Trauer um ein echtes Traunsteiner Original

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Der Traunsteiner Georgiritt war ein Lieblingsmotiv in Steffie Wittauers detailgenauen Federzeichnungen.
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Steffie Wittauer

Sie war zwar eine in jungen Jahren »Zuagroaste«, erwarb sich aber im Laufe ihres langen Lebens den Ruf eines »echten Traunsteiner Originals«: Im hohen Alter von 95 Jahren ist jetzt die Traunsteiner Künstlerin Steffie Wittauer verstorben.

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Aus ihrer Geburtsstadt Hannover kam sie kriegsbedingt mit 15 Jahren in den Chiemgau, den sie fortan zu ihrer Heimat erklärte. Nach dem Besuch des Gymnasiums und Kriegsdienst war sie bei der damaligen amerikanischen Militärregierung als Dolmetscherin, bis zur Eheschließung beim Landratsamt beschäftigt.

Ihr Hauptinteresse galt jedoch seit jeher der musischen Betätigung. Einen Großteil ihres Werkes widmete sie der Malerei, besonders der Volkskunst, wovon bemalte Möbel, Heiligendarstellungen – auch Hinterglasbilder – und manch aussagekräftiges Porträt zeugen. Einen Großteil ihres grafischen Werkes widmete sie unserer Stadt, so schuf sie detailgetreue Federzeichnungen von alten, längst verschwundenen Gebäuden und Ansichten. Die Szenen des Georgiritts stellte sie in einzelnen Zeichnungen lebendig dar.

Ihre zweite Begabung war die Schriftstellerei, ihr umfangreicher historischer Roman »Von heut auf morgen« erschien vor einigen Jahren in Fortsetzungen in den »Chiemgau-Blättern. Es werden darin dramatische Vorgänge aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Chiemgau geschildert. Das Buch erschien, so wie ihr zweiter Roman »Amor in Salzburg« im Eigenverlag.

Den älteren Bürgern dürfte ihr schwungvolles Akkordeonspiel bei den Veranstaltungen des Katholischen Frauenbunds in lebhafter Erinnerung sein, wo sie u.a. zusammen mit dem langjährigen Redakteur Ossi Wagner zum Tanz aufspielte.

Frau Wittauer verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Seniorenzentrum Diakonie auf der Wartberghöhe. Zur Freude der Mitbewohner setzte sie sich dort ans Klavier, begleitete die Singstunden und spielte auswendig durch ein breitgefächertes, internationales Repertoire. Steffie Wittauer hinterlässt eine Tochter, zwei Enkel und zwei Urenkel. Mit ihr ist ein Traunsteiner Original verstorben, gehörte sie doch, ausgerüstet mit Dirndlgwand und Rucksack, zweifellos zum Stadtbild.

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