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Der neue Vorstand des Chieminger Bürgervereins (von links): Kassenprüfer Sebastian Heller, Beisitzer Daniel Seeberger, Kassierin Ina Seeberger, Stellvertretender Vorsitzender Gerhard Bresoski, Vorsitzender Sepp Mitterleitner, Beisitzerin Andrea Probst, Stellvertretende Vorsitzende Silvia Rachl, Schriftführerin Dr. Susanna Richter und Beisitzer Wolfgang Wimmer. (Foto: Zandl)

Mitgliederversammlung des Bürgervereins Chieming: Diskussion zum Lärmaktionsplan

Chieming – Die Verkehrsbelastung im Ort ist das Schwerpunktthema seit der Vereinsgründung 2019. Und so ging es bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Bürgervereins Chieming beim Oberwirt unter anderem um ein Durchfahrtsverbot für Lkw. Auch wurde die Vorstandschaft neu gewählt. Silvia Rachl ist die neue Stellvertretende Vorsitzende.


Sie übernimmt das Amt von Simone Mayer, die aus zeitlichen Gründen nicht mehr kandidierte. Die von Bürgermeister Stephan Reichelt geleitete Wahl bestätigte Sepp Mitterleitner als Vorsitzenden. Stellvertretender Vorsitzender ist neben Rachl Gerhard Bresoski. Schriftführerin bleibt Dr. Susanna Richter, Kassierin Ina Seeberger und als Beisitzer wurden Andrea Probst, Daniel Seeberger und Wolfgang Wimmer in ihren Ämtern bestätigt. Als Kassenprüfer stehen weiterhin Ariane Ruess-Maier und Sebastian Heller zur Verfügung.

Mitterleitner ging auf die zwei Schwerpunktthemen ein, die das zurückliegende Vereinsjahr bestimmt hatten: Das Lkw-Durchfahrtsverbot in Chieming und das Ferienprogramm der Kinder im Ort. Der Vorsitzende nahm Bezug auf die Vereinsgründung im Jahr 2019, wo die Verkehrsbelastung der Ortsdurchfahrt als ein Schwerpunktthema festgelegt worden war. Um die komplexe Rechtslage zu analysieren und Möglichkeiten für ein Durchfahrtsverbot darzustellen, war der Stuttgarter Fachanwalt Bastian Reuße mit einer detaillierten Stellungnahme beauftragt worden, die er im Januar 2021 an den Bürgermeister und an den Gemeinderat übergeben hatte. Dazu gab es im April 2021 eine Online-Infoveranstaltung für die Gemeindebürger. »Der von uns beauftragte Fachanwalt stellte anschaulich und fachlich fundiert seine Einschätzung zu einem möglichen Lkw-Durchfahrtsverbot für Chieming dar«, sagte Mitterleitner. »Außerdem wurden zwei von den Vereinsmitgliedern Daniel Seeberger, Gerhard Bresoski und Silvia Rachl professionell hergestellte Videobeiträge zur Verkehrssituation und zur Lkw-Alternativroute vorgestellt.« Mehr als 800 Personen hätten diese Beiträge im Internet mittlerweile angeschaut.

Im Januar 2022 wurde im Gemeinderat der Antrag der Grünen-Fraktion auf Maßnahmen zum Schutz der Bürger vor Lärm und Abgasen entlang der Chieminger Ortsdurchfahrt einstimmig befürwortet. »Bisher erfolgte im Gemeinderat aber keine weitere Beschlussfassung«, so Mitterleitner. »Die geäußerten Bedenken, dass ein Lärmaktionsplan hohe Kosten verursacht oder vor Gericht erstritten werden muss, teilen wir nicht.« Aus Sicht des Bürgervereins müsse der Lärmaktionsplan genutzt werden, um Chieming schnell vom Verkehr zu entlasten. Eine rechtliche Beratung der Gemeinde durch einen Fachanwalt oder Verkehrsexperten erachtet Mitterleitner als sinnvoll und notwendig. Laut Fachanwalt Reuße »spricht bereits heute viel dafür, dass für Chieming die rechtlichen Voraussetzungen für ein Lkw-Durchfahrtsverbot gegeben sind«. Bürgermeister Reichelt ging auf die Forderungen Mitterleitners ein und stellte sich den Fragen der Vereinsmitglieder. Die Verkehrssituation in Chieming sei für alle ein Thema. Er habe sich bereits mehrmals mit Vertretern der Nachbargemeinden Grabenstätt, Nußdorf und Seeon-Seebruck zusammengesetzt, um eine regionale Betrachtung der Verkehrsproblematik anzustreben.

Aus Sicht des Bürgermeisters sei ein Lärmaktionsplan mit viel Zeitaufwand und Geld verbunden, »und es kommt möglicherweise raus, was wir eh schon wissen«. Ein Lkw-Durchfahrtsverbot sei schwierig durchzusetzen, weil zuerst »mildere Mittel« wie Tempo 30 angewendet werden müssten. Für die Behörden sei auch die Ortsumfahrung ein »milderes Mittel«. Doch hier stelle sich die Frage, ob es überhaupt eine Trasse gebe und ob die seit 40 Jahren zur Diskussion stehende Ortsumfahrung überhaupt möglich sei. »Ich kann nicht sagen, welche Lösung die richtige ist.« Aber im Gemeinderat werde weiter an einer Lösung gearbeitet, so Reichelt.

Vereinsmitglied Wolfgang Richter und Karl-Fritz Roll sprachen sich dafür aus, nicht locker zu lassen und die Behörden dazu zu bringen, für eine schnelle Verkehrsentlastung zu sorgen. Der Lärmaktionsplan müsse forciert werden, weil die Ortsumfahrung frühestens in zehn Jahren verwirklicht werde. Gemeinderätin Angelika Maier verwies da-rauf, dass es seit Kurzem sogar an der Bundesstraße 20 bei Laufen eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h mit fest installierter Radarfalle und eine Verkehrsampel gebe. Beständigkeit in Forderungen zugunsten von Verkehrssicherheit zahle sich aus.

Mitterleitner sagte, der Bürgerverein habe mit großer Freude das Chieminger Ferienprogramm 2021 mitgestaltet, das mit 20 Veranstaltungen bei über 100 Kindern auf große Resonanz gestoßen sei. Besonders erfreulich sei gewesen, dass die Tourist-Info alle organisatorischen Aufgaben übernommen hatte. »So konnten wir als Bürger-verein uns beim Ferienprogramm selbst mit vier Veranstaltungen einbringen und bei weiteren Programmpunkten bei der Betreuung unterstützen.« Mit den Kindern wurden Nistkästen gebaut, der Bauernhof von Familie Probst besucht und zwei Programmierkurse für Kinder im BayernLab in Traunstein organisiert.

az