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Bei der »La Grande Bellezza« des 19. »Chiemgauer Musikfrühlings« im Kulturforum Klosterkirche spielten (von links) Tatiana Samouil und Boris Brovtsyn, beide Violine, Razvan Popovici und William Coleman, Viola, Justus Grimm und Julian Arp, Violoncello. Nicht auf dem Foto Diana Ketler, Klavier, und Thorsten Johanns, Klarinette. (Foto: Giesen)

Selten gespielte Stücke beim »Musikfrühling«

Ein außergewöhnliches Programm mit selten präsentierten Stücken spielten die Musiker um Razvan Popovici beim sehnlich erwarteten 19. »Chiemgauer Musikfrühling« beim fünften und letzten Konzert im gut besuchten Kulturforum Klosterkirche Traunstein.

Unter dem Titel »La Grande Bellezza« begann es mit Camille Saint-Saens' wunderschöner Sonate für Klarinette und Klavier in Es-Dur, opus 167. Mit Gabriel Fauré und Cesar Franck gehört Saint-Saens zu den Musikern, die der französischen Kammermusik zur Weltgeltung verholfen haben. Schon zu Lebzeiten hatte er die seltene Ehre, als Klassiker zu gelten. In Deutschland spielte seine Kammermusik meist eine untergeordnete Rolle.

Bezeichnend für die Philosophie der Musikfrühling-Organisatoren ist, dass sie eingangs dieses durchgehend zu Herzen gehende Stück wählten. Die virtuos gespielten, herrlich weichen Klänge der Klarinette von Thorsten Johanns harmonierten kongenial mit der Tastenkunst der Pianistin von Weltruhm, Diana Ketler, die zusammen mit Razvan Popovici den Musikfrühling – im nächsten Jahr schon zwei Jahrzehnte lang – leitet und bespielt.

Es folgte das weniger romantische Klavierquintett in fis-Moll des in Venezuela geborenen, jüdisch französischen Komponisten Reynaldo Hahn (1874 bis 1947), der zum engen renommierten Freundeskreis um den Dichter Marcel Proust zählte. Der russische Geiger Boris Brovtsyn, Preisträger vieler internationaler Wettbewerbe, brillierte auf der Geige, William Coleman und Razvan Popovici auf der Bratsche, dazu als Meister auf dem Cello Justus Grimm, der seit fast zehn Jahren als Professor für Violoncello am Königlichen Konservatorium in Antwerpen wirkt. Fünfte im Bunde war wieder Diana Ketler am Klavier, die in vollendeter Harmonie mit den anderen die drei Sätze des Quintetts mit voller Hingabe, tief konzentriert, virtuos spielte, sodass auch das Publikum in seinen Bann gezogen wurde.

Letztes Stück nach der (endlich wieder erlaubten Pause, die viele bei lauem Frühlingswetter im Freien genossen) war das in Deutschland selten aufgeführte Streichsextett in Es-Dur von Frank Bridge (1879 bis 1941), einer der bedeutendsten englischen Komponisten. Neben den zuvor genannten Musikern spielte die großartige Tatiana Samouil auf der Violine. Sie stammt aus Moldawien. Nach ihrer Karriere am Königlichen Konservatorium in Brüssel ist sie neben vielen internationalen Engagements auch Professorin für Violine am Brüsseler Konservatorium.

Wieder zeigte sich bei den vielen Musikern aus den unterschiedlichsten Nationen, wie gut ein Zusammenspiel klappen kann, wenn es nur um die gemeinsame Sache geht.

Auch nach dem letzten, anspruchsvollen, nicht immer leicht zu folgenden Stück bestachen die Musiker durch ihr virtuoses, harmonisch aufeinander abgestimmtes, differenzierendes Spiel, aber auch durch Temperament und schiere Spielfreude.

Das Publikum dankte nach jedem der Stücke mit viel Applaus. Da auch dieses Konzert im Kulturforum Klosterkirche vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet wurde, können es die Interessierten, die es nicht live erleben konnten, am 4. Juli in BR Klassik im Rundfunk noch hören.

Christiane Giesen

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