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Surreal und überdreht komisch

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Der Leberkas lebt und spricht (links, Andi Meier): Ob Metzgergeselle Franzl (Michael Hofmann) damit Tinas (Sophia Biller) Liebe gewinnen kann? (Foto: Wannisch)

Grabenstätt – Plötzlich sitzt er leibhaftig im Rohr, der fleischgewordene Leberkaskönig. Oder »da King« (Andi Mayer), wie ihn alle dann nur noch nennen, mit Zwirbelbart, goldener Krone und einem schelmischen Grinsen im Gesicht. Und nichts mehr ist so wie es war im Leben von Metzgergeselle Franzl (Michael Hofmann) und von Metzgerfamilie Pröbstl.


Denn der King zieht nicht nur den Ministerpräsidenten, den Papst und den Dalai Lama nach Grabenstätt sondern auch allerlei Gschwerl vor die Fleischtheke von Melanie Pröbstl (Magdalena Paar). Dabei wollte Franzl doch eigentlich nur das Herz der schönen Metzgerstochter Tina (Sophia Biller) gewinnen. Wie gut, dass der Wimmer Schorsch (Gerhard Brusche) seinen 100. Geburtstag feiert, und Franzl mit   einer Leberkas-Installation Tina endlich von seinen Qualitäten  überzeugen kann ...

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Zurecht umjubelt war die Premiere von »Der Leberkaskönig – Oder die unendliche Weisheit aus dem Rohr« des Breitbrunner Autors Wast Huber der Jungen Chiemseer Bühne in der Grabenstätter Theater-Strickerei. Mehr als zwei Stunden lang sorgte das Ensemble mit Schauspielkunst und Gesangseinlagen für beste Unterhaltung. Auch wenn das Stück inhaltlich oft surreal und überdreht daherkommt, sprang der Funke besonders wegen der überzeugenden Spielfreude der Laiendarsteller schnell auf das Publikum über.

Zudem beweist Regisseur Gerhard Brusche einmal mehr bei der Rollenbesetzung ein gutes Händchen – von der Haupt- bis zur kleinsten Nebenrolle. Großartig gespielt werden der King von Andi Mayer und Franzl von Michael Hofmann, der auch die vielen Gesangspassagen meistert. Auch Simon Jendrischewski und Magdalena Paar als Metzgersehepaar Pröbstl ergänzen sich hervorragend – schnippisch, gschert und polternd.

Stets die Lacher auf ihrer Seite hatte die Kundschaft in der Metzgerei Pröbstl. Mit diesen Rollen – Anne Schneider (krachert bairisch Eva Langenwalter), Frau Dögerl (herrlich schwäbelnd Yvonne Kuhlmann), Frau Huber-Mergentrat (Melanie Deuflhart) und Mike (Schorschi Krutzenbichler) – ist Autor Wast Huber eine wunderbare Persiflage auf eine nörgelnd-fordernde Stammkundschaft gelungen.

Das Ensemble wird auch den fordernden Gesangspassagen des Stücks gerecht – hervorzuheben sind hier, neben Michael Hofmann, Sophia Biller und Magdalena Paar. Zu verdanken ist dies Gitarrist Fritz Federkiel, der die Darsteller in der Probenphase anleitete, und zusammen mit Schlagzeuger Ralf Zellner im Stück für die passende Musik sorgt. Bei Produktionsleiterin Doris Biller   liefen alle Fäden zusammen – von Requisite über Bühne bis hin zu den Kostümen. Die aufwändig gestaltete Bühne, für deren Bau Tom Dürrbeck verantwortlich zeichnet, versetzt die Zuschauer authentisch in Wurstkuchl und Metzgerei.

Obwohl es eine Produktion des Jugendtheaters ist, setzt Brusche auf eine gute Mischung aus erwachsenen Darstellern, Jugendlichen und Kindern. »Hier können alle voneinander profitieren und lernen, die alten Hasen von der Unbedarftheit der Kinder und die von der Erfahrung der Erwachsenen«, sagt Brusche nach der Premiere.

Ob es Franzl schließlich doch noch gelingt, das Herz seiner Tina zu gewinnen, und ob der King das Paradies mit Semmelbäumen und Senf findet – ist nochmals am Freitag, Samstag sowie am Montag, 30. April, Freitag, 4., und Sonntag, 6. Mai, in der Theater-Strickerei zu sehen. Vorstellungsbeginn ist jeweils um 19.30 Uhr, Kartenreservierung unter 0177/321 60 64 möglich. vew