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Müllsammelaktion in der Hirschauer Bucht war »absolut notwendig«

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Grabenstätt: Müllsammelaktion in der Hirschauer Bucht war »absolut notwendig«
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Rund zehn Arbeiter des Wasserwirtschaftsamts und Maschinenrings säubern derzeit die Uferbereiche der Hirschauer Bucht vom Müll. Da dort im Naturschutzgebiet ein absolutes Betretungsverbot gilt, braucht es für die alljährliche Säuberungsaktion eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberbayern. (Foto: Müller)

Grabenstätt – Die älteren Generationen können sich gut daran erinnern, wie sie noch in den 1970er Jahren in der Hirschauer Bucht an einem der schönsten Sandstrände des Chiemsees baden konnten.


Gäbe es heutzutage dort in der Kernzone des Naturschutzgebiets »Mündungsdelta der Tiroler Achen« kein absolutes Betretungsverbot, würde sich das durchschnittlich nur noch etwa 50 Zentimeter tiefe Wasser allenfalls noch zum Schlammwaten eignen, denn die Verlandung schreitet unaufhörlich voran, was auch den Lebensraum der facettenreichen Tier- und Pflanzenwelt stetig verändert.

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Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein versucht seit Jahren, die negativen Auswirkungen dieses natürlichen Verlandungsprozesses am Chiemsee zu mildern. Eine Patentlösung gibt es allerdings nicht.

Müll von Unterhochstätt bis Rothgraben

Das Müllproblem sorgt seit dem Jahrhunderthochwasser 2013 immer wieder für lebhafte Diskussionen und Unmut. Dank einer naturschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberbayern werden seitdem alljährlich bis zu fünf Tage lang im Oktober oder November unter Federführung des Wasserwirtschaftsamts die Uferzonen, von Unterhochstätt/ Hagenauer Landzunge im Norden bis zum Rothgraben unweit des Achendeltas im Südwesten der Bucht, vom Müll befreit – zumindest oberflächlich, denn alles geschieht per Hand.

Um an den Müll unter dem schweren Treibholz zu gelangen, bräuchte man Maschinen, die aber nicht zum Einsatz kommen dürfen. Seit Montag sind rund zehn Personen vom Wasserwirtschaftsamt und vom Maschinenring vor Ort im Einsatz und füllen ihre Müll säcke unermüdlich mit Unrat, darunter Unmengen an Plastik, Styropor und Glas. Das Glas wird gleich am Ort vom Restmüll getrennt.

»Im Schnitt haben wir in den letzten sechs Jahren jeweils gut eine Tonne Müll gehabt«, sagt Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Traunstein. Während es im Vorjahr »nur« 560 Kilogramm Restmüll und 180 Kilogramm Glas waren, kamen 2017 beachtliche 1930 Kilogramm Restmüll und 980 Kilogramm Glas zusammen. Getoppt wurde dies nur von 2013, denn damals waren es hochwasserbedingt 2,7 Tonnen Restmüll und vier Tonnen Glas.

Insgesamt sind von 2013 bis einschließlich 2018 laut Wasserwirtschaftsamt 7,24 Tonnen Restmüll und 5,91 Tonnen Glas eingesammelt worden. Eine Tonne habe 2018 mit Kosten von rund 1800 Euro zu Buche geschlagen, betont Walther Raith.

Nur bei gutem Wetter möglich

»Wir haben heute und gestern auch vier Autoreifen rausgeholt«, erzählt Bootsführer Martin Enzinger vom Wasserwirtschaftsamt, der die Arbeiter mit einem Kollegen vom Hafen in Unterhochstätt übers Wasser in die Hirschauer Bucht und zurück befördert, denn vom Land aus wäre die Säuberungsaktion in der Weise nicht möglich. »Nach einer halben Stunde ist ein solcher Sack fast schon wieder voll«, erklärt Michael Freimuth vom Wasserwirtschaftsamt. Auch die Müllsäcke werden per Boot an Land transportiert. »Wir können das aber nur bei gutem Wetter machen, denn unser Kahn ist nicht hochseetauglich«, so Enzinger.

Auch das Schwemmholz am Ufer wäre bei Regen viel zu glitschig. Dass der Seespiegel in den letzten Wochen um rund 30 Zentimeter angestiegen sei, erleichtere es zwar, möglichst nahe ans Ufer zu fahren, allerdings befänden sich damit auch wieder mehr Uferbereiche unter der Wasseroberfläche, so Enzinger.

Die Arbeit ist nicht nur anstrengend, sondern auch durchaus gefährlich, denn die Männer müssen über Berge von Schwemmholz und morsche Stämme balancieren, die am Ufer oder im flachen Wasser liegen, und jeden Schritt gilt es mit Bedacht und auch mit einer guten Portion Zweckoptimismus zu setzen, denn sicher kann man sich nie sein, auf was man steigt, ob der Untergrund hält oder ob man knietief im Geäst, Schilf und Morast versinkt. Ausrutschen und hinfallen sollte trotz wasserdichter Kleidung möglichst vermieden werden, auch wegen der hin und wieder im Treibholz steckenden Nägel.

Trotz schweißtreibender Arbeit kam ein Müllsammler angesichts des tollen Ausblicks auf See und Berge sogar ins Schwärmen: »Bei diesem traumhaften Wetter ist es wohl einer der schönsten Arbeitsplätze der Welt, auch weil keine Mücken mehr da sind«.

In fünf Tagen wohl wieder eine Tonne Müll

»Wir bedauern es sehr, dass wir so viel Müll finden«, sagt Raith. »Das, was wir rausholen können, das holen wir auch raus«. Er rechne damit, dass es nach fünf Tagen wieder ungefähr eine Tonne Müll sein werde. Er verwies auch auf eine neue Studie des Landesumweltamts, der zufolge man in der Hirschauer Bucht auf einem Quadratmeter Ufersediment 120.000 Mikroplastik-Teilchen gefunden habe.

Auch wenn man nur den sicht- und greifbaren Müll, der größtenteils über die Tiroler Achen in den See gelange und mit der Strömung in der Hirschauer Bucht lande, entfernen könne, sei die Müllsammelaktion »absolut notwendig«. Raith versicherte, dass man sie auch »im kommenden Jahr weiterführen« wolle. mmü

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