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»Kleine Mädchen fuhren eigentlich Schlitten ...«

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Elisabeth Julinek 1938/39 mit sechs Jahren zum ersten Mal auf Skiern. Die Freude am Skifahren kam erst später, wie die heute 88-Jährige sagte.

Bergen – Elisabeth Julinek (88) aus Bergen machte Ende der 30er Jahre ihre ersten Versuche auf Skiern. Zunächst war mehr Frust als Lust. Doch später wurde sie zur begeisterten Skifahrerin an »ihrem« Hochfelln. Hier erzählt sie ihre Geschichte.


»Mein Vater wurde 1938 als Förster nach Bergen versetzt. Ich war da sechs Jahre alt und bekam von meiner Münchener Patentante 'für die Berge' meine ersten Ski – lange, zugespitzte Holzbalken mit ledernen Riemen als Bindung und Haselstecken dazu. Das war damals etwas ganz Besonderes!

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Es gab vor dem Krieg und die folgenden Kriegsjahre nur wenige Kinder im Dorf, die schon Ski hatten und wenn, dann hauptsächlich Buben. Kleine Mädchen fuhren Schlitten! Dementsprechend stolz war ich, und wie das Foto zeigt, kam ich in der Ebene auf dem geräumten Fußweg mit den Brettern zurecht.

Ich hatte vorher das Radfahren mit dem großen Rad meiner Mutter und das Schwimmen mit einem Korkgürtel gelernt und dachte, ich kann das Skifahren genauso. Aber weit gefehlt!

Voller Eifer schob ich also allein und ohne jede Anleitung und Hilfe zum nächsten 'Berg', dem Steirergraben (den gibt es so gar nicht mehr, der wurde aufgefüllt und darauf das Seniorenheim gebaut). Dort erlebte ich meinen ersten richtigen Frust.

Der Schnee war zu tief, die Bretter zu lang, die Bindung nicht fest, die Stiefel zu locker – die Ski blieben nicht an den Füßen, ich wusste nicht, wie man hochtreten kann oder einen Pflug macht. Es war einfach schrecklich! Schließlich warf ich das Glump enttäuscht in den Schnee und stapfte wütend heim und sagte zu meiner Mutter: 'Die Ski hol' ich nie mehr!' Und das war´s vorläufig mit dem Skifahren, ich nahm wieder den Schlitten.

Die ersten 'gscheiden' Ski (damit meine ich gute und brauchbar) bekam ich mit zwölf Jahren, vom Wagner Lichtmanegger in seiner Werkstatt in Bergen, handwerklich aus Eschenholz hergestellt. Sie hatten schon eine feste Federbindung. Auch meine ersten Skistiefel dazu wurden handgefertigt vom Bergener Schuster Dangl – man konnte solche Extras damals nirgends kaufen.

So gut ausgerüstet, begann meine Begeisterung fürs Skifahren. Die ersten Jahre fing's mit den anderen Bergener Ski-Kindern an die Aubauern-Leiten (ein Steilhang für uns!), selten an den Schellenberg oder an die Sonnleitn in Richtung Haslinger. Wir traten uns eine Bahn, je nach Können und 'Steh' immer ein Stück weiter hinauf und fuhren im Schuss hinunter. Nur die Schneidigsten trauten sich von ganz oben im Schuss abfahren, ich nicht! Ich kann mich nicht erinnern, dass wir damals Bögen geübt hätten, auch erwachsene Skifahrer tauchen in meiner Erinnerung nicht auf. Die jungen Männer waren an der Front, manche Alten am Sonntag beim Eisstockschießen und einige Mütter zogen die kleinen auf dem Schlitten an die frische Luft.

Mit meinem 'Wagner-Ski' machte ich später in meiner Jugendzeit nach dem Krieg viele Skitouren auf die heimischen Berge. Ich habe das Skifahren – anders beispielsweise mein Bergener Enkel, der schon im Kindergarten den ersten professionellen Skikurs hatte, nie gscheid gelernt, es gab ja nirgends Lifte und präparierte Pisten zum Üben, also stieg man mit Fellen auf, fuhr irgendwie wieder ab und wurde dabei – learning by doing – zunehmend geübter und sicherer.

Als die Hochfellnbahn in Bergen gebaut wurde, war ich schon 40, hatte inzwischen industriell gefertigte Markenski mit Sicherheitsbindung und Belag und hatte von da an alle Jahre eine Saisonkarte für 'unseren Felln'. Unzählige Male konnte ich nun vor meiner Haustüre mit großer Begeisterung bis ins hohe Alter die Abfahrt genießen.«

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