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Zu Gast bei Mozart und seinen Freunden

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Im Gespräch am Adlgasser-Geburtshaus in Inzell waren (von links) Musikschulleiter Markus Gromes, Annelie Gromoll vom Adlgasser-Freundeskreis, Zweiter Bürgermeister Richard Hütter, Hofrat Prof. Dr. Werner Rainer und Chefdirigent Christian Simonis. (Foto: Mergenthal)

Mit der Familie Mozart war der aus Inzell stammende Komponist und Salzburger Hof- und Domorganist Anton Cajetan Adlgasser gut befreundet. Auch Michael Haydn kannte er; beide Musiker vertraten einander am Orgelpult.


Adlgasser-Uraufführung

Ein sogenanntes »Freund- schaftskonzert« im Rahmen der Mozart-Tage 2020 am 20. März um 19.30 Uhr im Alten Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall spürt dem Beziehungsgeflecht dieser Musikerpersönlichkeiten nach. Ein Höhepunkt: Erstmals seit der Entstehungszeit wird Adlgassers Sinfonia A-Dur aufgeführt.

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Eine Kombination glücklicher Umstände ermöglichten dies: Der Salzburger Adlgasser-Forscher, Hofrat Prof. Dr. Werner Rainer, gab die Sinfonia A-Dur – neben drei weiteren Sinfonien Adlgassers – heraus. Ein Mäzen aus Locarno finanzierte den Druck der Einzelstimmen. Und Christian Simonis, inspiriert durch einen Dialog mit dem A.   C.   Adlgasser-Freundeskreis Inzell, begeisterte sich dafür, dieses Werk durch die Bad Reichenhaller Philharmoniker erklingen zu lassen. »Wir liegen so nahe zusammen, Inzell und Bad Reichenhall, da bieten sich die Mozart-Tage als Rahmen an«, betont er.

Durch Plündereien in der Salzburger Residenz in den Wirren der napoleonischen Kriege mit oft wechselnden Salzburger Machthabern 1805 bis 1816 und die damals aufblühende Jagd nach Autografen ging das weltliche Oeuvre Adlgassers fast komplett verloren, im Gegensatz zu seinem Kirchenwerk, das im Dom überlebt hat. Umso bedeutsamer ist die aktuelle Erstaufführung.

Unter dem Titel »Universum Mozart« erklingt am 20. März zunächst die Sinfonie Nr. 39 C-Dur von Michael Haydn. Wie sein bekannterer älterer Bruder Joseph war er Sängerknabe am Stephansdom in Wien. Als Salzburger Hofmusikus von 1763 bis 1806 war er Kollege von Vater und Sohn Mozart und trug wie kaum einer zur kulturellen Blüte des Fürsterzbistums bei. Der als bescheiden und still bekannte Musiker komponierte unglaublich fleißig – wie damals üblich, mussten bei den diversen festlichen Anlässen ständig neue Werke erklingen. Darunter waren allein 46 Symphonien, in denen Haydn Gottfried Franz Kasparek zufolge »mit großem handwerklichem Können, bodenständigem Witz und musikantischer Fantasie die Traditionen der italienischen ,Sinfonia' mit den Neuerungen der ,Mannheimer Schule' zu schöner, unterhaltsamer Musik im Geiste der Klassik verbunden hat.«

Kein Ideenklau

Damals, vor den Zeiten des Urheberrechts, war es kein »Ideenklau«, sondern Zeichen der Wertschätzung, wenn etwa Mozart in seiner Finalfuge seiner »Jupiter-Sinfonie«, die das Programm am 21. März prägt, musikalisches Material aus dieser Haydn-Sinfonie aufgreift. Auch bei Adlgasser hat sich Mozart »bedient.« Michael Haydns Werke wurden zu seinen Lebzeiten nicht verlegt, sondern in handschriftlichen Kopien in Klöstern verbreitet – wohl der Grund, warum er weniger bekannt ist als sein Bruder. Seit seiner Tätigkeit bei der Haydn-Gesellschaft Wien von 1973 bis 1987 ist Simonis fasziniert von Michael Haydn, auch von seiner Bescheidenheit und Frömmigkeit.

Die Konzertbesucher werden mittendrin sein in der Epoche von den 1760er- bis 1780er-Jahren und in den drei »Freunden« – manchmal auch Konkurrenten – Haydn, Adlgasser und Mozart drei verschiedene Typen und Stile erleben. »Den Unterschied hört man«, verspricht der Chefdirigent. Der heiteren Haydn-Sinfonie von 1788 schließen sich zwei Konzertarien, Perlen des späteren Mozarts, an, »Bella mia fiamma, – resta, oh cara« (1787) für Sopran (Sophie Klußmann) und Orchester und »Ch'io mi scordi di te« (1786) für Sopran, Klavier (Oliver Triendl) und Orchester.

Diese Lieder rahmen Adlgassers klassisch viersätzige A-Dur-Sinfonie ein. Sie entstand vermutlich auf einer Studienreise nach Italien 1764/65. Typisch salzburgisch sind laut Hofrat Rainer die Teilung der Bratschen und die Verwendung von Hörnern und Oboen, wobei letztere – vertraglich geregelt – auch die Flöte beherrschen mussten. Die Abschrift, die die Grundlage für die neu herausgegebenen Noten war, wurde einst in Regensburg angefertigt. »Man kann an Adlgasser sehen, wie die Menschen damals gelebt haben«, erläutert Simonis. Eine Vitrine im Inzeller Rathaus informiert über den Komponisten, und die Musikschule Inzell möchte auch die Jugend für seine Werke begeistern. Simonis: »Wir führen diese Sinfonie auf, damit das Ganze lebendig wird.«

Während Leopold Mozart mit seinen Kindern herumreiste, passte Adlgasser laut Prof. Dr. Rainer übrigens auf seine Instrumente auf. Apropos Reisen: Abgerundet wird das Programm durch die strahlend-festliche »Pariser« Sinfonie Nr. 31 D-Dur KV 297 von Wolfgang Amadeus Mozart, für die er 1778 in Paris den Auftrag erhielt.

Veronika Mergenthal

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