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Mit Schuberts »Frühlingstraum« bedankte sich das Goldmund-Quartett für den jubelnden Applaus.
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(Fotos: Janka)

Sinnlich-prall und ausdrucksvariabel

Besser hätten die heurigen Traunsteiner Sommerkonzerte nicht enden können: Geradezu berstend vor Energie und Ausdruckswillen, dabei immer klanggeschmeidig und homogen wie aus einem Guss spielte sich das Goldmund-Quartett (Florian Schötz und Pinchas Adt, Violinen; Christoph Vandory, Viola, und Raphael Paratore, Cello) in einen wahren Spielrausch, der die Zuhörer im ausverkauften Kulturforum Klosterkirche am Ende spontan aufjubeln ließ. Nicht umsonst hat dieses Quartett den sinnenfroh wandernden Künstler Goldmund aus dem Roman »Narziss und Goldmund« von Hermann Hesse als Namensgeber, so sinnlich-prall und ausdrucksvariabel ist ihr Spiel.

Das Quartett h-Moll op. 33/1 von Joseph Haydn hat der Musikwissenschaftler Alfred Einstein als »Verschmelzung von Galant und Gelehrt« charakterisiert. Die vier Musiker spielten das Gelehrte, nämlich die harmonische und thematische Vieldeutigkeit im Kopfsatz, so galant, dass alles zum reinen Hörvergnügen wurde. Die nachfolgenden Sätze strotzten vor deutlich akzentuierter musikantischer Tanzlust bis hin zum ungarisch-wilden Presto-Finale mit wahrem Paprika-Feuer.

Im Quartett e-Moll op. 44/2 von Felix Mendelssohn-Bartholdy stand dann mehr das Strömen im Mittelpunkt, das aber immer seelisch aufgewühlt war. Die Themen fließen im Kopfsatz organisch ineinander, das Andante war ein nicht enden wollendes, durch alle vier Instrumente wanderndes, bisweilen vor Innigkeit zitterndes Singen, das Scherzo ein wahrer flirrender Sommernachtstraum. Immer wieder konnte man dabei das vollkommen ausbalancierte Zusammenspiel der Vier im blinden Vertrauen bewundern.

Seelenerschütternd

Mit wütender Entschlossenheit, als ginge es um ihr Leben, begannen die Musiker das Streichquartett »Der Tod und das Mädchen« von Franz Schubert, immer vor innerer Unruhe bebend, die lyrischen Passagen beinahe verzweifelt flehend. Im titelgebenden Andante reizte das Quartett alle dynamischen Kontraste aus vom wilden Strich bis hin zum fahlen Flüster-Strich und lotete dabei alle Abgründe aus. Das Cello produzierte ein melodiöses Pizzicato, die erste Violine streute figuratives Goldflitter darüber. Wie die wilde Jagd flog das Schluss-Presto dahin, dabei immer federnd gespannt, immer klanglich geschlossen und, bei allem rückhaltlosen Spiel, immer kontrolliert: wahrlich seelenerschütternd.

Die aufgewühlten Seelen des restlos begeisterten Publikums beruhigte das Goldmund-Quartett mit dem unendlich wehmütig gespielten »Frühlingstraum« aus der »Winterreise« von Franz Schubert. »Danach kann man sich nur kurzfassen«, sagte Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer, hob die internationale Qualität der Sommerkonzerte hervor, holte alle ehrenamtlichen Helfer auf die Bühne und beschenkte sie mit Blumen und Wein. Rainer W. Janka

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