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Seltene Eintracht vor der Stichwahl

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Egal, wer von beiden am Sonntag in der Stichwahl letzten Endes der neue Bürgermeister von Bergen wird – sowohl Josef Schweiger von der SPD (links) als auch Stefan Schneider von den Grünen wollen in Bergen unter anderem für den Hochwasserschutz eine schnelle Lösung finden und Einheimischenmodelle für Bergener Familien fördern. (Foto: Wolf)

Bergen. Wahlkampf mal ganz anders: Ganz harmonisch präsentierten sich die beiden Bewerber ums Bürgermeisteramt, Josef Schweiger von der SPD und Stefan Schneider von den Grünen, gemeinsam noch einmal der Öffentlichkeit. Am Sonntag treten sie in einer Stichwahl gegeneinander an. Beide haben sich viel vorgenommen für Bergen. Und zwar das Gleiche.


»Es wäre eine filigrane Arbeit, Differenzen zwischen unseren politischen Ansichten zu finden«, so Josef Schweiger. Schon der gemeinsame Termin sprach Bände. Harmonisch saßen beide nebeneinander und bestärkten einander in ihren Argumenten. »Wir haben zwölf Jahre zusammen Opposition gemacht«, erklärt Stefan Schneider den Schulterschluss. Letztendlich sei es bei der Gemeindearbeit nicht sinnvoll, Parteipolitik zu betreiben, so der Grünen-Kandidat. Die Politik werde ohnehin im Gemeinderat gemacht. Beide erwarten eine Persönlichkeitswahl und hoffen, dass auch die Bergener zur Wahl gehen, deren Favorit schon ausgeschieden ist.

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Josef Schweiger von der SPD wirbt für sich mit der langjährigen Erfahrung als Gemeinderat und dritter Bürgermeister. Der 51-Jährige arbeitet derzeit als Laborleiter in der Zahnklinik der LMU München und würde für das neue Amt beurlaubt. Mit seinem politischen Engagement steht er in einer langen Familientradition: schon seit den 30er Jahren ist die Familie sozialdemokratisch aktiv. Er habe sich in der Verantwortung gesehen, für seine Gemeinde zu kandidieren.

Auch Stefan Schneider von den Grünen sucht eine neue Herausforderung. Seine Erfahrungen als Projektmanager möchte er in die Politik einbringen: »Ich bin es gewohnt, auf Termin zu arbeiten«, so Schneider. Der Gemeinderat habe zwar bisher gute Arbeit geleistet, aber zum Beispiel der Hochwasserschutz und die Sanierung der Kläranlage stünden schon seit Jahren auf der Agenda. »Da zerreißt's mich, wenn gewisse Sachen nicht passieren«, so Schneider. Auch wolle er sich für mehr Diskussion einsetzen. Bisher habe es zu oft geheißen: es ist ja alles so gut, es ist ja alles so schön.

Inhaltlich stimmen die Kandidaten darin überein, dass für Hochwasserschutz und Kläranlage schnelle Lösungen gefunden werden müssen. Beim Thema Bauland wollen sie Einheimischenmodelle fördern und den Erbbau. Bewegung wollen die beiden Familienväter auch in die Jugendpolitik bringen. Seit ewigen Zeiten gebe es ein Budget für den Bolzplatz oder eine Skaterbahn, aber es habe sich nichts getan, ärgert sich Schneider. Schweiger unterstützt: »Die Vereine sind sehr gut in der Jugendarbeit. Aber sie dürfen nicht als Alibi dienen, um nichts anzugehen.«

Schweiger und Schneider kennen sich seit Jahren aus der Bergwacht, beide setzen sich für die Bewahrung der Natur ein. »Die Natur ist unser Kapital, die brauchen wir nicht erfinden und nicht bauen«, so Schweiger. Dennoch sei es wichtig, dass eine Gemeinde außer dem Tourismus weitere Standbeine, wie Handel und Industrie habe. In Bergen sei dies gelungen, sodass nichts künstlich aufrechterhalten werden müsse.

Auch Schneider sieht einen Wandel im Tourismus. So kämen die Gäste nicht mehr für zwei Wochen nach Bergen, sondern für ein paar erholsame Tage. In diese Gäste solle investiert werden, um die Unterkünfte auszulasten. Dadurch würden sich auch die Weitervermietungen touristischer Unterkünfte an den Staat für Asylunterkünfte regulieren. Grundsätzlich laufe die Asylpolitik und die Integration in Bergen sehr gut. »Uns geht es gut, wir müssen unterstützen«, so Schneider. Und Schweiger ergänzt: »Die Toleranzbereitschaft der Leute wird manchmal unterschätzt.« Beide betonen, dass sie sich nicht verbiegen wollen für Stimmen aus dem konservativen Lager. Als Bürgermeister, so Schweiger, sei man aber für alle in der Gemeinde da. Auch Schneider ist sich sicher, dass die Zusammenarbeit in jedem Fall gut funktionieren werde. Er sei kein radikaler Grüner und komme gut mit den Gemeinderatsmitgliedern aus. Vor der Wahl, so Schneider, sei er »null aufgeregt« gewesen. So habe es doch seit Jahrzehnten in Bergen eine absolute Mehrheit für die CSU gegeben. Nun habe sich das geändert: »Auf einmal ist eine Chance da.« naw