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42 Jahre im Einsatz für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität

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Chieming: Heinrich Hunglinger blickt auf 42 Jahre im Gemeinderat zurück
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Heinrich Hunglinger war von 1978 bis 2020 Mitglied des Gemeinderats in Chieming.

Chieming – Der pensionierte Volksschullehrer Heinrich Hunglinger ist nach 42 Jahren aus dem Gemeinderat ausgeschieden. Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt zieht er Bilanz über seine lange ehrenamtliche Tätigkeit.


1978 war das Jahr, in dem Edi Finger durch sein legendäres »I wer' narrisch« der Schmach beziehungsweise dem Wunder von Córdoba bei der Fußballweltmeisterschaft in Argentinien seine Stimme gab, als die deutsche Nationalmannschaft beim 2:3 gegen Österreich durch zwei Tore von »Hansi-Burli« Krankl aus dem Turnier geschossen wurde. Heinrich Hunglinger verfolgte jenes Spiel im Juni 78 mit dem Chieminger Männergesangsverein in Kärnten mit, wo die Gesangsgruppe gerade eingeladen war. An die damaligen Schmäh-Kommentare der österreichischen Gastgeber kann er sich noch sehr gut erinnern.

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In diesem Jahr zog Heinrich Hunglinger in den Gemeinderat ein. Kurz nach der Wahl trat er der SPD bei, weil ihm die parteipolitischen Ziele am meisten zusagten. »Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind die Grundwerte des Sozialismus, die mir bis heute wichtig sind«, so der 78-Jährige. »Die Parteipolitik spielte für mich im Gemeinderat aber keine Rolle. Im Vordergrund stand immer, was für die Gemeinde Chieming sinnvoll und wichtig ist.«

Hunglinger kennt noch die Zeit 1987/88, als für die Gemeinden Chieming und Seebruck zunächst eine gemeinsame Kläranlage zur Kanalisierung an der Alz vorgesehen war. Aus Naturschutzgründen kam es aber nicht zu dieser kleinen Lösung, sondern zum Chiemsee-Ringkanal mit einem großen Klärwerk in der Gemeinde Rimsting und der Einleitung der geklärten Abwässer in den Inn als Lösung. Hunglinger: »Diese Bauphase blieb aber auch für Chieming nicht ohne Folgen, denn bis zur Fertigstellung des Ringkanals 1989 wurde für Chieming ein Baustopp verhängt, und dies führte zu Protesten bei den ortsansässigen Bauunternehmen«.

»Ein weiteres Problem war das Strandkurhaus, das auf der Stelle der heutigen Alpenklinik stand.« Im Nordflügel befand sich laut Hunglinger damals ein Hallenbad, für dessen laufenden Betrieb die Gemeinde im Zeitraum von 1973 bis 1983 einen jährlichen Zuschuss von 200.000 Mark leisten musste, insbesondere für Personalkosten. Und im südlichen Gebäudeteil befand sich ein Gastronomiebetrieb, den mehrere Wirte nicht gewinnbringend betreiben konnten. So pachtete schließlich ein Immobilienmakler die gesamte Gastronomie an und teilte sie in zwölf Lokale auf.

An die Gemeinde ging der Antrag, die Lokale ohne Sperrstunde betreiben zu dürfen, der dann bei einer Mehrheit des Gemeinderates Zustimmung fand. »So kam es dazu, dass sich um drei Uhr nachts aus der ganzen Umgebung Autokolonnen nach Chieming bewegten. Auch zum Drogenkonsum wurde das Strandkurhaus damals genutzt. Über diese Störung der Nachtruhe regten sich viele Bürger auf, so dass der Beschluss wieder rückgängig gemacht werden musste«, kann sich Hunglinger noch gut erinnern, der von Anfang an gegen diesen Beschluss war.

Große Investitionen beschloss der Gemeinderat 1986, als 1,5 Millionen Mark für das neue Haus des Gastes mit Verkehrsamt bereitgestellt wurden – 2019 musste dieses Gebäude für 1,9 Millionen Euro saniert werden. Ebenfalls 1986 wurde ein neues Schulgebäude für 5,8 Millionen Mark errichtet, für das 2020 die Generalsanierung mit acht Millionen Euro vorgesehen ist.

Heinrich Hunglinger war in den vergangenen Gemeinderatsperioden nur mehr der einzige SPD-Vertreter gewesen, jetzt ist gar kein Sozialdemokrat mehr dabei. »Ich bedaure sehr, dass die SPD im künftigen Gemeinderat nicht mehr vertreten ist, aber es haben sich zu wenige bereit erklärt, auf dieser Partei-Liste zu kandidieren.«

Hunglinger ist noch amtierender SPD-Ortsvorsitzender, aber er möchte dieses Amt gerne in jüngere Hände übergeben, wenn sich jemand findet, der es übernehmen möchte. »Meine Bilanz in der Chieminger Gemeindepolitik sehe ich durchaus positiv. Auch als Einzelner war ich fähig, meine Argumente klar und deutlich vorzubringen und so auch andere zu überzeugen.«

Eine konkrete Maßnahme, die ihm dazu einfällt, war etwa die Lärmbelästigung in der Nähe von Weidboden aufgrund einer damals betriebenen Anlage, die unter viel Lärm Holzpaletten zerlegt hatte. Die Anwohner hatten sich über den Lärm beschwert – und Hunglinger setzte sich erfolgreich im Gemeinderat dafür ein, dass dem abgeholfen werden konnte.

Nochmal zu kandidieren war für Hunglinger aus Altersgründen nicht mehr in Frage gekommen. »Ich glaube, es gehören wirklich Jüngere in den Gemeinderat.« az