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Im Rohbau befindet sich derzeit das Austragshaus für den bisherigen Betriebsleiter. Vorgesehen ist auch eine Wohnung für eine Pflegekraft. Das Dachgeschoß ist überwiegend als landwirtschaftlicher Lagerraum vorgesehen. (Foto: Zandl)

Baumaßnahmen in Schützing: Landwirtschaftlicher Betrieb will sich weiterentwickeln

Chieming – Der Gemeinderat gab für Baumaßnahmen auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in Schützing grünes Licht: Er billigte den Teilabbruch des Wohnhauses, den Neubau mit Einbau einer Betriebsleiterwohnung und neun Ferienwohnungen sowie den Einbau eines Hofcafés im Erdgeschoß und die Umnutzung des Grundstücks. 


Bereits im Februar 2019 hatte der Eigentümer eine Nutzungsänderung des bestehenden landwirtschaftlichen Wohnhauses sowie den Rückbau und die Wiedererrichtung des landwirtschaftlichen Betriebsgebäudes, die Errichtung eines Austragshauses und die Schaffung von 15 Campingsstellplätzen beantragt. Nach Gesprächen zwischen dem Landratsamt und dem Landwirtschaftsamt wurde ein positiver Bescheid unter der Voraussetzung der landwirtschaftlichen Privilegierung von Seiten des Landwirtschaftsamts in Aussicht gestellt. Die Errichtung des Austragshauses wurde im April 2021 separat beantragt und mit Bescheid vom August 2021 genehmigt. Eine Genehmigung der 15 Campingstellplätze wurde vom Landratsamt abgelehnt.

Im Gemeinderat standen nun folgende Vorhaben im Brennpunkt: der Teilabbruch und Neubau mit Einbau einer Betriebsleiterwohnung und neun Ferienwohnungen, die Umnutzung des bestehenden Bauernhauses mit Einbau eines Hofcafés im Erdgeschoß, die Umnutzung der bisherigen Austragswohnung in Lehrlingszimmer als Wohngemeinschaft, die Umnutzung der bisherigen Betriebsleiterwohnung in eine Landarbeiterwohnung, die energetische Sanierung des Dachgeschoßes mit Sanierung, die Umgestaltung der bestehenden Gästezimmer und die Errichtung eines unterirdischen Verbindungsgangs zum Austragshaus mit Außenabgang. Über den Bauantrag vom November 2021 hatte das Gremium die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit dieser Vorhaben zu klären.

Von den Gemeinderäten sah zunächst Elisabeth Heimbucher (Grüne) die weitere Vergrößerung des Betriebs in Schützing als problematisch an, weil neun zusätzliche Ferienwohnungen und ein Hofcafé für noch mehr Verkehr, insbesondere auf der Ortsdurchfahrt von Stöttham, sorgen würden. Dort sei zuletzt mit einer Tempo-30-Zone im gesamten Ort versucht worden, die Durchfahrtsgeschwindigkeiten zu drosseln.

Die Gemeinderäte Martin Pauli (CSU), Markus Brunner (UW) und Heinz Wallner (BBW) sprachen sich unisono dafür aus, der geplanten Betriebsweiterentwicklung nichts in den Weg zu stellen. Der in Stöttham wohnende Pauli sagte, dass in Richtung Schützing aufgrund der engen Verkehrsführung ohnehin kaum schneller als mit 30 km/h durch Stöttham gefahren werden könnte. Dem landwirtschaftlichen Betrieb sollte aber die Möglichkeit gegeben werden, sich weiter zu entwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch die bestehende Gebäude-Kubatur würde durch den Umbau und die Nutzungsänderung nicht erweitert. Zweiter Bürgermeister Brunner sprach sich dafür aus, mit Augenmaß vorzugehen.

Der landwirtschaftliche Charakter des Betriebs müsse erhalten bleiben und über die Vorgaben der benötigten Parkflächen sei noch zu entscheiden. Wallner sah es als »positiv, wenn jemand etwas aus seinem Anwesen macht«. Und weiter: »Ich bin froh über jeden, der Ferienwohnungen anbietet, für mich ist das Bauvorhaben in Schützing ein schlüssiges Konzept.« Daraufhin sagte Heimbucher, »wenn die Bewohner in Stöttham nichts gegen das Projekt haben, dann bin ich auch nicht dagegen.«

Die Abstimmung endete schließlich einstimmig zugunsten der Beschlussvorlage.

Gemeinderat besichtigt Betrieb

Sebastian Heller (Grüne) sprach dem Bauvorhaben seine »unternehmerische Würdigung« aus. Er stellte die Frage, in welchem Verhältnis die drei Säulen des Unternehmens stünden: die Landwirtschaft, die Energiegewinnung (per Biogas und PV) und die Gastronomie.

Ihm sei wichtig, die Sensibilität im Außenbereich zu erhalten und die landwirtschaftliche Nutzung vordergründig zu sehen. Schließlich regte Brunner an, dass der Gemeinderat eine Betriebsbesichtigung – wie seit 2019 geplant – durchführen sollte, um die Vielschichtigkeit des Betriebs kennenzulernen.

Die in der Sitzung anwesenden Bauherren Franz und Veronika Kirchmaier luden den Gemeinderat zu einer Betriebsbesichtigung ein. Im Nachgang stellten die Bauherren klar, dass die Hofübergabe auf die neuen Betriebsleiter im Frühjahr 2022 geplant sei. Aus steuerrechtlichen Gründen dürfe erst danach der bestehende »hintere Stock« des Bauernhauses abgerissen werden, um auf diesem Grundstück die neue Betriebsleiterwohnung zu errichten.

az