Wenn der Himmel »Blauer als sonst« ist

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Digitales Jugendstück im Salzburger Landestheater: Das erste Mal verliebt sind Jule (Patrizia Unger) und Finn (Aaron Röll). Für sie ist der Himmel »Blauer als sonst«. (Foto: Anna-Maria Löffelberger)

Unter den Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie leiden auch und vor allem die Kinder und Jugendlichen. Deshalb hat sich Regisseurin Christina Piegger vom »Team Junges Land« des Salzburger Landestheaters etwas einfallen lassen.

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Ein Format, das in der Theaterlosen Zeit dennoch Austausch zulässt und über den anhaltenden Theaterentzug hinwegtrösten soll – Das Jugendstück »Blauer als sonst: Digital« verbindet Theaterszenen mit sozialen Medien und interaktiven Momenten. Das digitale Theaterstück ist für Kinder ab 12 Jahren geeignet und kann in zwei Varianten von Schulen gebucht werden. In der A-Variante befinden sich die Schüler und Schülerinnen zu Hause und sehen sich das Stück separat an Laptop, Smartphone, Tablet oder ähnliches, auf dem die Konferenzapplikation ZOOM installiert wurde, an. Das benutzte Gerät sollte eine integrierte Kamera oder eine externe Webcam haben, um sowohl via Video als auch mittels Audiofunktion miteinander kommunizieren zu können.

Die B-Variante sieht vor, dass sich die Schüler das Stück gemeinsam im Klassenraum ansehen: Hier wird ein größerer Bildschirm, Beamer oder ähnliches, benötigt, sowie eine Webcam, die auf die Schüler gerichtet ist. Dass dieses Format durchaus Vorteile zu bieten hat, ist nicht von der Hand zu weisen: Keine Anfahrt, geringe Kosten und eine gewünschte Uhrzeit, die leicht in den Schul- oder Homeschooling-Alltag angepasst werden kann. Das digitale Stück wird gemeinsam erlebt. Dabei sind das Team des Jungen Landes und Theaterpädagogin Anna Lukasser-Weitlaner mit im Zoom-Raum vor Ort und steuern die Interaktionsmomente.

Den Abschluss des digitalen Theatererlebnisses bildet eine kurze interaktive gemeinsame theaterpädagogische Übung und, wenn gewünscht, besteht die Möglichkeit einer gesonderten intensiveren Nachbereitung.

Zum Inhalt des Stücks aus der Feder von Eva Rottmann, das jetzt als österreichische Erstaufführung als »Theaterfilmpremiere« zu erleben war: Eine neue Stadt, eine neue Schule, neue Freunde und dann gibt es dieses Mädchen – Jule. Das erste Mal Verliebtsein, das erste Kribbeln im Bauch, die ersten Berührungen und der erste Kuss – das alles ist für Finn (Aaron Röll) nicht nur aufregend, sondern auch zutiefst verwirrend. Finns Vater (Axel Meinhardt) scheint nicht minder aufgeregt, als er mitbekommt, dass sein »Söhnchen« eine Freundin hat. Er fragt sich, wie er seinen Sohn begleiten oder schützen kann und ob er ihn »aufklären« muss. Und Jule (Patrizia Unger)? Hat sie schon mal? Und wenn, mit wem? Gefalle ich ihm (oder ihr)? Und was sagen die Andern dazu? Und dann ist da Frau Seidl (Tina Eberhardt), die von großer Enttäuschung und tiefer Verletzung spricht, die, obwohl sie Jahrzehnte zurückliegt, immer noch nicht ganz bewältigt zu sein scheint.

In der Zeit, in der der Himmel »Blauer als sonst« ist, ist der Mensch besonders »angreifbar«. Beschämende Erniedrigungen, die früher als Flur-Post oder in Briefform herumgezeigt wurden, richten in Zeiten von Internet und Smartphone im App-Format großen Schaden an. Unterbrochen wird dieser Strudel der Eindrücke unterschiedlicher Apps durch Momente, in denen Positionierung und Meinung der Schüler gefragt sind und die später besprochen oder diskutiert werden können.

Informationen zum Stück und zur Buchung gibt es bei Christa Großbointner unter schule@salzburger-landestheater.at oder unter Telefon 0043/662/871512223.

Kirsten Benekam

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