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Spaziergang durch die Welt der Musik

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Hochkarätige Musik mit Bläsern von Chiemgau Brass gab es in der Teisendorfer Pfarrkirche: Unser Bild zeigt (von links) Georg Holzner, Florian Kosatschek, Benedikt Wittmann, Bernhard Frey und Josef Neuner. (Foto: Konnert)

Mit dem bekanntem Abendlied »Guten Abend, gute Nacht« von Johannes Brahms, einfühlsam gespielt von den fünf Bläsern, die die Kerngruppe von Chiemgau-Brass bilden, endete für die rund fünfzig Zuhörer in der Pfarrkirche St. Andreas in Teisendorf eine musikalische Sternstunde.


Denn das Lied war der Abschluss eines beeindruckenden Spaziergangs durch die Welt der Musik, in dem ein Höhepunkt den anderen jagte: alte Musik am Übergang von der Renaissance zum Barock von Giovanni Gabrieli und Giles Farnaby, Musik der großen deutschen Komponisten Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach, Blues, Spirituals, Tango und als Zugabe ein alpenländischer Jodler sowie das schon erwähnte Gute-Nacht-Lied. Georg Holzner (Leitung und Trompete), Josef Neuner (Trompete), Florian Kosatschek (Horn), Bernhard Frey (Posaune) und Benedikt Wittmann (Tuba) überzeugten durch hohes musikalisches Können und ausdrucksstarke Interpretation der Stücke.

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»Wir freuen uns wahnsinnig, dass wir endlich wieder konzertieren dürfen«, meinte Georg Holzner in seiner Begrüßung. »Es ist für uns ein toller Lichtblick, dass wir das in dieser schönen Kirche machen dürfen«. Holzner führte informativ und kurzweilig durch das Programm, so dass die Zuhörer sich jeweils in die Zeit zurückversetzen konnten, in der die betreffenden Stücke komponiert worden sind. Das Konzert begann mit dem bekannten Klassiker »Amazing Grace« in der Bearbeitung für Blasmusik des Meisterarrangeurs Luther Henderson, bei dem Georg Holzner mit Trompetensoli brillierte. Es sei eigentlich ein trauriges Lied, das sich aber in Hoffnung auflöse, so Holzner. Gerade deshalb passe es auch jetzt in unsere Zeit, wo die Hoffnung nicht verlorengehen darf. Mit der Canzone von Gabrieli, einem alten Kirchenlied aus dem 16. Jahrhundert, versuchte Chiemgau Brass die Atmosphäre alter venezianischer Kirchen aufleben zu lassen, wo die Bläser an verschiedenen Stellen in der Kirche positioniert wurden, um ein besonderes Klangerlebnis zu erzeugen. Dies ist den Künstlern in Teisendorf, trotz der kleinen Besetzung, auch wunderbar gelungen.

Dass man Musik, die eigentlich für Saiteninstrumente geschrieben ist, auch auf Bläser umsetzen kann, bewies die Gruppe mit einer Folge kleinerer Stücke von Giles Farnaby, die leicht und spielerisch vorgetragen, die Zuhörer in die Welt der »Fantasien, Spiele und Träume«, wie der Titel des Stücks es versprach, entführten.

Die Welt des Tangos wurde mit »Oblivion«, einem Stück des berühmten argentischen Komponisten Astor Piazolla, Begründer des Tango Nuevo, des »Neuen Tango«, lebendig. Tango in dieser Perfektion, gespielt von einem Bläserensemble, ist für beide Seiten, Musiker und Zuhörer, eine emotionale Herausforderung. Eine besondere »sportliche« Herausforderung für die Bläser aufgrund der schnellen Tonabfolge und der breiten Tonintervalle stellte die Fuge in G-Moll von Johann Sebastian Bach dar. Deshalb würde man auch nur die kleine G-Moll Fuge spielen, meinte Holzner scherzend. Das, was dann folgte, zeigte eindrucksvoll, dass die Musiker von Chiemgau-Brass als »Blechbläser-Sportler« durchaus zu Höchstleistungen fähig sind. Dennoch bat Holzner dann bei der Wassermusik von Georg Friedrich Händel das Publikum, sich mit einem Mal zufrieden zu geben und nicht zu verlangen, das Stück zu wiederholen. Er spielte damit auf die Geschichte dieses Stückes an, das Händel im Auftrag des englischen Königs Georg I. für eine Lustfahrt auf der Themse geschrieben hat. Der König hat dabei immer wieder gebeten, das Stück zu wiederholen, bis die Fahrt endlich zu Ende war.

Mit einer witzigen Kombination aus Händels »Hallelujah« und dem weit verbreiteten Gospelsong »When The Saints Go Marching In«, in einem Arrangement von Luther Henderson, erreichte das Konzert einen nächsten Höhepunkt. »Dieses Stück lieben wir besonders und es freut mich, dass wir es endlich wieder spielen dürfen« meinte Holzner als Einführung. Diese Freude spürten auch die Zuhörer, die von der Spritzigkeit der Vorführung und den perfekten Übergängen zwischen Barock und Jazz begeistert waren. Zum Schluss gab es für das Ensemble langanhaltenden, stehenden Applaus. Denn das Klangerlebnis, das die fünf Blechbläser dem Publikum geschenkt haben, wird noch lange nachhallen. Wer die Gruppe noch einmal hören möchte, kann dies am 16. September tun, wenn Chiemgau-Brass in Bad Reichenhall in der Konzertrotunde gastieren.

Monika Konnert

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