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Plastik verunreinigt Chiemseeufer in Hirschauer Bucht

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Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein sammelt Jahr für Jahr Müll in der Hirschauer Bucht. Und immer wieder entdecken die Helfer dann auch jede Menge Plastik. Vergangenes Jahr entfernten sie 860 Kilogramm Müll inklusive Plastik, 220 Kilogramm Glas, 470 Kilogramm lackiertes Holz, fünf Autoreifen mit und elf ohne Felge sowie einen Feuerlöscher.

Grabenstätt – Plastik verschmutzt das Chiemseeufer. Längst nicht überall gleich groß ist die Verunreinigung, vielmehr treten Kunststoffe in allen Formen und Größen vor allem an einer Stelle auf: in der Hirschauer Bucht nahe der Einmündung der Tiroler Achen in das Bayerische Meer. Am Ufer liegen für jedermann sichtbar immer wieder einmal Flaschen und Tuben. Und vor allem auch winzige, kaum oder gar nicht wahrnehmbare Partikel, die oft nur Bruchteile eines Millimeters groß sind, sorgen laut einer neuen Untersuchung für Verunreinigungen.


»Mikroplastik in bayerischen Seen«: So lautet die im Oktober erschienene Untersuchung, die die Universität Bayreuth im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt erstellt hat. Ihre Aussagen speziell über den Chiemsee erläuterten Vertreter des Wasserwirtschaftsamts Traunstein nun in einer Runde mit Kreisräten. Den Austausch in der Behörde in der Kreisstadt angeregt hatte Heinrich Wallner, der Vorsitzende der Fraktion der Bayernpartei.

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Das Thema Mikroplastik beschäftigt auch das Wasserwirtschaftsamt Traunstein, wie Amtsleiter Walter Raith sagte. Dieses Thema werde in der Öffentlichkeit »kritisch beäugt«. Die Ergebnisse, die die Studie speziell zum Chiemsee brachte, erläuterte Inga Grote, die Leiterin des Fachbereichs, der insbesondere auch den Gewässerschutz miteinschließt.

Untersucht haben die Wissenschaftler den Chiemsee, den Starnberger See und den Ammersee sowie den Altmühlsee. Sie entnahmen jeweils Proben im Wasser und am Ufer. Im Fokus standen Partikel, die kleiner als fünf Millimeter sind: sogenanntes Mikroplastik. Alles, was größer ist, fällt unter den Begriff Makroplastik.

Das Plastik, das die Wissenschaftler der Uni Bayreuth im Zuge ihrer Untersuchungen im und am Chiemsee entdeckten, war zum überwiegenden Teil winzig klein. Grote erläuterte, dass die Kunststoffe, die sie feststellten, im Durchmesser kleiner als einen Millimeter gewesen seien. Vielfach seien Partikel gefunden worden, die mit einem Haar vergleichbar sind – und daher mit bloßem Auge kaum oder gar nicht wahrnehmbar sind.

Was die Verschmutzung des Chiemsee betrifft, meinte Wallner, dass sich die Lage in den 90er Jahren verbessert habe. Denn in dieser Zeit habe die Autobahn eine Entwässerung erhalten – mit der Folge, dass dann nicht mehr so viel Unrat in den See geflossen sei.

Auch und gerade die Wasseroberfläche des Chiemsees untersuchten die Wissenschaftler der Uni Bayreuth. So entnahmen sie an drei Stellen Proben. Makroplastik entdeckten sie nicht, Mikroplastik hingegen schon. Das Ergebnis: An der nördlich von Chieming gelegenen Probestelle stießen die Wissenschaftler auf 42 Partikel pro Kubikmeter, an der südlich der Herreninsel gelegenen auf 13 und im Osten des Sees unterhalb der Mündung der Tiroler Aachen auf vier.

Bodenproben zogen die Fachleute an sechs Stellen am Ufer. Und im Rahmen dieser Nachforschungen stießen sie dann an einer Stelle auch auf größere Plastikteile: In der Hirschauer Bucht kam Makroplastik zutage – und zwar in einer Konzentration von 113 Partikeln pro Quadratmeter.

Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind, waren hingegen an allen sechs Probestellen nachweisbar. Mit Abstand am höchsten war die Gesamtzahl von Mikroplastik aller Größen mit 124 796 Partikel pro Quadratmeter laut den Wissenschaftlern im Ufersegment der Hirschauer Bucht. Mit 30 954 Partikel pro Quadratmeter ergab sich am nordöstlichen Ufer nahe Schützing der zweithöchste Wert. Die Ufersedimente an den Messstellen bei Lambach, bei Prien sowie bei Gstadt wiesen eine Mikrobelastung zwischen 3508 und 5036 Partikel pro Quadratmeter, am geringsten war die Belastung mit 99 Partikel pro Quadratmeter am Südufer bei Übersee.

»Chiemsee ist relativ sauber«

»Wie alle anderen oberbayerischen Seen ist auch der Chiemsee relativ sauber«, betonte Raith. Viele Verunreinigungen mit Plastik könne er persönlich nicht feststellen – vielleicht da und dort einmal zum Beispiel die Folgen eines Abfalleimers, der umgefallen ist.

Im Dunkeln tappen die Wissenschaftler, wenn's darum geht, die Verursacher des Plastikmülls festzustellen. So sagte Raith, dass die Herkunft der Kunststoffe nicht zu erfassen sei. Nicht auszuschließen sei, dass sie möglicherweise auch aus Versehen in das Wasser gelangen. So viel zumindest ist laut dem Leiter der Behörde festzuhalten: »Uns ist nicht bekannt, dass Plastik gezielt und bewusst in den See geleitet wird.«

Der Leiter des Wasserwirtschaftsamts erläuterte, dass die Behörde seit 2013 jeweils einmal im Jahr einige Tage lag in der Hirschauer Bucht Müll sammle. Für jede Aktion sei eine Genehmigung erforderlich.

Wenn sich die Helfer auf den Weg begeben, dann entdecken sie auch viel Plastik. Auch im vergangenen Jahr entsorgten sie wieder viel Kunststoff. So sammelten sie 2019 insgesamt 860 Kilogramm Müll – und zwar inklusive Plastik –, 220 Kilogramm Glas, 470 Kilogramm lackiertes Holz, fünf Autoreifen mit und elf ohne Felge sowie einen Feuerlöscher.

Wallner forderte, die Reinigungen zu intensivieren. Ein eigenes Budget für Ramma-Damma-Aktionen sei erforderlich. Der Kreisrat schlug vor, dass der Abwasser- und Umweltverband dann die Organisation übernimmt.

Stellvertretender Landrat Andreas Danzer (Freie Wähler) sah den Staat in der Pflicht. Er kritisierte, dass die Staatliche Schlösser- und Seenverwaltung, die für das Seeufer verantwortlich ist, in ihrem Etat nichts für Aktionen vorgesehen habe. Was die Reinigung der Ufer betreffe, so schiebe der eine sie auf den anderen. Und letztlich seien dann die Gemeinden aufgefordert, ans Werk zu gehen.