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Georg Schützinger ist Altbürgermeister

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Grabenstätt: Georg Schützinger ist Altbürgermeister
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Die Ehrenbezeichnung »Altbürgermeister« bekam der langjährige Grabenstätter Rathauschef Georg Schützinger (links) bei einem Festabend in der Schlossökonomie verliehen. Nachfolger Gerhard Wirnshofer überreichte ihm die Urkunde. (Foto: Müller)

Grabenstätt – Vor rund drei Monaten war das Grabenstätter Bürgermeister-Urgestein Georg Schützinger zum Ehrenbürger seiner Gemeinde ernannt worden. Nun ist ihm bei einer Feier im Schlossökonomiesaal eine weitere Ehrung zuteilgeworden.


»In Anerkennung und Würdigung seiner Verdienste als langjähriger Bürgermeister der Gemeinde Grabenstätt wird hiermit Herrn Georg Schützinger aufgrund des einstimmigen Beschlusses des Gemeinderates vom 22. Juni 2020 die Ehrenbezeichnung 'Altbürgermeister' verliehen«, verlas sein Nachfolger Gerhard Wirnshofer und gratulierte unter Applaus.

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Nach 36 Jahren im Amt nicht mehr kandidiert

»Die Ernennung ist für mich eine große Ehre und ich freue mich riesig darüber«, betonte Schützinger und würdigte alle, mit denen er in all den Jahren zusammengearbeitet hatte. Nach 36 Jahren hatte das zuletzt dienstälteste Gemeindeoberhaupt der Region 18 (Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn, Rosenheim, Traunstein und Stadt Rosenheim) am 1. Mai die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger übergeben.

Neben Schützingers Familie waren auch aktive und ehemalige Räte, Bürgermedaillenträger, Gemeindebedienstete und Laudator Gustl Lex bei. Für Musik sorgten Katharina Wiesholler (Harfe) und Markus Gromes (Ziach). Wirnshofer verwies auf besondere Bauarbeiten und Fortschritte unter Führung Schützingers.

Exemplarisch nannte er das Gewerbegebiet an der Autobahn, die Kreisverkehre, die Umgehungsstraße, die Schule, das Feuerwehrhaus, die Sportanlagen, die Turnhalle, Städtebauförderungsprojekte und Neubaugebiete. In Erlstätt seien ebenfalls Sportanlagen gebaut worden, Gewerbe habe sich ansiedeln können, ein neues Feuerwehrhaus sei gebaut und die Turnhalle saniert und erweitert worden. Auch der Bau des Kindergartens und dessen zweimalige Erweiterung fielen in Schützingers Amtszeit.

»Das alles, Georg, haben wir dir zu verdanken«, würdigte Wirnshofer dessen Lebensleistung. Er habe auch die Vereine immer unterstützt und stets ein offenes Ohr für seine Bürger gehabt. Speziell mit Blick auf die in Erlstätt anstehenden Städtebauförderungsprojekte, Sanierung und künftige Nutzung des alten Schulhauses sowie die Schaffung eines Dorfplatzes schob Wirnshofer augenzwinkernd hinterher: »A bissal was muss mir vielleicht auch noch bleiben«.

Gustl Lex blickte in seiner unterhaltsamen Laudatio auf Schützingers 65 Lebensjahre und seine 36-jährige Amtszeit zurück. 1961 eingeschult habe er sich schnell als fleißiger und gescheiter Schüler erwiesen, nur »grad Singa, Sport und Englisch, da war er net gar so begabt«, verriet Lex schmunzelnd. Eine höhere Schule sei für den erstgeborenen Bauernsohn aus Eckering nicht zur Debatte gestanden, denn er wurde auf dem elterlichen Hof gebraucht. Nach dem neunten Hauptschuljahr begann er eine landwirtschaftliche Lehre und besuchte samstags die Berufsaufbauschule, die er mit der Mittleren Reife abschloss. Die Landwirtschaftsschule verließ er als staatlich geprüfter Wirtschafter und machte dann den Landwirtschaftsmeister.

30 Jahre Vorstand des Trachtenvereins

Als junger Mann mit dabei war Schützinger 1973 bei der Wiederbelebung des Trachtenvereins. 1978 rückte er mit nur 23 Jahren an die Vereinsspitze – als jüngster Vorstand im Gauverband. 30 Jahre lenkte er die Geschicke des GTEV »Chiemgauer« Grabenstätt und wurde 2009 zum Ehrenvorstand ernannt.

Auch politisch war Schützinger schon in jungen Jahren sehr aktiv. 1981 übernahm er den JU-Ortsvorsitz. Zwei Jahre später wurde er in die JU-Kreisvorstandschaft gewählt und 1987 stellvertretender Kreisvorsitzender. Nach dem Eintritt in die CSU 1979 wurde er drei Jahre später stellvertretender Ortsvorsitzender – ein Amt, das er bis 2019 37 Jahre lang bekleidete.

Mit 28 Stimmen Vorsprung gewann Schützinger 1984 die Bürgermeisterwahl überraschend gegen den zweiten Bürgermeister Hans Höck und war damals einer der jüngsten Bürgermeister Bayerns. Im Wahlkampf habe er nichts dem Zufall überlassen, so Lex. Bei den folgenden fünf Kommunalwahlen wurde er stets von den Gemeindebürgern wiedergewählt.

Ende 2018 gab der Vollblut-Kommunalpolitiker bekannt, dass er 2020 nach sechs Amtszeiten nicht mehr kandidieren werde, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Der CSU-Kreisverbandsvorstandschaft gehört Schützinger seit 1984 an. Seit 1990 sitzt er im Kreistag und wurde heuer von Listenplatz 31 mit 36 300 Stimmen auf Platz acht gewählt.

Nicht zuletzt bei der hitzigen Debatte um den Chiemsee-Ringkanal in den 80er Jahren habe Schützinger davon profitiert, »nicht zu polarisieren, sondern die Menschen in der Gemeinde zusammenzubringen«, strich Lex eine besondere Fähigkeit heraus und bewunderte seine »Ruhe, Beherrschung und äußerliche Gelassenheit« gerade in stürmischen Zeiten.

Gemeinde ist seit 2006 schuldenfrei

Schützinger sei es auch zu verdanken, dass die Gemeinde trotz großer Investitionen seit 2006 schuldenfrei sei. Als Standesbeamter hat er von 1984 bis April dieses Jahres 1206 Trauungen vollzogen. Selbst heiratete er erst im Jahr 2000 mit 45 Jahren seine Renate. Auch sozial und kirchlich ist er seit jeher engagiert und seit 42 Jahren Mitglied im Pfarrgemeinderat. mmü