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Murmeltier in Chieming: »Franziska Xaver« lässt sich nicht fangen

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Mankei »Franziska Xaver« hält sich seit einiger Zeit im Gemeindebereich Chieming auf. Wie das Murmeltier hierher kam, ist nicht bekannt.

Chieming – Niemand weiß, woher »Franziska Xaver« gekommen ist, doch eins scheint sicher: Das Murmeltier, das seit einigen Wochen immer wieder in der Gemeinde Chieming gesichtet wird, darf vorerst wohl bleiben. Die Falle, mit der das Mankei behördlicherseits eingefangen werden sollte, blieb leer, jetzt wurde sie wieder abgebaut. Damit ist »Franziska Xaver« weiter auf freiem Fuß und hat – zumindest vorerst – seine Ruhe.


Wobei es mit der Ruhe nicht ganz so weit her ist. Denn der Trubel, den es wegen dieses ins Flachland verirrten Alpenbewohners bislang gab, hat schon dafür gesorgt, dass er nicht an seinem ursprünglich gewählten Aufenthaltsort geblieben, sondern weitergewandert ist; die Gemeindegrenzen hat das Mankei aber nicht überschritten.

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Sein neuer Wohnort ist der Redaktion bekannt, wir wollen ihn aber nicht verraten. Denn wir sind uns mit vielen anderen Tierfreunden einig: Lasst »Franziska Xaver« in Ruhe! Wenn sich das Mankei hier wohl fühlt, soll es bleiben dürfen. Zumal es sehr fraglich ist, ob es Sinn macht, das Murmeltier um diese Jahreszeit einzufangen und in den Bergen wieder auszuwildern. Denn das Tier müsste sich erst einen neuen Bau suchen bzw. graben und für seinen monatelangen Winterschlaf herrichten; ob Ende September dafür die Zeit noch reicht, wird jedoch von so manchem Tierfreund bezweifelt.

Anfangs wollte es niemand glauben

Als die Geschichte vom Chieminger Mankei erstmals die Runde machte, wollte es zunächst niemand so recht glauben. Murmeltiere sind Bergbewohner und dort jenseits der Baumgrenze zu finden. Dass so ein Bergbewohner nun in Chieming ansässig sein soll, war für kaum jemandem vorstellbar. Aber das Mankei wurde wiederholt gesichtet und auch fotografiert, darüber hinaus hinterließ es deutliche Spuren – so die Eingänge zu seinem Bau.

Als sich herumgesprochen hatte, dass tatsächlich ein Murmeltier in der Gemeinde lebt, wollten es viele natürlich sehen, selbst nachts waren mit Taschenlampen »bewaffnete« Mankei-Sucher unterwegs. Schließlich wurde es »Franziska Xaver« zu bunt und das Mankei wechselte seinen Lebensraum.

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Das Chieminger Mankei hat sich schon einen Bau angelegt. Vielleicht darf es ja darin überwintern.

Zwischenzeitlich sollte es eingefangen werden. Dazu heißt es in einem Schreiben der unteren Jagdbehörde am Landratsamt, das Mankei habe »bereits Löcher und Gänge in den Boden gegraben. Da die Tätigkeit des Murmeltiers die Weideviehhaltung beeinträchtigen kann und zudem das Revier nicht der typische Lebensraum ist, soll das Murmeltier zu seinem Schutz lebend gefangen und zurück in den Alpenraum gebracht werden.«

Die Behörde beauftragte auch einen Jäger, der die erforderliche Sachkunde im Umgang mit Fallen hat, unter Einhaltung bestimmter Auflagen das Mankei lebend zu fangen und es einem Tierarzt zu übergeben, der es untersuchen sollte. Anschließend sollte es in einem, seinem Lebensraum entsprechenden, Gebiet ausgesetzt werden.

Fangversuche aussichtslos

Doch auch wenn das Gemeindegebiet Chieming nicht gerade dem typischen Lebensraum eines Murmeltiers entspricht, fühlt sich »Franziska Xaver« hier offenbar wohl und vermied es tunlichst, in die Falle zu tappen. Wegen Aussichtslosigkeit des Unternehmens brachte der Jäger die Lebendfalle inzwischen ans Landratsamt zurück.

Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte der Jäger – er will nicht namentlich genannt werden, weil er fürchtet, von Tierschützern angefeindet zu werden –, die Erfolgsaussichten, mit nur einer Lebendfalle das Mankei zu erwischen, sei äußerst gering. Mehrere Tage sei die Falle aufgestellt gewesen, das habe »Franziska Xaver« aber nicht interessiert.
Er habe die Aufgabe als ein Mann starke »Soko Murmeltier« zwar ernst- und gewissenhaft angegangen, doch das Tier lasse sich einfach nicht fangen. »Wenn man sieht, dass etwas keinen Sinn hat, braucht man es auch nicht weiter versuchen«, so der Jäger, weshalb er die Falle wieder abbaute. Und so kann Mankei »Franziska Xaver« zunächst weiterhin durchs Chieminger Gemeindegebiet streifen. Vielleicht darf es ja in seinem bereits angelegten Bau überwintern.

So kam das Mankei zu seinem Namen

Viele werden sich fragen, warum das Mankei ausgerechnet »Franziska Xaver« heißt. Die Antwort ist einfach: Da es sich nicht fangen ließ und somit sein Geschlecht bisher nicht bestimmt werden konnte, gab ihm die »Soko Murmeltier« einen Namen, der sowohl zu einem weiblichen als auch zu einem männlichen Murmeltier passt; auf das heute bei vielen Ausschreibungen gebräuchliche »divers« verzichtete man. m