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Wasser war das große Thema der Bergener Bürgerversammlung

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Foto: dpa/Symbolbild

Bergen – Größtes Thema der sehr gut besuchten Bürgerversammlung im großen Festsaal war die Trinkwasserversorgung, vor allem im Ortsteil Enthal. Seit geraumer Zeit muss hier das Wasser auf Anordnung des Gesundheitsamts gechlort werden. Bürgermeister Stefan Schneider informierte über das weitere Vorgehen.


Trinkwasser sei das wertvollste Gut und die Bereitstellung die oberste Aufgabe der Gemeinde, betonte der Rathauschef. Dennoch könne es passieren, dass Keime ins Trinkwasser gelangen und dieses behandelt werden muss, wie es in Enthal der Fall sei. Die wirksamste Desinfektion sei das freie Chloren, das täglich vom Wassermeister kontrolliert werde. Aus dem Wasserhahn müsse eine Restkonzentration vom Chlor noch vorhanden sein.

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Die Gemeinde unterhalte drei Hochbehälter, die teils aus den 60er Jahren stammen und nicht mehr auf dem Stand der Technik seien. Geprüft werde, ob eine direkte Leitung von der Wasserversorgung Bergen nach Enthal gelegt werden könne.
Schneider versicherte, dass die Gemeinde ständig im Kontakt mit Planern und der Behörde sei, die Angelegenheit aber sehr komplex sei, zumal das Rohrleitungsnetz auch alt ist. Jetzt einen neuen Hochbehälter zu bauen, würde der Gemeinde mindestens eine Million Euro kosten. Nachdem das Wasserwerk kostenneutral arbeiten muss, müssten auch die Kosten für das Wasser über die Gebühr wieder auf die Bürger umgelegt werden.

Geologe Dr. Karl-Heinz Köppen informierte über die derzeit durchgeführten Bohrungen der Firma Adelholzener. Gefördert werde das Wasser aus zwei Brunnen. Für die Zukunft müssen weitere Brunnen vorhanden sein, um die Produktion beim Ausfall dieser Brunnen aufrechtzuhalten. Köppen legte dar, dass anhand der geologischen Voraussetzungen das geförderte Tiefenwasser trotz Entnahme nicht weniger werde. Die Brunnen 3 bis 6, die teilweise noch gebaut werden, sichern die Produktion. Zudem soll keine Übernutzung stattfinden. Nach dem Bau sollen die Brunnen 1 und 2 als Reverse dienen. Er informierte, dass dies auch der Daseinsvorsorge der Gemeinde diene. Im Notfall könne Bergen mit Trinkwasser versorgt werden.

»Was wurde bislang unternommen, um den Wasser-Missstand in Enthal abzustellen?«, wolle Dieter Brunner wissen. Das Wasser der Mühlner Gruppe sei gut, versicherte Schneider. Das Problem liege am Netz. Man müsse versuchen, ein Ringsystem zu schaffen, damit nicht jedes Gemeindegebiet mit nur einer Leitung versorgt werde, so der Bürgermeister.

Hans Reich sagte, dass das Wasser derzeit nicht einmal zum Kaffeekochen verwendet werden könne. Er fragte, wie lange es dauern werde, bis das Problem beseitigt ist und ob eine Versorgung über Adelholzen möglich wäre. Zeitlich, so Schneider, könne er keine Aussagen machen. Dies hänge von den Genehmigungen, Untersuchungen aber auch von den Tiefbaufirmen ab.

Als nicht »genusstauglich« bezeichnete Sabine Fischbach das Wasser. Schneider erklärte, dass es nicht krank mache, abkochen hier aber nicht helfe, vielmehr sollten Aktivkohlefilter verwendet werden.

Veronika Deinhart befürchtet, dass von der Firma Adelholzener »ganz Bergen leergepumpt« werde und die Ausmaße nicht bekannt seien. Sie bezeichnete es als Ausbeutung der Ressourcen und Verschandelung der Gegend – und die Bergener hätten nicht einmal einen Vorteil. Hierzu erklärte Dr. Köppen, dass die Druckverhältnisse seit 1980 gleich seien und Wasser immer wieder nachkomme. Zudem liege es im Eigeninteresse der Firma, dass »nichts leergepumpt« werde. Dem fügte Schneider hinzu, dass kein Raubbau betrieben werde und die Firma die wasserrechtliche Erlaubnis habe, eine Million Kubikmeter Wasser pro Jahr zu fördern. Dies werde auch überwacht. Zudem biete die Firma viele Arbeitsplätze.

Laut Dieter Gerlitz habe »die Firma offensichtlich einen Expansionsdrang«. Er hat Angst, dass das Wasser irgendwann abgetragen sei. Gerlitz hält es deshalb für wichtig, dass die Verfahren öffentlich und die Ergebnisse zugänglich gemacht werden und falls der Pegel sinkt, die Förderung eingestellt werde. Laut Dr. Köppen werden die Messungen von den Behörden kontrolliert und bei Druckverlusten wird die Produktion zurückgefahren oder eingestellt. Bei den weiteren Brunnen handle es sich um ein öffentliches Verfahren mit Bürgerbeteiligung. Für die Probebohrungen gelte dies nicht, da dort das Ergebnis ausstehe und man nicht wisse, ob aus dem Brunnen gefördert werden kann.

Sepp Schweiger informierte, dass die Fördermenge im Jahr 2000 um das Doppelte erhöht wurde, damals mit der Auflage, Bergen im Notfall zu versorgen. Momentan werden eine Milliarde Liter pro Jahr gefördert, wobei die Hälfte als Prozesswasser benötigt werde. Was passiert mit dem Hinterland, wenn zu viel Wasser abgepumpt wird und der Wasserspiegel absinkt, wollte Schweiger wissen. Auch fragte er nach den Auflagen und der Überwachung und ob der Bach geeignet sei, die größeren Reinigungswasser aufzunehmen. Wie der Geologe erklärte, werden Wasserstand, Menge, pH-Wert und Temperatur minütlich aufgezeichnet. Sollte etwas im System passieren, sei dies messbar, bei Druckverlusten werde die Produktion zurückgefahren. Selbst bei einem Zuwachs der Produktion reiche die genehmigte Fördermenge für die nächsten 30 Jahre, so Köppen. tb