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Zwischen Oper und Kleinkunst

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Vom Bauernhof in Niederbayern in die Welt hinaus: Der Kabarettist Martin Frank stellte sein drittes Soloprogramm in Traunstein vor. (Foto: Heel)

Nachdem er den Sommer über nur vor Autos gespielt habe, sei er froh, jetzt wieder vor Menschen auftreten zu dürfen.


Mit diesem ganz persönlichen (Teil)Fazit des Lockdown eröffnete der 1992 in Hutthurm (Lkrs. Passau) geborene Kabarettist Martin Frank seinen Auftritt auf der NUTS-Sommerbühne im vollbesetzten Traunsteiner König-Ludwig-Hof, wo er sein drittes Soloprogramm »Einer für alle – Alle für keinen« in einer Vorpremiere vorstellte, witzig, pointiert und mit umwerfender Bühnenpräsenz.

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Ein Programm, das vor allem davon lebte, dass der Kabarettist immer wieder auf den heimischen Bauernhof zu sprechen kam, seinen »agrarischen« Hintergrund, wo die Welt noch in Ordnung sei, trotz einer »angeborenen Emotionslosigkeit«. Was ihn aber nicht daran gehindert hat, erstaunlich schnell Karriere zu machen. Zwar wollte er zunächst Opernsänger werden, scheiterte aber beim Vorsingen am Salzburger Mozarteum. Ein wahrhaft traumatisches Erlebnis, wie er bei seinem letzten Auftritt im NUTS vor gut zwei Jahren preisgab, habe er dabei doch den Text der Arie vergessen und durch eigene Worte ersetzt. Aber auch eine Schauspielausbildung in München führte erst einmal zu nichts, außer zu der Erkenntnis, dass »ohne Bachelor gar nix mehr geht«.

Entsprechend groß ist seine Sehnsucht nach seiner niederbayerischen Heimat, auch wenn die demente Oma bei seinem Anblick immer fragt: »Wohnen Sie auch hier?«, oder in der Dorfkirche eine Opferkerze für ihn angezündet wird, weil er mit 28 Jahren noch immer nicht unter der Haube ist. Und das, obwohl seine Landsleute statt großer Worte lieber zur Tat schreiten: »Bis der Berliner zu dir sagt: Ich möcht ein Kind von dir, haben sie beim Niederbayern schon dreimal Erstkommunion gefeiert«. Aber gut, vielleicht liegt es auch daran, dass der Martin Frank lieber Kaba statt Bier trinkt und dazu gerne die Arie »Dein ist mein ganzes Herz« schmettert.

Umso schärfer ist sein Blick auf die Verhältnisse außerhalb des dörflichen Kosmos', etwa auf den Umstand, dass man als junger Mensch ständig gefragt werde, was man studiere oder studiert habe, während dem Handwerk der Nachwuchs fehle: »Wer verkauft mir denn eine Leberkäs-Semmel? – Frau Dr. Blutwurscht?« Da sparte er nicht mit Gesellschaftskritik, sei es bei Klassenfotos mit unkenntlich gemachten Gesichtern oder bei Männern, die sich durch Frauenparkplätze ebenso »diskriminiert« fühlten wie Mädchen, die nicht im Knabenchor singen dürfen. Obwohl er Letzteres durchaus verstehen könne, wollte er als Junge doch auch gerne Mitglied im Frauenbund werden. Bis ihm seine Mutter ihre Krampfadern gezeigt habe und dazu meinte: »Ohne die geht es nicht«.

Zwischendurch bewies er, dass er als (Opern)Sänger eine mehr als passable Figur abgegeben hätte und erfreute das Publikum mit weiteren Gesangsstücken aus der Operettenwelt, bevor er als Zugabe noch von einem »Secret Code« auf Friedhöfen berichtete, bei dem Hinterbliebene anhand des Gebrauchs ihrer Gießkannen mitteilen können, ob sie offen für eine neue Beziehung sind.

Wolfgang Schweiger

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