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Im Gespräch ist die Schaffung eines Waldkindergartens auf dem gemeindlichen Gelände nahe dem Schwimmbad (rechts), das den Dirtpark oder Bikepark beherbergt. Geplant ist, eine Hütte aufzustellen. (Foto: Gemeinde Bergen)

Pläne für einen Waldkindergarten in Bergen verdichten sich

Bergen – Ein Waldkindergarten nach dem anderen öffnet im Landkreis Traunstein seine Pforten. Auch in der Gemeinde Bergen verdichten sich die Bemühungen, eine Kinderbetreuung aus der Taufe zu heben, die auf die Erlebnisse unter freiem Himmel setzt. Dieses Ziel verfolgt der Verein »Waldkindergarten Bergen«. Sebastian Ganghofner, einer der Vorstände, hat den Stand der Planungen in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats erläutert. Vor allem hat er auch mitgeteilt, wo sich denn die Eltern den Standort wünschen – nämlich auf einem Grundstück der Gemeinde: im Dirtpark nahe dem Schwimmbad.


Ganghofner berichtete, dass der Verein mit sieben Mitgliedern gestartet sei, mittlerweile habe sich die Zahl verdoppelt. »Wir wollen einen Waldkindergarten schaffen«, betonte er. Als Ziel gab er aus, dass die Kinder draußen spielen, die Natur in jeder Jahreszeit erleben und dass sie den Respekt vor ihr erlernen. Im Landkreis Traunstein seien mittlerweile bereits 18 Waldkindergärten mit dieser Zielsetzung in Betrieb gegangen.

Die Kernzeit der Betreuung liege, wie Ganghofner Einzelheiten der Planungen im Verein nannte, zwischen 8.30 und 12.30 Uhr. Buchbar seien pro Tag vier bis fünf oder fünf bis sechs Stunden. Angedacht sei eine Gruppe mit 20 Mädchen und Buben – einschließlich eines Integrationsplatzes für ein Kind mit Behinderung. An Personal seien drei Erzieher und eine Zusatzkraft erforderlich – womit dann ein Betreuungsschlüssel von 1:5,9 gegeben sei. Oder anders ausgedrückt: Eine Mitarbeiterin kümmert sich dann im Schnitt um sechs Kinder.

Die Kosten pro Jahr bewegen sich laut Ganghofner in einer Größenordnung von 110 000 Euro. Abzüglich der Einnahmen, allen voran der Elternbeiträge, ergebe sich ein Defizit in Höhe von rund 8000 Euro pro anno – ein Fehlbetrag, den die Gemeinde übernehmen müsse. Von ihr zu begleichen seien unterm Strich also rund 400 Euro pro Platz und Jahr. Ganghofner sagte außerdem, dass ein Startbudget erforderlich sei: 24.000 Euro für die Errichtung einer Hütte.

Der Vorstand erläuterte, dass der Verein bereits eine Reihe von Grundstücken für die Errichtung eines Waldkindergartens betrachtet habe. Auf der Suche sei er schließlich zu dem Ergebnis gekommen, dass sich der Dirtpark – also jenes Gelände, das mit seinen aufgeschütteten Erdhügeln für Fahrten mit einem BMX, einem Dirt Bike oder einem Mountainbike gedacht ist – als Standort anbiete. Ganghofner betonte, dass die Gemeinde nun am Zug sei, zu entscheiden, ob sie das Grundstück für die Schaffung eines Waldkindergartens zur Verfügung stellt. Und er unterstrich weiter, dass die Absicht des Vereins nicht darin bestehe, »den Dirtpark zu verdrängen«. Vielmehr hielt der Vorstand eine Doppelnutzung für möglich.

Offen ließ Ganghofner, wer denn die Verantwortung für die neue Einrichtung übernimmt. »Der Verein erhebt nicht den Anspruch, den Waldkindergarten betreiben zu müssen.«

Dritte Bürgermeisterin Katharina Hallweger (Grüne Liste Bergen) sagte, dass sie mit dabei gewesen sei, als der Dirtpark angelegt worden sei. Und so wisse sie, dass der Boden sumpfig sei – insbesondere mit der Folge, dass eine Hütte unbedingt ein Fundament benötige. Herbert Berger (ÜW Bergen) meinte, ein Waldkindergarten bringe Bergen grundsätzlich keinen Schaden. Er sei allerdings davon ausgegangen, dass der Verein die Trägerschaft übernimmt.

Bürgermeister Stefan Schneider (Grüne Bergen) sagte, dass beide Kindergärten – der katholische wie auch der gemeindliche – voll belegt seien. Da die Nachfrage weiter steige, sei die Gemeinde angehalten zu handeln. »Wir sind in der Verantwortung, wir müssen erweitern – egal wie.«

Ein »Knackpunkt« in der Planung für den Waldkindergarten sei der Betreuungsschlüssel von 1:5,9 – ein Schlüssel, der in den anderen Einrichtungen nicht erreicht werde. Schneider meinte, dass die Personalkosten, wenn das vorgeschlagene Konzept eine Umsetzung erfährt, »massiv durchschlagen«. Die Gemeinde habe den Platz hinter der Schießstätte favorisiert – was jedoch in den Reihen des Vereins nicht so gewesen sei. Einen Beschluss fasste der Gemeinderat nicht. Schneider kündigte an, in einer der nächsten Sitzungen noch einmal über das Vorhaben zu reden.