»Veränderung ist Lebendigkeit«

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Patrick Pföß freut sich auf seine neue Aufgabe. (Foto: Mergenthal)

»Der Verein ist mehr als die Klosterkirche«, sagt Patrick Pföß. Der 39-jährige Komponist und Musiker möchte als neuer Vorsitzender der Traunsteiner Kulturfördervereinigung »ARTS« einerseits Bewährtes weiter führen, andererseits entwickelt er bereits eigene Ideen: Am Herzen liegen ihm die Jugendarbeit und das Netzwerken mit anderen kulturellen Organisationen. Die Heimatzeitung führte ein Gespräch mit dem gebürtigen Traunsteiner.


Nach 16 Jahren ging die Vereinsführung von ARTS-Gründerin Sigrid Ackermann an Pföß über. »Ich bin vor zwei Jahren schon gefragt worden«, erzählt der in Oberteisendorf aufgewachsene Nachfolger. Dazu, jetzt Ja zu sagen, bewegte ihn der Wunsch, im kulturellen Bereich noch mehr Potenzial aufzubauen, um gemeinsam etwas zu bewegen.

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Seine Ausbildung erhielt Pföß an der Berufsfachschule für Musik in Altötting und – mit Abschluss Diplom-Musiklehrer – am Hamburger Konservatorium. Dort studierte er Querflöte und als Wahlfach »Historische Aufführungspraxis« mit Hauptfach Traversflöte. Komposition lernte er bei Hans-Josef Knaust in Salzburg, Christoph Heptner in München, Georges N. Wolff in Hamburg in Christoph Ogiermann in Bremen.

Als Musiklehrer mit Schwerpunkt Querflöte war er bisher in Norddeutschland, Inzell und Traunstein tätig. Von 2012 bis 2019 sang er im Kirchenchor St. Oswald Traunstein und seit 2017 leitet er den Siegsdorfer Kirchenchor und den Chor »Zeitlos«. Mit der ARTS Kulturfördervereinigung verbindet ihn viel: Bereits 2009 erhielt er den ARTS-Förderpreis, wurde gleich nach seiner Rückkehr aus Hamburg im Jahr 2011 Mitglied und war seit 2016 künstlerischer Berater des Vorstandes.

Viele spannende Projekte verwirklicht

Zahlreiche spannende Musikprojekte realisierte der Musiker bereits in seiner Heimat: So wurde in Traunstein 2013 »Musik für eine Stadt« im Rahmen der Oberbayerischen Kulturtage uraufgeführt und 2016 im Kunstraum Klosterkirche seine Kammeroper »Cuchulinn«. Er kooperierte auch mit den Bad Reichenhaller Philharmonikern, die 2018 und 2019 in Bad Reichenhall seine Orchesterwerke »Gajalila« und »Purpura lucem« uraufführten.

Sein Anliegen für die Kulturfördervereinigung: »Wir wollen wachsen und wir wollen eine kraftvolle Stimme bleiben, die die Kulturszene in Traunstein weiterhin prägt. Wir werden uns einmischen!« Nach dem Umbau der Klosterkirche hat sich die Rolle von ARTS, bisher Mieter des städtischen Gebäudes, verändert. Wie Pföß betont, ist der Verein nur noch einmal im Jahr, bei der ARTS Akzente-Ausstellung, Veranstalter. »Das war für mich auch Bedingung.« Statt Stühle auf- und abzubauen, Vorhänge auf- und abzuhängen, zu kehren und mit dem Bauhof die Bühne aufzustellen, bleiben die personellen Kapazitäten nun frei für die »Kulturförderung in Reinform«.

Unterstützung von Künstlern aller Art

Im Rahmen des mietfreien Zeit-Kontingents von zwölf Wochen im Jahr werde ARTS Künstler der verschiedenen Arten unterstützen und Veranstaltungen, Konzerte und Ausstellungen ermöglichen. Auf Antrag könnten die Künstler auch eventuell weitere Unterstützung erhalten.

Derzeit ist der neue Vorsitzende noch mit viel Bürokratie beschäftigt. Baldmöglichst möchte er aber auch eigene Ideen voran treiben, wie den Ausbau der Kinder- und Jugendarbeit. Mit dem von ihm gegründeten Jugendensemble mit irischem Repertoire »Leprechaun Players« war er sieben Mal auf Konzertreise und gastiert am 7. Februar 2021 in der Klosterkirche. Das ARTS-Kino im Bahnhofskino, ein anspruchsvolles Programm-Kino, laufe weiterhin, etwa im Zwei-Monats-Turnus.

Mehr Miteinander statt Nebeneinander

Am Herzen liegt Pföß vor allem das Netzwerken innerhalb der Kulturszene. »Es ist bedauerlich, dass es keinen Kulturmanager gibt für Traunstein. Es gibt so viel Nebeneinander, Gegen- einander...« Traunstein sei ja keine Großstadt, sondern eine Kleinstadt mit sehr viel Potenzial. Die Kooperation mit dem Kunstverein, der Städtischen Galerie und dem Bahnhofskino klappe bereits hervorragend, Pföß wünscht sich aber einen Dialog auch mit anderen Kulturträgern. Als Vertreter der jüngeren Generation ist er auch in den neuen Medien daheim. Aufgrund neuer Bestimmungen muss nun zunächst die ARTS-Homepage modernisiert werden. »Mir ist wichtig, das Gute zu belassen und aus der Tradition heraus Neues zu wagen«, fasst Pföß zusammen. »Veränderung ist Lebendigkeit.« Veronika Mergenthal

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