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An der Chieminger Straße in Grabenstätt standen bis vor einem halben Jahr die alten Strickerei-Gebäuden. Nach ihrem Abbruch sind dort jetzt ein Einzelhandelsbetrieb, Ferienwohnungen, Gastronomie und Büroräume geplant. (Foto: Müller)

Planungen für Supermarkt in Grabenstätt gehen weiter voran

Grabenstätt – In den Bürgerversammlungen in Grabenstätt und Erlstätt informierte Bürgermeister Gerhard Wirnshofer über die Aufstellung des Bebauungsplans »Sondergebiet großflächiger Einzelhandel« an der Chieminger Straße in Grabenstätt.


Dort waren bis Anfang des Jahres die alten Strickerei-Gebäude gestanden, in denen auch das Theater untergebracht war. Mit dem Verfahren will die Gemeinde einen Supermarkt, Ferienwohnungen, Gastronomie und Büroräume möglich machen. »Derzeit wird der Verfahrensschritt der Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung vorbereitet«, berichtete der Rathauschef. Er kündigte an, dass der Investor zu gegebener Zeit eine öffentliche Informationsveranstaltung anbiete.

Erwähnung fand auch der schon in Kraft gesetzte Bebauungsplan »Tüttenseestraße«. Am südöstlichen Ortsrand von Grabenstätt plant die Gemeinde auf einer gut 1,5 Hektar großen Fläche zwischen Tüttensee- und Höringer Straße ein Baugebiet. »Im gemeindlichen Baubereich sind vier Doppel- und fünf Einfamilienhäuser vorgesehen«, so Wirnshofer. Im Rahmen des gemeindlichen Ansiedlungsmodells wolle die Gemeinde jungen Familien die Chance geben, sich den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Das Vergabeverfahren könne aber erst nach der Fertigstellung der Erschließung eingeleitet werden. »Wir rechnen im Sommer oder Herbst 2023 damit«, so der Bürgermeister. Daneben werde auf einer Teilfläche ein Investor sechs Mehrfamilienhäuser mit 42 Wohnungen für den freien Markt bauen.

Die Vergabe von gemeindeeigenen Baugrundstücken erfolgte schon 2019 an der Meckenheimer Straße in Grabenstätt nach dem Kriterienkatalog für das Familienansiedlungsmodell. Die 14 Parzellen sind bereits alle bebaut. Im Vorjahr seien dann die Vergaben für den Baubereich »Sonnleiten« in Bergen bei Erlstätt abgeschlossen worden, so Wirnshofer. Mittlerweile herrsche dort rege Bautätigkeit.

Ein Dank galt Bauamtsleiter Walter Geutner, der am Jahresende seine 30-jährige Beamtenzeit bei der Gemeinde beendet und in den Ruhestand geht. Birgit Schultheiss ist seine Nachfolgerin. Bereits verabschiedet wurde die langjährige Leiterin der Tourist-Info, Marion Wagner, die 46 Jahre für die Gemeinde tätig war. Susanne Pfliegl übernahm die TI-Leitung.

Gemeinde bautneuen Hochbehälter

Da der Hochbehälter der gemeindlichen Wasserversorgung in die Jahre gekommen sei, habe sich der Gemeinderat für einen Neubau in Edelstahlbauweise entschieden, so Wirnshofer. Man rechne mit Investitionskosten von rund 2,5 Millionen Euro. Im nächsten Schritt würden nun die Leistungen für die Entwurfsplanung ausgeschrieben und vom Gemeinderat vergeben. »Sobald hinreichende Planungsgrundlagen vorliegen, wird es eine außerordentliche Infoveranstaltung geben«, so Wirnshofer.

In puncto Glasfaserausbau meinte er: »Unabhängig davon, welches Unternehmen sein Netz erweitern oder ein neues aufbauen wird, es ist damit zu rechnen, dass es in den nächsten Jahren zu nicht unerheblichen baulichen Belastungen für die Ortsbereiche kommen wird.« Nur Glasfaseranschlüsse seien letztlich zukunftsfähig.

