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Showdown am Chiemsee: Der österreichische Autor Wolf Haas schickt seinen Ermittler Simon Brenner wieder los

Was bei uns Wertstoffhof heißt, nennen sie in Wien Mistplatz. Und so ein Mistplatz ist auch einer der zentralen Schauplätze von »Müll«, dem neuesten Roman des österreichischen Krimiautors Wolf Haas. 


Auf einem Mistplatz ist der Ex-Polizist und Ex-Privatdetektiv Simon Brenner beschäftigt, die Figur, mit der Haas seit über 25 Jahren sein Publikum erfreut. Auf ganz besondere Weise erfreut, denn der Brenner ist alles andere als ein typischer Krimi-Held, und Haas ein Autor mit einem ganz eigenen Erzählstil.

Als Erzähler fungiert nämlich nicht der Brenner selbst, sondern eine quasi allwissende Person, die den Leser direkt anspricht, alles und jedes kommentiert, abschweift, spekuliert, sich lustig macht und dabei eine große Freude an eigenwilligen Satzkonstruktionen hat. Eine so originelle wie witzige Erzähl-Methode, die den 1960 in Maria Alm (Land Salzburg) geborenen Haas längst zum Kult-Autor werden ließ.

Seinen ersten Auftritt hatte Brenner 1996 in dem Roman »Auferstehung der Toten«, seinen bisher letzten 2014 in »Brennerova«. Vier davon wurden mit dem Kabarettisten Josef Hader in der Hauptrolle verfilmt. Nun ist mit »Müll« der neunte Brenner-Krimi erschienen, der damit beginnt, dass einer von Brenners Kollegen auf dem Mistplatz ein menschliches Knie entdeckt, das im Müllkreislauf natürlich nichts verloren hat: »Wenn du schon am Anfang das Zeug in die falsche Wanne schmeißt, alles umsonst. Knie in Wanne 4, da kannst du von einem Kreislauf nur träumen. Menschliches Knie wäre natürlich, wenn schon, Biomüll. Wanne 19. Oder zur Not, zur äußersten Not von mir aus Kompost. Wanne 12. Also abgesehen davon, dass ein menschlicher Körperteil am Mistplatz sowieso nichts zu suchen hat, das muss ich hoffentlich nicht extra sagen. Menschliche Körperteile: Magistratsabteilung 45, Friedhöfe.«

Angestachelt durch den makabren Fund machen sich die »Mistler« eifrig auf die Suche, und kurz darauf haben sie alle Leichenteile beisammen – nur das Herz fehlt. Und der Brenner, der eigentlich ein ruhiges Leben führen wollte, mal wieder mittendrin. Zumal auch seine Vergangenheit bei der Kripo wieder lebendig wird, denn der leitende Ermittler wurde einst von ihm ausgebildet. Dabei hat der Brenner noch ganz andere Probleme: Zum »Bettgeher« geworden, nistet er sich in Wohnungen und Häusern ein, die vorübergehend leer stehen. Als er dabei einmal ertappt wird und um sein Leben fürchtet, zählt dies zu den spannendsten Passagen des Romans.

Aber auch sonst geht es bald rund, denn als die schöne Tochter des Toten auf dem Mistplatz aufkreuzt, fühlt sich Brenner (heraus)gefordert und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Und sticht dabei in ein Wespennest aus Familientragödie und kriminellem Organhandel. Am Ende steht eine veritable Verfolgungsjagd quer durch Österreich, die am Chiemsee in einen Showdown mündet.

Wolfgang Schweiger

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