Fortschritte beim Projekt Römerregion Chiemsee

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Die geschichtsträchtige Johanneskirche ist eine von drei vorgesehenen, historischen Stationen in der Gemeinde Grabenstätt, die im Rahmen des Kooperationsprojekts »Römerregion Chiemsee« bereits geschaffen wurde. Auf einer Info-Tafel wird ein römischer Grabstein beschrieben, der rechts oberhalb der Eingangstür des Gotteshauses (Südseite) um 1400 eingemauert wurde. Foto: Müller)

Grabenstätt – Vor rund drei Jahren hatte der Gemeinderat einstimmig beschlossen, dass sich die Gemeinde am Leader-Kooperationsprojekt »Römerregion Chiemsee« beteiligen soll. Mittlerweile sind der Aufbau und die Umsetzung des Gesamtprojekts in den elf teilnehmenden Gemeinden rings um den Chiemsee schon weit vorangeschritten und verschiedene historische Stationen geschaffen worden. Zudem gibt es eine Broschüre für Kinder, einen Info-Werbeflyer, einen Filmclip und die Homepage. Das Schwerpunktthema der Gemeinde Grabenstätt heißt »Antiker Wohnkomfort: Ausstattung der römischen Gutshöfe«.


Südwestlich der Grabenstätter Johanneskirche gibt es bereits eine Info-Tafel, auf der ein um 1400 auf der Südseite des Gotteshauses eingemauerter römischer Grabstein beschrieben wird. Da er nicht übermalt ist, sticht er dem Betrachter rechts über dem Portal (Eingangstür) sofort ins Auge. Die darauf befindliche Inschrift nennt eine dreiköpfige Familie – bestehend aus Vater, Mutter und Sohn –, die zur einheimischen Landbevölkerung ohne Bürgerrecht zählte.

Als römische Bürger hätten sie nämlich mehrteilige Namen geführt. Jahreszahlen fehlen zwar auf dem Grabstein, die lateinischen Namen verraten aber, dass die Romanisierung der ansässigen Bevölkerung zu Lebzeiten der Familie bereits fortgeschritten oder abgeschlossen war.

Als weitere Maßnahme soll in den nächsten Wochen am Geh- und Radweg an der Kreisstraße TS 54 auf Höhe der Turnhalle in Erlstätt ein »Fenster in die Vergangenheit« entstehen. Die Besucher werden hier auf das visualisierte einstige römische Landgut (villa rustica) schauen können, das sich auf den südlichen Ausläufern des Erlstätter Bergs (Weinleite) befand.

Mit einem Blick wird man sich in die Römerzeit vor knapp 2000 Jahren zurückversetzt fühlen. Wissenswertes zu diesem einmaligen Bodendenkmal gibt es dann auf einer Info-Tafel nachzulesen.

Im Bereich der im 19. Jahrhundert aufgedeckten villa rustica (mehrere Gebäude) waren immer wieder Mosaiksteine, Fensterglas, Überreste einer Fußboden- und Wandheizung (Hypokausten), Dachziegelteile und andere Kleinfunde zutage getreten, die von deren einstiger luxuriösen Ausstattung zeugen. Zahlreiche Artefakte und sogar begehbare Mosaike befinden sich im derzeit coronabedingt geschlossenen Römermuseum in der Schlossökonomie. Das kleine, aber feine Museum stellt die dritte »Römerregion Chiemsee«-Station in der Gemeinde dar. Hier wird es nach der Wiedereröffnung ein Mosaikpuzzle für Kinder mit Informationen zu römischen Mosaiken geben – auf Grundlage der bei Erlstätt gefundenen, römischen Mosaike.

»Die Gesamtausgaben für diese Maßnahmen betragen brutto 10 602,38 Euro«, erläuterte Bürgermeister Gerhard Wirnshofer im Gemeinderat. Laut Leader-Zuwendungsbescheid sei ein Zuschuss von bis zu maximal 5533,50 Euro bewilligt worden. Insgesamt liegen die Kosten für das Leader-Kooperationsprojekt »Römerregion Chiemsee« nach Abzug der Förderung bei rund 16.600 Euro. Hiervon beträgt der Anteil Grabenstätts etwa 1500 Euro. Wie der Rathauschef verriet, soll das Erfolgsprojekt mit Leader-Förderung weitergeführt werden. Geplant sei eine auf drei Jahre ausgelegte »Koordinationsstelle Multiplikatoren-Netzwerk Römerregion Chiemsee«, die den Aufbau qualitativ hochwertiger und zielgruppengerechter Angebote rund um die Römerregion Chiemsee koordinieren werde. Die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 700 Euro im Jahr, bei einer 50-Prozent-Förderung. Die Gemeinderäte waren sich einig, dass sich die Gemeinde mit bis zu 2200 Euro daran beteiligen soll.

»Mit dem Grabenstätter Römermuseum, der villa rustica in Erlstätt und dem Militärdiplom von Geiselprechting« (die älteste, exakt datierbare Urkunde Bayerns aus dem Jahr 64 nach Christus, eine Kopie befindet sich im Römermuseum) sei man geradezu prädestiniert dafür, sich weiterhin an solchen Römerprojekten zu beteiligen, so Wirnshofer.

Auch die stellvertretende Verkehrsvereinsvorsitzende Christl Stefanutti (CSU) und Dr. Martin Brunnhuber (Bürgergruppe) sprachen sich dafür aus. Josephine Brunnhuber (Freie Wähler) machte sich für die Ausweisung eines Römer-Themenwegs zwischen Erlstätt und Langenspach stark, von dem Fußgänger und Radfahrer das Areal der einstigen »villa rustica« gut überblicken könnten.

mmü