Zuhause in der Welt der Literatur und im Chiemgau

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Ina May in ihrem Zuhause schreibend am Tisch, darauf liegend eine Auswahl ihrer Bücher. (Foto: Grabmüller)

Ina May ist eine erfolgreiche und mit 18 Büchern und Beiträgen in vielen Anthologien sehr produktive Roman-Schriftstellerin aus dem Chiemgau und seit Jahren ein beliebtes Mitglied bei den »Chiemgau-Autoren e. V.«.

Diese Literatur-Vereinigung mit über 70 Mitgliedern sorgt für Literaturvermittlung, für Lesungen, für Fortbildungen im »Handwerk Schreiben« und für gegenseitige Unterstützung aller, die sich in der Region mit Sprache und Schreiben befassen. Unsere freie Mitarbeiterin Uta Grabmüller hat Ina May in ihrem wunderbaren Zuhause – in dem Tausende von Büchern zum Schmökern einladen – besucht und nachgefragt, was sie zum Schreiben, zum Chiemgau und zu den »Chiemgau-Autoren« zu sagen hat.

Mit Fug und Recht lässt sich sagen: Du bist eine Chiemgauerin. Du lebst hier und hast einige deiner Romane auch im Chiemgau angesiedelt. Welche?

Ina May: Ich bin eine Chiemgauerin. Meine Vorfahren waren schon Chiemgauer und »Rupertigauer«. Es ist also nicht so seltsam, dass ich schließlich hier angelandet bin. Meine Chiemgauer Kriminalromane sind die Schwester Althea-Romane: »Tod am Chiemsee«, »Mord auf Frauenchiemsee«, »Der Teufel vom Chiemsee«. Und im März 2022 erscheint der neue Titel »Das Geheimnis von Frauenchiemsee«. Diese Geschichten spielen auf Frauenwörth, der Fraueninsel im Chiemsee. Der Roman »Nacht überm Chiemgau« mit einem tollen Kampenwand-Cover spielt in Marquartstein, Grassau und Umgebung.

Wo genau im Chiemgau wohnst du? Im Achental?

Ich bin in Übersee am Chiemsee zu Hause, war im Internat Schloss Niedernfels und in der Achental Realschule in Marquartstein.

Wie eignest du dir die Orts- und Sachkenntnisse an, wenn sie für deine Bücher notwendig sind?

Ortskenntnisse sind Gold wert. Und weiß ich einmal etwas nicht, kann ich auf der Insel im Kloster anrufen oder ich kann einen Ausflug machen und mich vergewissern. Mein Verlag sitzt in Köln, aber meine Lektorin nimmt es sehr genau, und sie ist eine Münchnerin, die am Chiemsee segelt. Wenn ich also in der Richtung von etwas Kenntnis haben sollte, dann kann sie schon aushelfen. Beispielsweise mit einer Untiefe, die eigentlich nur den Einheimischen hier rund um den See gut bekannt ist.

Hast du Lieblingsplätze im Chiemgau?

Lieblingsplätze im Chiemgau? Die sind wirklich vor allem im Krimi »Nacht überm Chiemgau« zu finden: die Burg Marquartstein, Agergschwend, der Schnappen und die Kapelle. Frauen- und Herreninsel … Zu den Plätzen gehören natürlich eine persönliche Geschichte und auch spannende, historische Fakten.

Du bist als Schriftstellerin Mitglied bei den »Mörderischen Schwestern«, aber auch bei den »Chiemgau-Autoren«. Was bedeuten dir diese Vereine?

Die »Mörderischen Schwestern« und »Das Syndikat« – dort tummeln sich Spannungs-Autoren. Wir »morden« allein und gemeinsam, begehen Verbrechen, aber natürlich nur in unserer Fantasie und in unseren Geschichten. Die Chiemgau-Autoren leben und arbeiten und schreiben im Chiemgau und haben sich zusammengefunden, um in ihren Texten eine schöne Vielfalt zu zeigen, um sich zu unterstützen, um sich auszutauschen und sich bei Blockaden zu motivieren.

Was kann ein solcher Verein für die Literatur, für die Literaturförderung, für Lesemotivation, allgemein: für Kulturvermittlung tun: Hast du eine Empfehlung?

Beflügelnd würde ich sie nennen, diese Verbindungen. Es gibt Lesungen, die organisiert werden, Workshops, Gespräche (direkt und online) – man wird nicht allein gelassen; nicht mit dem Geschriebenen, nicht mit Rechtefragen, Gesetzen, dem Wie und Wo und Wa-rum. Möglich, dass die Kollegin sagt: »Der Pitch klingt so gut, wenn du das nicht schreibst …«, was man durchaus auch als Drohung auffassen darf. Ich empfehle unbedingt so einen Verein wie die Chiemgau-Autoren: Egal, was jemand schreibt, man will nicht das Gefühl haben, allein mit etwas beschäftigt sein zu müssen, dann möchtest du ein Feedback, Kritik, willst einfach einmal jemanden über deinen Text schauen lassen, weil du dir nicht sicher bist – und bist gerne unter Leuten, die genau wissen, wovon du redest; dann zögere nicht und schaue dir ein paar Vereine an. Egal, ob Liebesromane, Fantasy, Krimi, Thriller, Gedichte, ernsthafte Literatur, Sachbuch – auch wenn du eine Leserin, ein Leser bist – dann gilt ebenso: Dabei sein ist alles. Außerdem gilt irgendwie (so empfinde ich es jedenfalls): Einer für alle und alle für einen. Ich nenne die Vereine Chiemgau-Autoren, Mörderische Schwestern, Syndikat, DeLIA, Homer.

An der jüngsten Veranstaltung der »Chiemgau-Autoren« – einer Lesung mit 13 Autorinnen und Autoren zum Thema »Lesen für den Frieden« in der Traunsteiner Klosterkirche Ende Oktober – warst auch du beteiligt. Wie war sie?

Ich könnte kurz und knapp sagen: so ein herrlich gelungener Abend! Die Lesung war vielfarbig – die Genres, die gelesen wurden, die Texte: nachdenklich, herzhaft lustig, traurig, nicht von dieser Welt … Die Musik war passend zum Gelesenen gewählt. Die Moderation war flott und passgenau. Das Publikum war jede Minute mit dabei. Die Autoren stellten sich mit einem Lächeln vor und meinten es genauso.

Mehr Informationen gibt es auch unter www.inamay.de und www.chiemgau-autoren.de.

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