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An der Volksschule mit Ruth Drexel

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Grabenstätt: Maria Wilberger feiert heute ihren 95. Geburtstag
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Die gebürtige Altenmarkterin Maria Wilberger aus Grabenstätt feiert am heutigen Dienstag ihren 95. Geburtstag. Sie blickt auf ein arbeitsreiches und bewegtes Leben zurück und verbringt ihre Zeit am liebsten mit der Familie und der netten Nachbarschaft. (Foto: Müller)

Grabenstätt – Ihren 95. Geburtstag feiert Maria Wilberger aus Grabenstätt am heutigen Dienstag im Kreise ihrer Familie. Sie blickt auf ein arbeitsreiches und erfülltes Leben zurück, aus dem sie dank ihres großartigen Gedächtnisses noch bis ins Detail berichten kann. Auch körperlich geht es ihr wieder recht gut, nur ihre Augen haben sie mit der Zeit immer mehr im Stich gelassen.


»Ich lasse mir von meiner Tochter Heidi oder meinen netten Nachbarn aus der Zeitung vorlesen, damit ich weiterhin gut informiert bin«, so die rüstige Grabenstätterin und frühere Traunreuter Geschäftsfrau. Sie kam am 21. Juli 1925 als zweites von drei Kindern der Eheleute Franz Xaver und Margarete Sedlmeier in Altenmarkt zur Welt. Alle drei haben gute Gene mitbekommen, denn der jüngere Bruder, der todkrank aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekommen war, wurde 86 Jahre alt und ihr älterer Bruder sogar 92.

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Ihre ersten 13 Lebensjahre verbrachte sie in Trostberg und besuchte dort die Volksschule. Damals traf sie auch auf die ein paar Jahre jüngere Ruth Drexel, die die Handarbeitslehrerin mit den Worten verblüfft habe: »Ich kann nicht stricken, aber das brauch' ich auch nicht, denn ich heirate mal den Klaus und dann werde ich Gärtnerin«. Es kam bekanntlich anders, Drexel wurde eine bekannte Volksschauspielerin. Nach der Schulzeit erlernte Sedlmeier auf Wunsch ihrer Eltern in Feichten den Beruf der Damenschneiderin.

Ab 1942 musste sie in der Muna (Munitionsanstalt) in Waldkraiburg arbeiten, später kam sie dann in die Muna St. Georgen. Dorthin fuhr sie bis 1945 täglich mit dem Zug. Ein Tag am Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich ganz besonders in ihrem Kopf eingebrannt. »Am Bahnhof in Hörpolding ist plötzlich ein Tieflieger aufgetaucht und hat auf mich geschossen«, so Wilberger. Nur ein schneller und beherzter Sprung in den Straßengraben habe ihr das Leben gerettet.

Als ihr älterer Bruder 1948 ans Heiraten dachte, wollten Sedlmeier und ihre große Liebe Franz Wilberger aus Wolkersdorf sich ebenfalls das Ja-Wort geben. Und so kam es am 31. Juli 1948 in der Stiftskirche Baumburg zu einer Doppelhochzeit. Dort wurde genau 50 Jahre später auch Goldene Hochzeit gefeiert und die Wilbergers staunten nicht schlecht, als plötzlich derselbe Pfarrer vor ihnen stand, der sie einst auch getraut hatte. Der glücklichen Ehe entsprangen drei Kinder, von denen aber nur Tochter Heidi noch lebt. Später kamen drei Enkelkinder hinzu und dann auch ein Urenkelkind.

Mit ihrem Ehemann Franz, einem geschickten Handwerker und Techniker, eröffnete Wilberger am 1. Mai 1949 in Traunreut das gleichnamige Elektrogeschäft – mit gerade einmal 1000 Mark Startkapital in einer Garage.

»Es hat nichts gegeben, was er nicht reparieren konnte«, beschreibt Wilberger das erfolgreiche Geschäftsmodell ihres Mannes, mit dem sie nun bereits seit knapp 72 Jahren verheiratet ist. In den 1950er Jahren bauten sie sich an der Traunreuter Kantstraße mit viel Eigenarbeit ein Haus. Dieses und ihr Geschäft veräußerten sie 1984, um in Franz' Heimat Grabenstätt ihren Ruhestand zu genießen.

Auf die Frage, was sie so rüstig gehalten habe, meinte Wilberger, dass sie mit ihrem Mann, der mittlerweile leider dement in einem Heim lebt, immer viele Radtouren um den Chiemsee und Bergtouren unternommen habe. »Zudem sind wir jeden Tag um 7.30 Uhr im Tüttensee baden gegangen«, erzählt Wilberger. Mit dem geliebten Kegeln musste sie wegen ihrer Augen leider zu früh aufhören – sie tat dies allerdings mit einem umjubelten »9er«.

Dank ihrer Familie und der netten Nachbarschaft habe sie viel Ansprache und fühle sich in Grabenstätt pudelwohl, so Wilberger. Höhepunkte seien bis zuletzt die Klassentreffen gewesen. »Vor drei Jahren haben wir uns immerhin noch zu fünft getroffen, dann zu viert und jetzt sind nur noch ich und meine Schulfreundin Lisl übrig geblieben, die das Corona-Virus trotz ihres hohen Alters gut überstanden hat«, betont Wilberger und fügt an: »Ich denke nicht mehr in Jahren, sondern in Monaten und ich bin für jeden Tag dankbar, denn ich lebe sehr gerne«. mmü