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20.759 Corona-Tests binnen 15 Tagen in Bergen: »Selten so oft ein Dankeschön gehört«

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20.759 Corona-Tests binnen 15 Tagen an A8 in Bergen: »Selten so oft ein Dankeschön gehört«
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Schwerstarbeit leisten die ehrenamtlichen Helfer des Roten Kreuzes an der Corona-Teststation in Bergen an der Autobahn. Eingepackt in einen Ganzkörper-Schutzanzug, Handschuhe, FFP-2-Maske und Gesichtsschild nahmen sie in den letzten 15 Tagen über 20.000 Abstriche und leiteten sie tagesaktuell weiter ans Labor. (Foto: Hohler)

Bergen – »Das fühlt sich an, wie durch Matsch zu gehen«, beschreibt Tobias Brandstätter, Sprecher des BRK-Kreisverbands Traun­stein, wie es den ehrenamtlichen Helfern an der Corona-Teststation in Bergen in den letzten 15 Tagen erging. Im Ganzkörper-Schutzanzug nahmen sie 20.759 Abstriche von Reisenden, die sich auf das Coronavirus testen ließen.


»Das ist schon beeindruckend, auf dem heißen Asphalt zu stehen, und das Wasser läuft am ganzen Körper runter. Aber das ist halt alternativlos«, sagt Brandstätter. Mittwochnachmittag übergab das BRK die Teststation an einen privaten Betreiber.

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Rund 200 Einsatzkräfte von Rotem Kreuz, Malteser-Hilfsdienst und DLRG leisteten unter großem persönlichem Einsatz in drei Schichten rund um die Uhr Dienst – unter gerade tagsüber hitzebedingt nahezu unmenschlichen Bedingungen. Dazu kommen Helfer des THW, die die Logistik, also Absperrungen, Container, Strom und dergleichen zur Verfügung stellten und auch betreuten – das tun sie auch für den neuen privaten Betreiber.

»Das war durchaus eine Herausforderung, genug Personal zusammenzubringen«, so Brandstätter weiter. Denn es herrsche gerade Urlaubszeit, und auch in den Reihen der Helfer gebe es Risikopatienten, die diesen Dienst schlicht nicht leisten könnten. So seien in Bergen Helfer aus den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf, Altötting und bis Ebersberg im Einsatz – und das alles ehrenamtlich.

Wie intensiv die körperliche Belastung ist, zeigt allein die Einsatzplanung. 33 Helfer waren im Drei-Schicht-Betrieb eingeteilt, nach 30 bis 40 Minuten mussten diejenigen in den Schutzanzügen ausgetauscht werden. In jeder Schicht muss jeder zwei- bis dreimal ran, so Brandstätter. Dann musste jeder Helfer einen Tag lang aussetzen. »Das ist schon immens, was dahinter steckt«. Und da es außerhalb von Katastrophenfällen für die ehrenamtlichen Helfer keinen rechtlichen Anspruch auf Freistellung vonseiten des Arbeitgebers gibt, waren jetzt nur die im Einsatz, die ohnehin frei hatten.

Dabei habe man mit den zu Testenden keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht, wie teilweise bei anderen Einsätzen. Zum einen sei auch die Polizei rund um die Uhr präsent gewesen, was sicher den einen oder anderen Hitzkopf zur Räson gebracht habe. »Diese Unterstützung war für uns sehr hilfreich«, so Brandstätter. »Zum anderen profitieren wir auch durchaus von den Medien. Beim Gros kommt's an, dass wir das alles ehrenamtlich machen. Ich bin da auch wirklich superstolz auf alle Beteiligten. Und ich hab' selten so oft ein Dankeschön gehört, wie jetzt von den Reisenden.«

Und das, obwohl Testwillige zu Stoßzeiten schon mal bis zu einer dreiviertel Stunde warten mussten, ehe sie dran kamen. »Zum Teil staute sich's bis zur Raststation zurück.« Da kann es im Auto schon mal ungemütlich werden in der Hitze. Aber dennoch habe sich das Prinzip des »Drive-in« bewährt. »Die Leute warten im gewohnten Umfeld, Kinder rennen nicht an der Autobahn rum. Das Ganze bietet Schutz für beide Seiten.«

Erst füllen die Testpersonen den Zettel mit ihren Daten aus, dann geht es erst zum eigentlichen Test. Ist der erledigt, kann man gleich weiterfahren. Teststäbchen und Datenblatt wurden zusammen eingetütet und einmal am Tag abgeholt und direkt ins Labor gebracht, erklärte Brandstätter auch mit Blick auf kritische Medienberichte.

Dass es derzeit gut und gerne acht Tage und mehr dauern kann, bis die Testergebnisse bei den Betroffenen ankommen, das haben auch die Verantwortlichen des Roten Kreuzes gehört. »Wir haben selbst jeden Tag 80 bis 100 Anrufe von Leuten, die ihre Ergebnisse wissen wollten, denen wir aber leider nicht weiterhelfen konnten, denn wir werten die Tests ja nicht aus«, so Brandstätter. Wo der Fehler liegt, das kann auch er nicht sagen.

Die Proben gehen direkt von der Autobahn ins Labor, die Ergebnisse von da ans Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Die dortige Hotline mit der Nummer 09131/6808 5101 (Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 15 Uhr) scheine dauerhaft überlastet zu sein, so Brandstätter: »Wir wissen von Leuten, die nach ihren Ergebnissen fragen wollten und 70 Minuten in der Warteschleife waren.«

Sind Ergebnisse negativ, werden die Betreffenden direkt vom LGL informiert. Positive Fälle meldet das LGL ans jeweils zuständige Gesundheitsamt am Wohnort der Betroffenen. Das wiederum informiert nicht nur die Betroffenen, sondern ermittelt auch die Kontaktpersonen und schickt sie in Quarantäne.

Wie viele der 20.759 Tests positiv waren, weiß man beim Roten Kreuz nicht genau. »Wir kennen nur die Gesamtzahlen, und die gingen von 2,4 Prozent positiven Ergebnissen aus.« Auch wenn das nicht viel ist, so sind mehr als acht Tage vom Test bis zum Ergebnis zu lang, um Infektionsketten wirksam zu unterbrechen. Noch am Mittwochabend wollten Gesundheitsministerin Melanie Huml und LGL-Präsident Andreas Zapf über aktuelle Entwicklungen zum Thema informieren. coho