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Benno Graf zum Altbürgermeister ernannt

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Chieming: Benno Graf zum Altbürgermeister ernannt
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Benno Graf (links) wurde von seinem Amtsnachfolger Stefan Reichelt per Urkunde zum Altbürgermeister ernannt. (Foto: Zandl)

Chieming – Bürgermeister Stefan Reichelt (CSU) hatte den ehemaligen und amtierenden Gemeinderat sowie seinen Amtsvorgänger Benno Graf (UW) ins Gasthaus Unterwirt geladen, um sich gebührend von teilweise seit Jahrzehnten im Ehrenamt für die Gemeinde tätigen und gewählten Bürgervertretern zu verabschieden.


Zum offiziellen Ende der Wahlperiode Anfang Mai war eine solche Feier aufgrund von Corona nicht möglich gewesen. Nun erlaubten es die Umstände, bei einem gemeinsamen Essen den Dank an die ausgeschiedenen Gemeinderäte auszusprechen, auf die gemeinsam auf den Weg gebrachten Leistungen rund um die Gemeinde zurückzuschauen und sich mit Herzlichkeit vom abgeschlossenen Lebensabschnitt und den vertraut gewordenen Weggefährten zu verabschieden.

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Eine Wahlperiode lang waren der ehemalige dritte Bürgermeister Christian Schindler (CSU) und Wolfgang Ludwig (Grüne), seit 2010 als Nachrückerin Heidi Schlicht (CSU), seit 2005 Toni Maier (BBW), seit 2002 Ingrid Schaeffler und der ehemalige zweite Bürgermeister Georg Hunglinger, seit 1996 Sepp Wiesholler (alle UW) und seit 1978 Heinrich Hunglinger (SPD) im Gemeinderat.

Benno Graf ließ seine eigene Zeit als Gemeinderat von 1996 bis 2002, und seine Zeit als Bürgermeister seit 2002 Revue passieren. Dabei nahm er Bezug auf Ereignisse wie die Planung der Schulturnhalle oder Bau- und Sanierungsmaßnahmen wie die Klinik Alpenhof, das Rathaus, das Haus des Gastes oder die anstehende Renovierung der Schule, um nur einige zu nennen. Seine besondere Verbundenheit brachte Graf gegenüber den »alten Haudegen« Toni Maier, Ingrid Schaeffler, Sepp Wiesholler, Georg Hunglinger und Heinrich Hunglinger mit verschiedenen Anekdoten zum Ausdruck.

An Toni Maier, der 2005 als Nachrücker für Gebhard Gaßner in den Gemeinderat kam, gefiel Graf besonders, dass er bei allen Ortsvereinen stets präsent war. Ingrid Schaeffler sei Graf ans Herz gewachsen wegen ihres Engagements für soziale Belange von der Hospizhelferin bis zur Asyl- und Migrationsbeauftragten. Besonders könne er sich noch an das Dorf- und Seefest 2006 erinnern, bei dem Schaeffler federführend alle Ortsvereine zusammengebracht hätte.

Mit Sepp Wiesholler verbinde Graf einen Menschen, der die letzten 24 Jahre »immer gut drauf« war, mit dem er in dessen Bauernstube einige Kämpfe ausgefochten habe, den er als Vorsitzender des Gartenbauvereins, als Ehrenvorsitzenden der Feuerwehr und als Vertreter in landwirtschaftlichen Angelegenheiten sehr schätze.

Großer Einsatz in der Flüchtlingskrise

Auch »der Hunglinger Schorsch«, ehemals Sachgebietsleiter beim Gauverband der Trachtler, der sich 19 Jahre lang als Chieminger Trachtenvorstand für die Belange der Vereine eingesetzt habe, fand Graf dankende Worte. Unvergesslich sei dem ehemaligen Bürgermeister, Hunglingers unermüdlicher Einsatz 2015 gewesen, als er als Hauptinitiator mit seinem Bruder Andreas innerhalb von drei Tagen die Turnhalle in Chieming zu einer Sammelunterkunft für 150 Asylbewerber umfunktioniert habe. Auch allen übrigen Helfern von damals sei Graf bis heute sehr dankbar. »Wenn es die ganzen Helfer nicht gegeben hätte, dann hätte es in Chieming damals anders ausgeschaut«, so Graf.

