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Wenn ein Elefant bei der Krippe steht

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Stets vor vollbesetztem Haus treten Dr. Martin Fogt und Silke Aichhorn mit ihrer Reihe »Christmas Crackers« in Traunstein auf. (Foto: Heel)

Weihnachtszeit ist auch Erzählzeit, zumal es an Geschichten rund um das Fest der Liebe nicht gerade mangelt. Besonders schöne Geschichten präsentiert seit vielen Jahren der Radiosprecher, Autor und Musikwissenschaftler Dr. Martin Fogt in der stets vollbesetzten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wo er zusammen mit der Harfenistin Silke Aichhorn die Reihe »Christmas Crackers« sehr erfolgreich zum Besten gibt.


Als Einstieg wählte Dr. Fogt dieses Jahr einen Auszug aus der Erzählung »Ochs und Esel bei der Krippe« des uruguayisch-französischen Schriftstellers Jules Supervielle, in der der Autor humorvoll beschreibt, was geschehen wäre, wenn alle anderen Tiere auch gekommen wären, jedes so, wie es ist. Also auch Schlangen, Insekten, Tiger und Löwen und sogar ein Elefant, der »sich damit begnügte, auf der Schwelle niederzuknien und seinen Rüssel wie ein Weihrauchfass zu schwenken, was von allen gut aufgenommen wurde.« Andere, zum Teil ebenso skurrile Geschichten, stammten von Gerhard Schöne (»König Mehlohr«) oder Martin Suter (»Weihnachten ignorieren«).

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Weihnachten ist aber auch die Zeit, in der Schmerz, Verlust und Einsamkeit besonders spürbar werden. Von diesem Schmerz erzählt auch Erich Kästner in seiner Geschichte »Felix holt Senf«, die ebenfalls auf dem Programm stand. Weil der 15-Jährige das Glas Senf, das er am Heiligen Abend noch schnell holen sollte, versehentlich fallen lässt, traut er sich aus Angst vor den Schlägen seines Vaters nicht mehr nach Hause. Voller Trauer essen die Eltern nun jedes Jahr an Weihnachten Würstchen mit Kartoffelsalat. Jedoch immer ohne Senf. Bis nach fünf Jahren der Sohn am Heiligen Abend vor der Tür steht und dem Vater ein gefülltes Senfglas entgegenstreckt. Der umarmt ihn und sagt unter Tränen: »Junge, das hat aber lange gedauert.«

Eine sehr gelungene Zusammenstellung präsentierte auch Silke Aichhorn, die zunächst mit Kompositionen von G. F. Händel, Marcel Tournier oder Michail Glinka das Publikum verwöhnte Jedes einzelne Stück ein Genuss, technisch perfekt und von emotionaler Lebendigkeit. Sehr gut gefielen auch eine irische Volksweise sowie der größte Erfolg des amerikanischen Komponisten Ken Lane, »Everybody Loves Somebody«. Als Zugabe erfreute sie das Publikum dann noch mit einem Samba des französischen Harfenisten und Komponisten Bernard Andrès. Wolfgang Schweiger

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