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Wege aus der lähmenden »Grübel-Falle«

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Die Autorenlesung mit Pfarrer Felix Leibrock beim Chiemgauer Literaturfest Leseglück fand im Digitalformat statt. (Foto: privat)

Lebensbejahende Autorenlesung mit Pfarrer Felix Leibrock im Rahmen des Chiemgauer Literaturfests


Die wirklich wertvollen Dinge im Leben lernt der Mensch oft erst dann zu schätzen, wenn er sie verloren hat: Eine traurige Erkenntnis, die uns gerade zu Zeiten der Pandemie schmerzlich bewusst wird.

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Im Rahmen des Chiemgauer Literaturfests »Leseglück« veranstaltete das Evangelische Bildungswerk Rosenheim-Ebersberg eine Autorenlesung mit Pfarrer Felix Leibrock. Neben der leitenden Tätigkeit beim Evangelischen Bildungswerk in München ist Leibrock Seelsorger bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei und spricht das Format »Nachgedacht« bei Antenne Bayern. Nachdem »Leseglück« heuer nur in digitaler Form stattfinden kann, nutzten viele Literaturbegeisterte die Gelegenheit, sich im Lockdown per Zoom miteinander zu vernetzen.

Wenn auch der Bildschirm die wirkliche Begegnung nicht ersetzen kann und der Geist der Gemeinschaft nur ein virtueller ist, so ist es doch zu Corona-Zeiten die einzige Möglichkeit, kulturelle Erlebnisse zu teilen. Dabei konnten die Teilnehmer mit dem Autor ins Gespräch kommen, Fragen stellen, die eigene Meinung kundtun oder hören, wie sich andere zur Sache äußern. Mit seinem im letzten Jahr im Europaverlag veröffentlichten Buch »Wenn der Sommer kommt, tanzen die Träume«, schrieb Leibrock »Eine Erzählung für Hoffende«. Hauptprotagonistin des Buchs ist die 18-jährige Selma: Frischgebackene Abiturientin mit einem Sack voller Träume und Lebenslust. In der Hochphase ihres jungen Lebens verliert sie durch einen Autounfall das Augenlicht und infolgedessen den Lebensmut.

Nach Selmas Schock-ereignis folgt eine Phase des Rückzugs und der Depression, aus der sie zunächst schwer wieder hinausfindet. Tausend Fragen gehen der jungen Frau durch den Kopf – sie wird zur Suchenden und beschließt, auf drei für sie grundlegende Fragen Antworten zu finden: Warum ist das Leben so ungerecht? Warum ich? Woher nehme ich den Mut zum Leben? Und gibt es das Unsichtbare hinter den sichtbaren Dingen?

Die Zufallsbegegnung mit der hochbetagten Bewohnerin eines Seniorenheims und einem Altenpfleger gibt Selmas Leben eine entscheidende Wendung. Die darauffolgenden Gespräche mit fünf Hochbetagten aus demselben Seniorenheim und ihre daraus gewonnenen Erkenntnisse über Schicksalsschläge helfen Selma, langsam einen neuen Lebensentwurf zu gestalten und sich nach und nach aus der »Grübel-Falle« zu befreien.

»Um einen Menschen zu retten, genügt manchmal ein einziger anderer Mensch, der uns zum rechten Zeitpunkt begegnet.«. Dieser heilsame Anstoß kann dem Betreffenden den so wichtigen »Schubs in die richtige Richtung« geben und dem vermeintlichen Übel die lähmende Wirkung nehmen. Vertrauen aufbauen, Hilfe annehmen und das Unabwendbare annehmen sind für Menschen nach einschneidenden Schicksalsschlägen entscheidende Voraussetzungen dafür, einen Perspektivenwechsel zu vollziehen: »Aus Schwächen Stärke entwickeln« ist, wie es aus Leibrocks Buch hervorgeht, eine wirkungsvolle Möglichkeit, »sich sein Leben zurückzuholen«.

Während der Leseglück-Veranstaltung gelang es dem Autor, seine Zuhörer immer wieder aktiv ins Gespräch mit einzubeziehen. Seine Intention, betroffenen Menschen mit seinem Buch den Weg aus der Lebenskrise zu erleichtern, kommt gerade in Pandemiezeiten im rechten Moment. Im übertragenen Sinn auf Selmas Geschichte, könnte etwa der ein oder andere Menschen auch in Bezug auf Corona durchaus den Blick auf die Kehrseite der Medaille richten: Es gibt nichts Schlechtes, was nicht irgendwie auch Gutes in sich birgt – also (Alb-)Träumen wieder zu (Freuden-)Tänzen verhilft.

Kirsten Benekam

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