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»Wir müssen an einem Strang ziehen«

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Den katholischen Kindergarten baut die Gemeinde Bergen aus. Sie schafft eine Krippe – und auch Wohnungen, die sie dann günstig vermietet.

Bergen – Vor einer großen Herausforderung steht die Gemeinde Bergen: Sie muss die Kanalisation im Ortsteil Holzhausen sanieren. In der Bürgerversammlung im Festsaal in Bergen hat Bürgermeister Stefan Schneider keinen Hehl daraus gemacht, dass »akuter Handlungsbedarf« bestehe.


Das Problem: Die Erneuerung des Netzes kostet sechs Millionen Euro – und so viel Geld hat die Gemeinde nicht. »Mit drei Millionen habe ich schon gerechnet, nicht aber mit sechs«, so Schneider.

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Um das Schmutz- und das Regenwasser zu beseitigen, betreibt die Gemeinde Bergen ein riesiges unterirdisches Netz: 65 Kilometer Kanäle liegen im Boden, 2000 Schächte sind eingebaut, ebenso drei Pumpstationen. Der Zahn der Zeit nagt an der Abwasserbeseitigung.

Nicht in allen Ortsteilen besteht gleichermaßen Handlungsbedarf. Im Argen liegen die Verhältnisse vor allem in Holzhausen. An den Rohren sind Risse aufgetreten, dort haben sich Verbindungen verschoben, Wurzeln und Ablagerungen beeinträchtigen den Abfluss. Und noch etwas ist zu verbessern: Zu viel Regenwasser fließt in die Kanalisation.

Die Gemeinde steht vor einer Mammutaufgabe. Bereits seit Jahren arbeite sie an dem Projekt, berichtete Schneider, alle zwei bis drei Monate erfolge wieder ein Schritt. Vor kurzem habe das beauftragte Ingenieurbüro ein Sanierungskonzept vorgelegt.

55 Prozent der Rohre seien, wie Schneider die Ergebnisse der Untersuchungen beschrieb, sanierungsbedürftig, nicht viel besser sei der Zustand der Schächte. Das Problem in Holzhausen sei, so der Bürgermeister, dass die Gemeinde seinerzeit einige Kanäle in privatem Grund und Boden verlegt habe. Solche vom Rathauschef angeregten »Bürgermeisterkanäle« seien heutzutage nicht mehr möglich, die Kanäle müssten nun in Straßen der Gemeinde verlegt werden.

Eine Sanierung des Kanalnetzes, wie sie vom Ingenieurbüro vorgeschlagen wird, kommt für Bürgermeister Schneider nicht in Frage. »Wir können nicht allein für Holzhausen schon sechs Millionen ausgeben«, sagte er. »Das geht nicht.« Denn wenn die Gemeinde in diesem Ortsteil einen so hohen Aufwand im Rahmen der Kanalsanierung betreiben würde, dann müsste sie ihn dann auch in Bernhaupten und Bergen an den Tag legen – und dann würden die Kosten ins Unermessliche, womöglich in einen Bereich über 100 Millionen, steigen.

»Wir müssen gemeinsam Lösungen finden«, hofft Schneider auf die Mitwirkung der Bürger. »Wir müssen an einem Strang ziehen.« Insbesondere müsse man nun gemeinsam versuchen, die Belastung der Kanalisation mit Regenwasser zu verringern. Und in diesem Zusammenhang könnten die Bürger nun zum Beispiel überlegen, ob sie möglicherweise auf ihren Grundstücken Zisternen bauen und dort dann Regenwasser aufnehmen.

Längst nicht nur über die Kanalisation in Holzhausen sprach der Bürgermeister. Unter anderem erläuterte er auch den derzeit laufenden Ausbau des katholischen Kindergartens durch die Gemeinde. Die Zielsetzung ist eine doppelte: Zum einen entsteht eine Krippe, zum anderen Wohnungen, die die Gemeinde dann günstig vermietet.

Auf der Baustelle Kindergarten geht es voran

»Es geht vorwärts«, berichtete der Bürgermeister von der Baustelle. Im Winter habe sich eine »massive« Verzögerung« ergeben. »Wir haben es leider nicht geschafft, das Dach noch vor Weihnachten draufzusetzen«. Jetzt jedoch gehen die Arbeiten laut dem Bürgermeister zügig voran. Schneider ist guter Dinge, dass sie in einigen Monaten zu Ende gehen – und dass dann im September, wenn das neue Jahr in der Kinderbetreuung beginnt, die Krippe in Betrieb geht.

Auch und gerade Wohnungen entstehen. Das Projekt wird vom Staat gefördert – und so ist die Gemeinde in der Lage, sie günstig an die Bürger abzugeben. Schneider sagte, dass die Kaltmiete 7,50 Euro pro Quadratmeter betragen werde.

Ein großes Projekt, das die Gemeinde in den vergangenen Jahren in Atem gehalten hat – und vor allem auch deren Geldbeutel belastet hat – geht nun zu Ende. In der Kläranlage geht die Kommune auf die Zielgerade. Die Baumaßnahmen, die insgesamt rund 4,5 Millionen gekostet haben, schließt sie jetzt ab. »Gasheizungen werden noch eingebaut«, sagte Schneider. Und wenn alles fertig ist, dann veranstalte die Gemeinde einen Tag der offenen Tür – und die Bürger können sich umfassend informieren.

Der Bürgermeister erläuterte auch die Finanzen der Gemeinde. Und in diesem Zusammenhang sagte er unter anderem, dass die Gemeinde in den vergangenen Jahren viel investiert habe. Sie habe für Projekte Kredite aufnehmen müssen. Aktuell – Stand 1. Januar 2019 – steht die Gemeinde abzüglich ihrer Rücklage laut Schneider mit zwei Millionen Euro in der Kreide. Für die Kläranlage zum Beispiel habe sich die Gemeinde 1,5 Millionen Euro von der Bank holen müssen, für den Kauf des katholischen Kindergartens eine Million, für die Grundstücke im Industriegebiet an der Autobahn 800.000 Euro.