»Gemeinsame Lösung für Region ist zielführender«

Bildtext einblenden
»Chiemings roter Platz« sorgt seit seiner Entstehung immer wieder für Diskussionen. Bürgermeister Stefan Reichelt möchte nun mit Fahrbahnmarkierungen für mehr Sicherheit sorgen. (Foto: Zandl)

Chieming – Nach dem Rechenschaftsbericht von Bürgermeister Stefan Reichelt nutzen die Chieminger bei der Onlinebürgerversammlung die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dabei ging es um das Zuparken von Straßen, Müll am Chiemseeufer und einen unklaren Kreisverkehr, der keiner ist.


Die an Bürgermeister Reichelt gestellten Bürgerfragen wurden anonym vorgelesen. Einen Chieminger störten die vermehrten Wohnmobile an der Alpenklinik am Chiemseering trotz Verbotsschilds, und die damit zusammenhängende Müllproblematik. Außerdem wurde das Zuparken von seenahen Gemeindestraßen kritisiert. Reichelt ging auf den Beschluss des Gemeinderats ein, wonach der Kiesplatz am Chiemseering eingefriedet wird und mit einer Höhenbegrenzung versehen werden soll. »Die Parkgebühren für Wohnmobile betragen künftig 15 Euro pro Nacht.«

Anzeige

Ein reines Anwohnerparken sei nicht umsetzbar, sagte Reichelt in Bezug auf die seenahen Straßen. Aber gegen die Verengung der Durchgangsstraßen dahingehend, dass keine Rettungsfahrzeuge mehr passieren könnten, werde konsequent vorgegangen.

Isinger Bürger sprachen »die Lärmbelästigung bei Großveranstaltungen« wie Reitturnieren an. Sie fragten, ob nicht eine Nutzungsordnung denkbar wäre. Reichelt möchte sich – gerade in der jetzigen Situation, wo kaum etwas stattfindet – nicht gegen derlei Veranstaltungen stellen. Bisher seien keine Anzeigen bei der Gemeinde wegen Verschmutzungen eingegangen, betonte er weiter.

»Mehr Klarheit durch Bodenmarkierungen«

In Sachen Bebauungsplan Egerer wurde gefragt, ob die Anbindung des Neubaugebiets ausschließlich über die Buchäckerstraße oder auch über die westlich gelegene Staatsstraße 2095 erfolgen wird. Der Bebauungsplan-Entwurf werde derzeit erstellt, anschließend wird dieser vom Gemeinderat gebilligt, danach erfolgt die öffentliche Auslegung, so Reichelt. »Die Baumaßnahmen könnten ab Frühjahr 2022 beginnen, sofern alles nach Plan läuft. Die Buchäckerstraße ist für das Neubaugebiet mit 30 Häusern ausgelegt, eine Anbindung über Staatsstraße ist nicht realisierbar.«

An der Kreuzung Stötthamer Straße/Gallinger Straße/ Fuchsengasserl sorgt der »Rote Platz« immer wieder für Irritationen bei Verkehrsteilnehmern. »Obwohl es wie ein Kreisverkehr ausschaut, ist es keiner, weil die Beschilderung dafür fehlt«, wie es hieß. Ein Kreisverkehr an dieser Stelle sei auch nie geplant gewesen, wie Reichelt betonte. »Wir hoffen, mit Bodenmarkierungen für mehr Klarheit sorgen zu können.«

In Sachen Verkehrsbelastung wegen des Durchgangsverkehrs in Chieming nahm der Bürgermeister Bezug auf einen schon Jahre zurückliegenden Gemeinderatsbeschluss, demzufolge die Planung der Ortsumfahrung vorangetrieben werden soll. »Dazu sind immer wieder Gespräche zwischen dem Straßenbauamt und meinem Vorgänger erfolgt«, sagte Reichelt. Auch er sei seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr in ständigem Kontakt mit den Behörden. Außerdem stehe er in regelmäßigem Austausch mit seinen Amtskollegen aus Grabenstätt, Nußdorf und Seeon-Seebruck, um eine regionale Betrachtung ins Auge zu fassen. »Eine gemeinsame Lösung für die gesamte Region Chiemsee-Ost ist sicher zielführender.«

Eine Frage richtete sich nach der »lieblosen Gestaltung« des Laimgruber Kreisverkehrs. »Dieser könnte doch mit schönen Blumen oder mit einer Skulptur eines ansässigen Künstlers versehen werden.« Laut Reichelt ist der Kreisverkehr derzeit »als Blühfläche« angelegt. Ein bereits bestehender Arbeitskreis dazu habe sich wieder aufgelöst, da man sich nicht einigen konnte. Reichelt nehme aber die Idee gerne auf, um darüber im Gemeinderat zu diskutieren.

»Wildcampen ist in Bayern verboten«

Eine weitere Frage richtete sich nach den Wildcampern im Gemeindegebiet und ob diese geduldet werden müssten. »Wildcampen ist in Bayern verboten. Wenn sich darüber jemand stört, bleibt die Möglichkeit, die Polizei hinzuzuziehen, die Gemeinde hat darauf keinen Einfluss«.

Ein Bürger wünschte sich mehr Mülleimer entlang des Sees in Richtung Seebruck. Das sah Bürgermeister Reichelt anders. »Man sollte sich an der Natur erfreuen und nicht an Mülleimern«, betonte er. Wer eine Bergtour mache, nehme seinen Müll auch mit und entsorge ihn Zuhause.

Eine Frage richtete sich danach, wie oft weitere Bauvorhaben in Schützing dem dort ansässigen Bauern noch genehmigt würden. Reichelt äußerte, dass in Schützing eine funktionierende Landwirtschaft betrieben werde, Landwirte seien wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Landpflege und deshalb privilegiert. Deshalb sei die Gemeinde bei derlei Bauvorhaben in der Entscheidung außen vor.

Ähnlich beantwortet wurde die Frage eines Bürgers über die Notwendigkeit der übelriechenden Gülleausbringung im Gemeindebereich. Für Reichelt ist das Aufbringen von Gülle auf landwirtschaftliche Flächen Teil der Landwirtschaft, auch die angesprochenen erhöhten Nitratwerte seien »im völlig akzeptablen Bereich.«

»Welchen Beitrag leistet die Gemeinde Chieming, um gegen die Klimakrise vorzugehen? – Mit einem verbesserten Nahverkehr, einem Bürgersolarfeld oder der Ausweisung von Schutzgebieten in Chieming?« – Das war die Frage eines Bürgers. Ein anderer Bürger stellte die Frage nach einer verbesserten ÖPNV-Anbindung für Chieming in den Abendstunden und für eine verbesserte Vernetzung mit Nachbargemeinden. Reichelt antwortete, am Chiemseeufer gebe es schon Schutzgebiete, im Laufe des Jahres soll ein Konzept für einen gemeindlichen ÖPNV erstellt werden. Ziel ist ein gemeindlicher ÖPNV mit einem übergeordneten ÖPNV, für den der Landkreis zuständig ist. »Aber auch da ist der Landkreis dran, und wir hoffen, darüber etwas bis Jahresende berichten zu können.«

»Sehr sensibler Umgang vorgeschrieben«

Auf die Frage, ob das Chiemseeufer 2021 wieder mit Chemie besprüht werden soll, sagte Reichelt, der Einsatz von BTI zur Mückenbekämpfung erfolge nur unter bestimmten Voraussetzungen. »Wenn diese Voraussetzungen nicht vorliegen, darf nicht gespritzt werden, da ist ein sehr sensibler Umgang vorgeschrieben.« – Über weitere Anfragen berichten wir noch.

az


Einstellungen