Sterneköchin im »Goldenen Buch«

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Maria Probst und ihr Ehemann Cristiano Santandrea tragen sich ins »Goldene Buch« der Gemeinde Chieming ein. Ihnen gehört das Ristorante »La Tenda Rossa« in Cerbaia.

Chieming – »Prominenten Besuchern und verdienten Gemeindebürgern kann dieses Privileg durch den Bürgermeister ausgesprochen werden«, sagt Chiemings Bürgermeister Stefan Reichelt. Gemeint ist der Eintrag ins »Goldene Buch« der Gemeinde Chieming, in dem nun die Unterschrift einer Sterneköchin steht.


Das »Goldene Buch« mit schwarzem Einband wurde in Chieming 1998 angelegt, als der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber zu Gast war. Zu den Bekanntesten der wenigen, die sich bisher ins Buch in Chieming eingetragen haben, zählen der frühere Münchner Oberbürgermeister Christian Ude und der ehemalige Bundesverkehrsminister aus dem benachbarten Traunwalchen, Peter Ramsauer. Nun hat sich Sterneköchin Maria Probst eingetragen, die in Chieming aufgewachsen ist und mittlerweile in Italien lebt.

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Angefangen hat sie ihre berufliche Karriere mit einer Lehre als Metzgerei-Fachverkäuferin in der Chieminger Metzgerei Bauer. Es folgten Stationen bei Feinkost Käfer in München, eine Kochlehre in Augsburg und diverse Stellen als Köchin in der Schweiz, auf Mallorca, in Südtirol und Norditalien, bevor sie ihren Mann in der Toskana kennenlernte. In seinem Betrieb hat sie zwei Jahre hintereinander einen Michelin-Stern erkocht. Es ist das Ristorante »La Tenda Rossa« (das rote Zelt) in Cerbaia, etwa zehn Kilometer außerhalb von Florenz in Richtung San Gimignano und Siena gelegen. Es ist ein Gourmet-Restaurant, in das normalerweise auch viele Touristen kommen. Aufgrund von Corona hat es seit März geschlossen.

Maria Probst ist in Italien die einzige Frau, die 2019 einen Michelin-Stern erhalten hat. Ihr ist es gelungen, den Stern wieder in die Familie zurück zu holen, in die sie 2004 eingeheiratet hat. Denn ihre Schwiegermutter hatte bereits 1980 einen Michelin-Stern für ihre Kochkünste erhalten. Und auch dieses Jahr gelang es der Chiemingerin, den Stern für 2020 zu erkochen.

Dabei berichtet sie von einigen Änderungen bei der Vergabe. »Mittlerweile wird der Stern nicht mehr dem Restaurant verliehen, für das der Koch tätig ist, sondern dem Koch beziehungsweise der Köchin selbst. Es zählt also nicht mehr das Gesamt-Ambiente des Restaurants bei der Bewertung, sondern es wird nur noch der Teller mit dem Gericht bewertet«, sagt die 44-jährige Sterneköchin.

Um den Wert eines Michelin-Sterns in Italien zu verstehen, muss man vermutlich das besondere Verhältnis der Italiener zum Essen kennen, das einer Lebenseinstellung gleichkommt. Maria Probst erzählt vom großen Prestige, der mit dem Gewinn oder dem Verlust eines Michelin-Sterns für ein italienisches Restaurant verbunden sei. »Es gibt eine große Fernseh-Show mit fünf Millionen Zuschauern, die den Gewinn oder Verlust eines Michelin-Sterns verfolgen. Da steckt viel Ehre und auch Glaubwürdigkeit dahinter, wenn man einen solchen Stern dann wieder verlieren sollte«, sagt die engagierte Köchin.

Auf die Frage, was denn ihre Kochkunst von der weniger erfolgreicher Köche unterscheidet, betont sie, dass sie viel in der Toskana unterwegs sei, um immer wieder herausragende Zutaten an Fisch, Fleisch, Gemüse und Obst zu finden. Zuletzt habe sie etwa einen Lieferanten aus dem toskanischen Apennin kennengelernt, der auf 700 Hektar etwa 100 speziell gezüchtete Rinder hält. »Dieses Fleisch hebt sich in der Qualität stark von anderen Fleischsorten ab, und das möchten wir unseren Gästen bieten.«

Maria Probst wechselt alle paar Wochen das Angebot auf ihrer Speisekarte, nicht zuletzt deshalb, um stets mit einer außergewöhnlichen Vielfalt und Qualität ihrer Speisen überzeugen zu können. Die Chiemingerin möchte ihren Stern so lange es geht verteidigen. »Aber das ist sehr schwierig, denn die Bewertungen erfolgen viermal im Jahr stets unangekündigt, und man bekommt auch nicht sofort mit, wer im Restaurant war, um das servierte Gericht zu testen. Einmal im Jahr kommt dann der Direktor der Michelin-Stern-Vergabe und teilt einem das Ergebnis mit.«

Wie es aber nun überhaupt weitergeht mit der Gastronomie von Maria Probst und ihrem Mann Cristiano Santandrea, das hängt mehr von Corona als vom Michelin-Stern ab. Ab Januar möchte Maria Probst als Beraterin in verschiedenen toskanischen Betrieben tätig sein, um jungen Unternehmern bei ihrem »Start-Up« behilflich zu sein.

Bürgermeister Stefan Reichelt dankte den beiden Gourmet-Köchen für ihren Besuch im Rathaus mit einer Flasche Wein mit Chieminger Banderole und einem Essensgutschein in einer Chiemgauer Wirtschaft.

az


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