept auch mehr als verdoppelt wurde. Gleichwohl reichte dies nicht, um rentabel zu arbeiten. Durch eine Genossenschaft könnte es aber funktionieren. Die Überlegung, das Café auszubauen, scheiterte ihrer Meinung nach an der Einrichtung. Die Küche sei zu klein und es gebe auch keine Möglichkeiten zur Lagerung und Kühlung.

Dass der Dorfladen für Mietenkam wichtig ist, stand für Mehdi Akbari außer Frage. Auch er war für das genossenschaftliche Prinzip und gab zu überlegen, ob diese Genossenschaft den Laden auch selbst betreiben und Personalkosten sparen könnte. Derartige Beispiele, so Beyschlag dazu, gebe es, wobei Cafés als soziale Projekte mit Integration von behinderten Menschen betrieben würden. Warum dieser Laden nicht als Filiale eines bestehenden Geschäfts betrieben werde, fragte Sebastian Moritz. Der Filialist könnte bereits beim Wareneinkauf andere Preise erzielen. Laut Peter Enzmann könne auch eine Filiale nicht bestehen, wenn die Bereitschaft der Mietenkamer einzukaufen nicht gegeben sei. Zudem wisse jeder Filialbetreiber von den Fixkosten.

Marktgemeinde beharrt nicht auf jetziger Miete

Den Vorwurf, die Gemeinde als Eigentümer gehe mit der Miete nicht runter, entkräftete Marktgemeinderat Stefan Kattari. Die Marktgemeinde beharre nicht auf der jetzigen Miete. Auch Gemeinderat Hans Genghammer informierte, dass die Gemeinde sehr wohl interessiert sei und die Ladenausstattung mit 80 000 Euro finanziert habe. Kühlregale und Kaffeemaschine wurden von der Gemeinde finanziert. Auch Gemeinderat Olaf Gruß betonte, wie wichtig der Gemeinde der Laden sei. Zudem sei der Saal geschaffen worden, der dem Ladenbetreiber einen Zusatzverdienst bringen sollte.

Wie es mit dem Dorfladen weitergeht, ist offen. Die Gemeinde sucht nun einen neuen Pächter. Der Initiativkreis wird Vorschläge und Anregungen aufnehmen. tb