Als »legendäre Tat« von Georg Hunglinger war Graf noch in Erinnerung, dass dieser mit einem selbst zusammengeschweißten Gerüst gemeinsam mit Zimmerer Konrad Kecht die Kapelle an der Theresienstraße um ein paar Meter mit einem Kranwagen versetzt hatte, nachdem in dieser ein Römerstein gefunden wurde, für den sich Archäologen interessiert hatten.

Graf ist sich sicher, wenn das damals Ingenieure in die Hand genommen hätten oder die Gemeinde den Empfehlungen der Archäologen nachgekommen wäre, dann wäre die Versetzung der Kapelle nicht so erfolgreich verlaufen wie mit den zwei Praktikern aus der Gemeinde. Georg Hunglinger ergänzte: »Natürlich muss es rechtmäßig sein, was man macht, aber man muss Entscheidungen auch mal aus dem Bauch heraus treffen und nicht immer nur blind den Paragrafen folgen.«

Immer ehrlich und überlegt

Der mit Abstand dienstälteste »Haudegen« im Bunde der verabschiedeten Gemeinderäte ist Heinrich Hunglinger. »Der Heini wurde 1978 in das Gemeindegremium gewählt und war schon seit 18 Jahren dabei, als ich 1996 angefangen habe«, so Graf. Heinrich Hunglinger war zuletzt als einziger SPD-Kandidat im Gemeinderat. Graf schrieb dem pensionierten Lehrer, der an der Volksschule Chieming tätig war, zu, dass er 42 Jahre lang die Gemeinde mitgeprägt und ehrlich und überlegt seine Meinung vertreten habe, auch wenn dadurch die Zahl seiner neuen Freunde sich kaum erhöht habe.

Heinrich Hunglinger sei wohl weit und breit der einzige Gemeinderat, der in seiner Amtszeit die Anschaffung desselben Feuerwehrfahrzeugs gleich zweimal in Auftrag gegeben habe. »In Ising wurde 1978 ein Feuerwehrauto angeschafft, das nach vierzig Jahren ausgetauscht wurde. Heini Hunglinger stimmte bei beiden Anschaffungen mit.«

In Heinrich Hunglingers Ära als Gemeinderat fielen noch Ereignisse wie die Abrisse des Strandkurhauses und des Hallenbads, die mittlerweile längst der Vergangenheit angehören.

Nachdem Bürgermeister Stefan Reichelt allen ausgeschiedenen Gemeinderäten eine Urkunde zum Dank ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit durch die Gemeinde überreicht hatte, ernannte Reichelt seinen Amtsvorgänger Benno Graf per Urkunde zum Altbürgermeister.

Reichelt dankte ihm herzlich für dessen vielseitiges Wirken in dessen 18-jährigen Amtszeit als Chieminger Bürgermeister zum Wohl der Gemeinde. Graf nahm seinen neuen Ehrentitel humorvoll entgegen mit den Worten »Jetzt hab ich es schriftlich, dass ich alt bin.« Dass er nach seiner Amtszeit »in ein Loch gefallen sei«, wie er manchmal gefragt werde, diese Angst bestehe nicht, weil Graf sich nun verstärkt um seine Familie und um Haus und Hof kümmern könne.

Für die neue Generation im Gemeinderat hatte Graf noch eine Anregung parat: »Mir hat als Gemeinderat und Bürgermeister gutgetan, dass wir uns nach den Gemeinderatssitzungen im Berghof trafen und dort gefeiert und gepulvert haben, aber nach strittigen Entscheidungen immer in Frieden auseinandergegangen sind. Das wünsche ich auch dem neuen Gemeinderat.« az