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Bürgerverein: Durchfahrtsverbot für Lkw besser als Ortsumgehung

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Chieming: Bürgerverein findet Durchfahrtsverbot für Lkw besser als Ortsumgehung
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Vorsitzender Josef Mitterleitner kritisierte die geplante »Trasse 2« für die Ortsumgehung: Durch die Streckenführung würde das Landschaftsschutzgebiet östlich von Oberhochstätt durchschnitten. (Foto: Zandl)

Chieming – Die erste Großveranstaltung des in diesem Jahr gegründeten Bürgervereins fand viel Zuspruch: Etwa 250 Gäste kamen. Das Thema des Abends kleidete der Verein in eine Frage: »Braucht Chieming wirklich eine Ortsumgehung?« Aus den Reihen der Verantwortlichen des Vereins kam viel Kritik an der Planung. Der Tenor: Besser wäre ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen.


Vorsitzender Josef Mitterleitner stellte den geplanten Trassenverlauf vor, den der Gemeinderat mit 12:5 Stimmen zur Vorlage an die Straßenbaubehörde übergab, um ein Umweltverträglichkeitsgutachten erstellen zu lassen. Die ins Auge gefassten »Trasse 2« verlaufe zunächst zwischen Laimgrub und Eglsee auf der Staatsstraße 2095 und führe anschließend in Schlangenlinie Richtung Süden, unter anderem durch das Krebsbachtal.

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Kritisch sieht Mitterleitner die Streckenführung, weil dadurch das Landschaftsschutzgebiet östlich von Oberhochstätt durchschnitten würde, ein Wasserschutzgebiet bei Eglsee tangiert wäre und nur 100 Meter Abstand zur nächsten Wohnbebauung bestünde. Chiemings Ortsentwicklung würde künftig zwischen zwei Hauptstraßen verlaufen, der Flächenverbrauch bei »voraussichtlich zehn Hektar plus xx« liegen und die Wegstrecke wäre insgesamt einen Kilometer länger als die bisher bestehende durch den Ort. Dies könnte Autofahrer auf die Idee bringen, auch weiterhin »den Abkürzer durch Chieming« zu nehmen.

Zu diesem Ergebnis sei auch das Verkehrsuntersuchungsbüro Ingevost aus Planegg gekommen, so Mitterleitner. Nur etwa 35 Prozent der Pkw würden die Umgehungsstraße nutzen, der Rest wäre überwiegend Quell- und Zielverkehr. Man ginge im Durchschnitt von 5090 Pkw und 160 Lkw täglich aus, die trotz Umgehung durch Chieming fahren würden. Auf der Umgehungsstraße wären es laut Berechnung durchschnittlich 2770 Pkw und 480 Lkw täglich.

Zum Lösungsmodell der Chieminger Ortsentlastung auch ohne Umgehungsstraße würde gehören, dass für Chieming ein Lkw-Durchfahrtsverbot erlassen würde. Stattdessen könnte der überregionale Lkw-Verkehr von der A8 direkt über die B306, die »Blaue Wand«, durch den Tunnel zur B304 geleitet werden. Der Planfeststellungsbeschluss zur Ortsumfahrung von Traunstein hätte ergeben, dass diese Route noch mehr Verkehr aufnehmen könne als bisher.

Mut machen Beispiele andernorts

Die Vertreter des Bürgervereins sehen die Möglichkeit, ein Lkw-Durchfahrtsverbot in Chieming aufgrund von Lärmschutzrichtlinien zu erlassen. Mut machen ihnen Beispiele anderer Nachtdurchfahrtsverbote von Lkws, beispielsweise im »Kleinen Deutschen Eck« zwischen der A8 Ausfahrt Bad Reichenhall und der österreichischen Landesgrenze bei Schneizlreuth oder auch im Tegernseer Tal.

Bürgermeister Benno Graf betonte im folgenden Gesprächsforum, das Wolfgang Wimmer moderierte, dass schon seit 1990 versucht werde, den Schwerlastverkehr aus Chieming herauszubringen. Es bestehe die Gefahr, dass gerade diejenigen, die die Umgehungsstraße ablehnen, auch gegen den A8-Ausbau sind – »das ist nicht machbar«. Der Gemeinderat habe sich wohl überlegt mehrheitlich für die Umgehungsstraße ausgesprochen. Auch die Rechtsanwälte, die nun Hilfe bringen sollen, würden in diesem Fall nichts nützen. Graf rief dazu auf, sich an der eigenen Nase zu fassen, wenn es darum geht, auf das Auto innerorts zu verzichten, wenn man sich zum Beispiel beim Bäcker Semmeln holt. In die gleiche Kerbe schlugen Andreas Schneider und Achim Kraus.

Gebhart Gassner wollte wissen, ob der Bürgerverein der »Wahlunterstützungsverein der Grünen« sei. Dem entgegneten die Vereinsvertreter, dass es dem Verein nicht um parteipolitische Interessen gehe, sondern um die Sache: um das Wohl von Chieming und dessen Bürgern.

Franz Genghammer wusste noch Geschichten aus der Zeit von 1946, als die aufgekieste Dorfstraße zur Kreisstraße umgebaut wurde. Anlieger hätten etwas von ihren Grund- und Hofflächen hergeben müssen. »Die Umgehungsstraße wird sowieso nix«, sagte Genghammer. »Ich bin für eine 30er-Zone mit Zebrastreifen.«

Auch Claudia Schrobenhauser, die direkt an der Hauptstraße wohnt, sprach sich gegen die Umgehungsstraße aus, schon deshalb, »weil Chieming nicht schön ist«. Der ein Kilometer lange Strand sei oft nicht sauber hergerichtet. Das »wirklich schöne Plätzchen in Chieming«, wo man sich von den Touristen abschotten könne, sei der Platz, an dem die Ortsumgehung nun geplant ist. »Das dürfen wir uns nicht kaputt machen lassen, deshalb bin ich für eine 30er-Zone mit Dauerblitzer.«

Ariane Ruess-Maier nahm einen Blick zurück auf das, was an scheinbar Unmöglichem bereits geschafft wurde: »Nehmen wir die Ampelanlage aus dem Jahr 2014, die von vielen als völlig utopisch angesehen wurde, oder die 30er-Zone vor dem Kindergarten. Ich weiß noch, wie diese von der Unteren Baubehörde des Landratsamts als unrealistisch dargestellt wurde, und heute haben wir sie.«

Wolfgang Hillenband hatte sich viel Mühe gemacht, um die Zahlen der Dauerzählstelle in Hirschau miteinander zu vergleichen. Er kam zum Ergebnis, dass an Sonn- und Feiertagen der Durchgangsverkehr höher ausfalle als am Wochenende. An der Zählstelle der B304 in Nußdorf sei es genau andersherum. az

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