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Georg Speckbacher bei einer Dudelsack-Einlage während eines Konzerts der Musikkapelle Grabenstätt. Stehende Ovationen waren ihm sicher. (Foto: Armin Brachtl)

Georg Speckbacher ist Liebhaber eines komplexen Instruments: Der Dudelsack

Grabenstätt – Der ein oder andere in Grabenstätt weilende Urlauber könnte meinen, er verbringe die schönste Zeit des Jahres in den schottischen Highlands und nicht im Herzen des Chiemgaus, wenn der Grabenstätter Georg Speckbacher (59) seinen Dudelsack aus dem Schrank holt und damit zu spielen beginnt. Gerade im Sommer, wenn die Fenster in seinem Wohnzimmer geöffnet sind, bekommt halb Grabenstätt die außergewöhnlichen Klänge und Melodien zu hören.


In den vergangenen zehn Jahren hat Georg Speckbacher damit auch bei diversen Konzerten der Musikkapelle Grabenstätt für Begeisterung gesorgt. Dann natürlich im stilechten Outfit mit knielangem Schottenrock. »Unter dem Kilt trägt der wahre Schotte seit Urzeiten nichts, aufgrund der Falten und der Stoffdicke friert man aber auch ohne Unterwäsche meist nicht«, meint Speckbacher – und lässt es mit einem schelmischen Grinsen offen, wie er es selbst zu tun pflegt.

Doch wie hatte alles begonnen? »Als ich 2012 den irischen Dudelsackweltmeister Robert Watt in Bad Goisern kennengelernt und spielen gehört habe, wo er als Lehrer tätig ist, war ich mir sicher, dass ich mit dem Dudelsackspielen weitermachen wollte. Ich war mir damals aber noch nicht bewusst, dass das Instrument derart kompliziert und komplex ist«, so Speckbacher. Das viele Üben und Besuchen von Kursen sollte sich auszahlen, denn er weiß mittlerweile genau, wie es geht: »Zum Spielen wird Luft in den Luftsack, den sogenannten Pipebag, geblasen. Von dort wird die Luft durch Lungen- und Armdruck in den sogenannten Chanter und die Bordunpfeifen geleitet, wo üblicherweise Schilfblätter die Töne erzeugen. Grifflöcher am Chanter dienen zum Spielen von Melodien, während die Bordunpfeifen oder auch Drones einen gleichbleibenden Dauerton hervorbringen. Im Zusammenklang entsteht die charakteristische Mehrstimmigkeit.«

Seine Bierzelt-Feuertaufe bestand Speckbacher mit seinem Dudelsack 2013 beim 100. Gründungsjubiläum des Trachtenvereins Grabenstätt. »Damals habe ich erst ein Jahr Dudelsack gespielt und ich war total nervös, da hat mir die Bierzeltstimmung schon geholfen«, verrät Speckbacher.

Sein Talent sprach sich nach den mühsamen Anfängen schnell herum, und so war Speckbacher bald Mitglied der »Hellmountain Pipeband« aus Oberösterreich. Mittlerweile wechselte er zur knapp dreißigköpfigen renommierten »Salzburg Rampant Lion Pipe Band« und absolvierte mit ihr bereits einige Konzerte im In- und Ausland. »Ein Höhepunkt war 2018 der Auftritt bei drei Konzerten des niederländischen Star-Geigers André Rieu in Salzburg, im slowenischen Ljubljana und im kroatischen Zagreb.«

Nach zwei schwierigen Corona-Jahren hofft der Grabenstätter, wieder öfters mit seiner Salzburger Band proben und auftreten zu können. Auch mit dem sinfonischen Blasorchester der Stadtkapelle Traunreut würde er gerne wieder einmal auf der Bühne stehen. Vielleicht kann in Grabenstätt heuer auch das im Herbst 2020 ausgefallene Doppelstandkonzert mit der Musikkapelle Grabenstätt und dem irischen Dudelsackweltmeister Robert Watt nachgeholt werden.

Im vergangenen Oktober reiste der Grabenstätter zusammen mit zwei Freunden nach Schottland zum aktuell wohl besten Dudelsackspieler der Welt, Stuart Liddell. In dessen Haus erhielten sie individuellen Unterricht und durften dort sogar wohnen. Natürlich konnten sie nicht widerstehen.

Den Sommer überbrückte Speckbacher damit, Dudelsack auf hiesigen Almen zu spielen. Mit dabei waren auch immer Freunde mit ihren Instrumenten. »Abwechselnd zu den traditionellen Instrumenten gespielt, entwickelte sich eine interessante Klangvielfalt, die so manchen Bergwanderer angelockt hat«, erinnert sich Speckbacher. Kurzerhand habe man auch gleich die inoffizielle »Dudelmusi« gegründet, eine lockere Gemeinschaft mit verschiedenen Instrumenten, die auch diesen Sommer wieder auf verschiedenen Almen zu hören sein werde.

mmü