Was die Mobilfunkversorgung anbelange, habe sich der Gemeinderat nach den Worten Wirnshofers dafür ausgesprochen, künftig das Dialogverfahren mit den Funknetzbetreibern in Anspruch zu nehmen und anstelle eines Mobilfunkvorsorgekonzepts im Bedarfsfall ein einzelfallbezogenes Standortgutachten mit vergleichender Standortbetrachtung zu beauftragen. Mit dem im vergangenen Frühjahr in Betrieb gegangenen Mobilfunkmast südlich von Erlstätt sei dort nun endlich eine angemessene Mobilfunknutzung für private, berufliche beziehungsweise unternehmerische Zwecke gewährleistet. Auch im Bereich Oberwinkl südlich von Grabenstätt sei demnächst der Bau eines Mobilfunkmastes geplant. Wirnshofer rechnete damit, dass der Bauantrag bald bei der Gemeindeverwaltung eingereicht wird.

Ein Konzept mit Maßnahmen zum Hochwasserschutz in Grabenstätt werde es nicht geben, da die Investitionen nicht im Verhältnis zum Schadenspotenzial stünden und die Gemeinde deswegen keine Förderanträge stellen könne, bedauerte der Rathauschef. Angesichts der latenten Hochwassergefahr und erheblicher Schäden in der Vergangenheit habe die Gemeinde aber das zuständige Planungsbüro damit beauftragt, alternativ »möglichst wirksame Teilmaßnahmen für den Hochwasserschutz zu erarbeiten«.

Um bei künftigen Starkregenereignissen schnell reagieren zu können, habe die Gemeinde auch bereits mobile Hochwasserschutzelemente beschafft und die Bachsohle des Mühlbachs geräumt. Zudem gebe es nun als ständige Einrichtungen eine Hochwasser-Meldepegelanlage am Mühlbach und eine Regenmessstation.

Städtebauförderungim Hauptort fast fertig

Während die Städtebauförderung im Ort Grabenstätt mit dem laufenden barrierefreien Umbau des Rathauses als letzte Maßnahme langsam ausläuft, stehen im Ortsteil Erlstätt in den nächsten Jahren einige Maßnahmen an. Wirnshofer nannte die Sanierungsziele »Revitalisierung der Alten Schule samt Außenanlagen«, »Neugestaltung der Grabenstätter Straße« und »Neugestaltung der Raiffeisen-, Bergener, Traunsteiner und Römerstraße«.

Die Sanierung der ebenfalls denkmalgeschützten Alten Schule in Erlstätt, in der unter anderem die Pfarrei und die Ortsvereine unterkommen sollen, bezeichnete er als »die bisher größte und schwierigste Einzelmaßnahme im Rahmen der Städtebauförderung«. Man rechne mit Gesamtkosten von rund fünf Millionen Euro sowie Fremd- und Fördermitteln von bis zu zwei Millionen Euro. Der Abbruch des neueren Anbaus beginne noch im Oktober.

Positives zu berichten hatte der Bürgermeister zur Fernwärmeversorgung: »Heuer ist die Hauptleitung für 17 neue Objekte erweitert worden, zum Ende des Jahres werden dann voraussichtlich insgesamt 48 Anschlüsse aktiv sein.« Zudem erinnerte er daran, dass sich der Gemeinderat für den Beitritt in das gemeinsame Kommunalunternehmen »Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel« ausgesprochen habe. Es unterstütze die beteiligten Gemeinden bei der Verwirklichung einer nachhaltigen Energiestrategie, freute sich Gerhard Wirnshofer. Noch in diesem Oktober rechne man mit der endgültigen Inbetriebnahme der modernen Lüftungsanlage in der Grundschule Grabenstätt. Die Gesamtkosten für die Maßnahme belaufen sich auf rund 540.000 Euro, bei einer Förderung von 360.000 Euro durch den Bund.

Nach den beiden Corona-Jahren sei »heuer wieder einiges los gewesen«, freute sich Wirnshofer. Und er verwies auf Feste, Märkte, Vereinsaktivitäten sowie Musik- und Kulturveranstaltungen. Auch der Tourismus habe wieder spürbar an Fahrt aufgenommen.

Wegen geringerer Gewerbesteuereinnahmen und noch einiger Ausgaben müsse man voraussichtlich rund 3,9 Millionen Euro aus den Rücklagen nehmen, um den Haushalt auszugleichen, sagte Wirnshofer. Wegen der Planungen beziehungsweise bereits eingegangener Verpflichtungen könne es sogar sein, dass man Darlehen aufnehmen müsse.

mmü