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Sieben Spieler verlassen die Mannschaft in Bergen

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Bergen: Sieben Gemeinderäte verabschiedet – sie verlassen das Gremium
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Hans-Jörg Schürf (ÜW) ist der dienstälteste, ausscheidende Gemeinderat: Er engagierte sich 36 Jahre lang im Ehrenamt für die Gemeinde Bergen.

Bergen – Sieben Gemeinderäte verabschiedete Bürgermeister Stefan Schneider (Grüne Liste) in der letzten Sitzung des »alten« Gremiums. Fast alle hatten sich 18, 24 und sogar 36 Jahre für die Gemeinde im Ehrenamt eingesetzt und zusammen mit dem jeweiligen Bürgermeister die Geschicke der Kommune gelenkt und geleitet. Im März wählten die Bürger den Gemeinderat neu – womit sich dann Veränderungen in der personellen Besetzung ergaben.


Erneut traf sich der Gemeinderat an einem für ihn ungewohnten Ort: Wie schon in der vorhergehenden Woche tagte das »alte« Gremium am letzten Tag der zu Ende gehenden Periode, bedingt durch die Auflage, Abstand zu halten, nicht im Rathaus, sondern stattdessen im Festsaal. Weit von einander getrennt waren die Sitzplätze, jeder hatte einen eigenen Tisch.

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Stefan Schneider blickte auf die zu Ende gehende Periode zurück. Um die Arbeit zu beschreiben, die der Gemeinderat von 2014 bis 2020 erledigte, bediente er sich einiger Zahlen. So sagte der Bürgermeister, dass der Gemeinderat sowie seine Ausschüsse in den vergangenen sechs Jahren insgesamt 170-mal getagt hätten. In diesen Sitzungen seien insgesamt 1440 Punkte auf den Tagesordnungen gestanden. 839 von ihnen seien in öffentlicher, 601 in nichtöffentlicher Sitzung behandelt worden. »Uns ist sehr wichtig, dass wir möglichst viele Themen öffentlich behandeln«, betonte Schneider.

Zum Teil weil sie sich nicht mehr zur Wahl gestellt hatten, zum Teil weil sie kein weiteres Mandat von den Bürgern erhielten, verließen nun sieben Räte das Gremium, das 16 Sitze – den Bürgermeister nicht eingerechnet, der die Sitzungen leitet – umfasst. Stefan Schneider, der im März, ohne Gegenkandidat zu haben, von den Bürgern erneut zum Gemeindeoberhaupt gewählt wurde, sagte, dass die Steuerung der Gemeinde in den letzten sechs Jahren eine »Mannschaftsleistung« im Rat und in der Verwaltung gewesen sei. Schneider wünschte sich, dass auch das neu gewählte Gremium so gut zusammenarbeitet wie das alte. Er hoffte, dass diese Kultur, sich gemeinsam für das Wohl der Gemeinde einzusetzen, fortgeschrieben wird.

Die ausscheidenden Gemeinderäte ließen ihre Jahre im Gremium ausklingen und erzählten Anekdoten aus ihrer Arbeit. So kam etwa auch eine frühere Weihnachtssitzung zur Sprache, die das Gremium mit »scharfem«, sprich alkoholhaltigem Glühwein bestritt, der dann das Diskutieren zu einer lustigen Angelegenheit werden ließ. Und ein anderer erzählte, dass er sich gerade ziemlich weit entfernt von der Heimat Bergen aufgehalten und Urlaub in der Karibik gemacht habe, als er den Anruf erhalten habe, dass er in der Heimat gebraucht werde und in den Gemeinderat nachrückt.

Wiederum ein anderer berichtete, dass der Gemeinderat in einer Sitzung vor leerer Kulisse – also ohne, dass die vielen Zuhörerplätze belegt waren – über Vorhänge und Lampen für den Festsaal beraten und Beschlüsse gefasst habe, die dann Ausgaben in Höhe von 100.000 Mark nach sich gezogen hätten. In einer anderen Sitzung sei die Rede auf das Thema der Hundehaltung gekommen mit jedoch keinen großen finanziellen Konsequenzen – der Saal sei dann aber brechend voll mit Zuhörern gewesen.

Unter den Gemeinderäten, die aus dem Gremium ausschieden, hatte sich Hans-Jörg Schürf (ÜW) mit 36 Jahren am längsten im Ehrenamt für die Kommune eingesetzt. Von 1978 bis 1996 sowie von 2002 bis 2020 saß er im Gemeinderat. Peter Hallweger (Grüne Liste) kam von 1990 bis 2008 sowie von 2014 bis 2020 auf insgesamt 24 Jahre.

Vier Gemeinderäte waren jeweils drei Perioden mit von der Partie. Dr. Kristian Kramer (Grüne Liste) engagierte sich von 1990 bis 2002 in einem ersten Block für die Gemeinde Bergen sowie von 2014 bis 2020 dann in einem zweiten. In den vergangenen sechs Jahren war er dritter Bürgermeister. Auf 18 Jahre im Gemeinderat kam ebenso Michael Utzmeier (CSU/BBU) von 2002 bis 2020, auf fast drei komplette Perioden Anton Wimmer (ebenfalls CSU/BBU). Er hatte Sitz und Stimme im Gremium von 2002 bis 2014 – und in der vergangenen Periode kam er dann als Nachrücker in das Gremium. 18 Jahre Gemeinderatsarbeit liegen hinter Georg Steiner (SPD/FWG), der von 1996 bis 2008 und von 2014 bis 2020 mitdiskutierte.

Ein Nachrücker in der vergangenen Periode war auch Robert Wehweck (ÜW). Er stand von 2015 bis 2020 rund fünf Jahre im Dienst an der Gemeinschaft.

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Peter Hallweger (Grüne Liste) gehört mit zu den Gemeinderäten, die nach sehr vielen Jahren nun Servus sagen: Er war 24 Jahre lang im Gemeinderat. (Fotos: Pültz)