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Weltklassestürmer in Nahaufnahme

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Im Gespräch mit Michael Griesbeck vom FC Bayern Fanclub »Rot-Weisse-Traun« Traunstein (rechts) erzählte der Sportjournalist und Buchautor Ronald Reng im Traunsteiner NUTS spannende Details aus der Biografie von Weltklassestürmer Miroslav Klose. (Foto: Effner)

Miroslav Klose war ein einzigartiger Torjäger und selbstloser Teamspieler. Einen wie ihn wird es im Profifußball nicht mehr geben: Mit 20 spielte er noch in der Bezirksliga, vier Jahre später wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Vizeweltmeister. 2014 folgte die Weltmeisterschaft in Brasilien, die ihn zugleich zum WM-Rekordtorschützen gemacht hat.


Wer ist der Mann, dessen Kopfballtore gefürchtet und dessen Salti auf dem Spielfeld legendär waren? Einen facettenreichen Einblick in das Leben von »Miro« gab jetzt eine Lesung mit dem vielfach ausgezeichneten Sportjournalisten und Buchautor Ronald Reng im Traunsteiner NUTS. Der Frankfurter stellte dort in Kooperation mit der Traunsteiner Stadtbücherei und dem FC-Bayern-Fanclub Rot-Weisse-Traun Traunstein die aktuelle Biografie »Miro« vor. Mit großen Postern auf der Bühne und kurzen Filmausschnitten wurde das Publikum auf die faszinierende Geschichte von Miroslav Klose eingestimmt.

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Reng wurde einem größeren Leserkreis vor allem durch seine vieldiskutierte Biografie über den Torwart Robert Enke (2011) und sein Werk über »die andere Geschichte der Bundesliga« (2013) bekannt. Im versierten Gespräch mit Fanclub-Vorstandsmitglied Michael Griesbeck gab der Fußballexperte Einblick in Hintergründe und Entstehungsgeschichte der Klose-Biografie.

Er wollte ein Buch über einen berühmten Fußballer machen, erklärte Reng zu seiner Motivation. Auf Klose sei er gestoßen, weil der zwar ein großer Fußballer gewesen sei, »aber man quasi nichts über dessen Geschichte wusste«. In der dreijährigen Entstehungszeit des Werkes habe sich in rund 60 Interviews mit Klose sowie Verwandten, Freunden, Mitspielern, Trainern und hochrangigen Funktionären »ein absolut faszinierendes Persönlichkeitsbild mit einer bewegenden Geschichte« herausgeschält.

Geheimtrefffen

Bis zu seinem sechsten Lebensjahr wuchs der »Fußballer des Jahres« (2006) als Sohn eines deutschstämmigen Fußballprofis und einer polnischen Handballnationalspielerin in Frankreich auf. Nach einem Jahr in Polen kam die Familie als Aussiedler in die Pfalz. Reng schilderte den atemberaubenden Aufstieg des gelernten Zimmermanns Klose vom SG Blaubach-Diedelkopf über die Regionalliga zum gefürchteten Stürmer beim 1. FC Kaiserlautern. Sowohl die Wechsel zu Werder Bremen 2004 und zum FC Bayern München 2007 hinterließen Spuren bei Fans und Funktionären. Der Sportjournalist gab Einblick, wie er Werders Cheftrainer Thomas Schaaf im vertraulichen Gespräch »knacken« konnte und was er im Gespräch mit Ex-FC Bayerntrainer Ottmar Hitzfeld und Uli Hoeness erfahren hat. Voll Spannung lauschten die Zuhörer der vorgelesenen Passage, wie bei einem (aufgeflogenen) »Geheimtreffen« mit den beiden FCB-Größen in der Tiefgarage des Hotels Maritim in Hannover der Millionen-Deal mit Klose fix gemacht wurde.

Eine der beglückendsten Phasen für den Weltklasse-Stürmer war offensichtlich der gemeinsame Auftakt beim FC Bayern mit Frank Ribéry und dem später zum Freund gewordenen Luca Toni und den ersten zusammen verbrachten Monaten im Hotel »Vier Jahreszeiten« in München als neuer Wohnort. »Stark ans Selbstbewusstsein und Motivation«, so Reng, ging Klose die »radikale Systemumstellung« unter Bayern-Trainer Louis van Gaal ab 2009.

»Was ihn ausgezeichnet hat, war seine schnelle Antrittsfähigkeit im Zweikampf, sein exzellentes Kopfballspiel, seine extreme Lernfähigkeit und die Fähigkeit, die Bewegungsmuster anderer blitzschnell zu analysieren und darauf zu reagieren«, analysierte Reng. Der rationale, sehr strukturierte und familienbewusste Stürmer wechselte von 2001 bis 2016 zu Lazio Rom. Seinen »Traum, einmal an der Fußball-Spitze zu stehen«, hat der Rekordspieler erreicht. Seit 2018 gibt Klose sein Wissen und Können nach einer Weiterbildung als Trainer an die U17 des FC Bayern München weiter. »Nach außen hin wirkt Klose eher wortkarg, privat kann er sehr humorvoll und gesprächig sein«, schloss der Journalist den vom FC-Bayern-Fanclub packend mitgestalteten Abend. Axel Effner

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