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Die Biber hinterlassen im Wald am Tüttensee ihre Spuren.

»Eine Entnahme wird derzeit nicht diskutiert« – Landratsamt sieht keinen Handlungsbedarf bei Bibern

Grabenstätt – Bäume sind angenagt und drohen umzufallen: Im Wald am Tüttensee hinterlassen die Biber ihre Spuren. Unter den Bürgern verstärkt sich die Forderung, den Bibern zu Leibe zu rücken und den einen oder anderen zu entfernen. Doch im Landratsamt finden sie kein Gehör. »Eine Entnahme wird derzeit nicht diskutiert«, so Michael Reithmeier, der Pressesprecher im Landratsamt, gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt.


Bereits seit geraumer Zeit ist der Tütensee wieder ein Lebensraum für den Biber. Er vermehrt sich – und unter den Bürgern steigt der Ärger, dass sich der Nager an den Bäumen zu schaffen macht. Verletzte Stämme hat Therese Huber vor einigen Tagen entdeckt. »Der Biber hat wieder ganze Arbeit geleistet und eine circa 100-jährige Buche zum Sterben verurteilt«, schildert sie ihre Beobachtungen. Dem Besitzer des Baumes müsse das Herz bluten. Und weiter meint sie: »Was Generationen hegen und pflegen, wird in einer Nacht vernichtet.« Wenn's nach ihr ginge, dann sollten die Tierschützer die Biber »einfangen und irgendwo weit weg bringen«. Huber: »Der Wald um den Tüttensee wird langsam, aber sicher zerstört.«

Bürgermeister Gerhard Wirnshofer bestätigt die Beobachtungen von Therese Huber: »Der Biber frisst viele Bäume an und bringt sie zu Fall.« Das Nagetier sei schon seit Jahren rund um den Tüttensee aktiv. Schon früher habe er Probleme bereitet, sagt Wirnshofer und verweist auf das Jahr 2020. Die Gemeinde habe mit dem Landratsamt Kontakt aufgenommen. Die Behörde habe die Lage über Wochen beobachtet. Schließlich sei sie zu dem Ergebnis gekommen, nicht einschreiten zu müssen. Die Behörde habe keinen Handlungsbedarf gesehen.

Einige Zeit ist seitdem vergangen. Und nun bereitet der Biber laut Wirnshofer erneut Probleme. »Jetzt merkt man wieder, dass der Biber aktiv ist«, sagt der Bürgermeister. Die Gemeinde könne jedoch nicht wirklich etwas unternehmen. Ihr Handlungsspielraum sei begrenzt. Was sie jedoch tun könne – und was sie dann auch gemacht habe –, sei jedoch, das Landratsamt zu verständigen. Also habe sich die Gemeinde Grabenstätt – wieder – an die Behörde in Traunstein gewandt. Bilder, die die Verwaltung im Rathaus bekommen habe, so Wirnshofer, habe sie an das Landratsamt weitergegeben.

»Die Biberpopulation am Tüttensee ist der unteren Naturschutzbehörde bekannt«, sagt Michael Reithmeier, Pressesprecher im Landratsamt. »Die Population besteht aus einer Biberfamilie (fünf bis sieben Tiere) mit den Elterntieren und den Jungtieren aus dem Vorjahr und dem aktuellen Jahr.«

Laut Reithmeier müssen die Jungtiere nach zwei Jahren die Familie verlassen und sind dann auf Reviersuche – was bedeutet, dass lokal innerhalb des Reviers, das nicht immer einfach abzugrenzen sei, keine Überpopulation stattfinden könne. Die Biber seien zudem rigorose Revierverteidiger gegenüber anderen Bibern.

»Die untere Naturschutzbehörde und der ehrenamtliche Biberberater sind im regelmäßigen Austausch mit den privaten Waldbesitzern und Verantwortlichen vor Ort«, berichtet der Pressesprecher. Seitens der privaten Waldbesitzer liegen der unteren Naturschutzbehörde seinen Angaben zufolge bislang keine Beschwerden vor. Die untere Naturschutzbehörde habe in den letzten zwei Monaten verstärkt Präventionsmaßnahmen unternommen, um insbesondere Bäume zu schützen, die bei Schwächung durch Nageschäden auf den Weg fallen könnten. Auch seien besonders schützenswerte Bäume eingezäunt worden.

Reithmeier: »Eine Entnahme des Bibers wird aktuell noch nicht diskutiert.« Hierzu müsse man wissen, dass der Biber nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie streng geschützt sei. »Die rechtlichen Hürden für eine Entnahme liegen sehr hoch.«