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Im Rahmen des Gesprächsforums der Kunstsprechstunde in Traunstein diskutierte der Linzer Bildhauer und ehemalige Kunstdozent Josef Baier mit Initiator Helmut Mühlbacher und Besuchern über Aussage und Herstellung der von ihm entwickelten Spiralformen und Kunstwerke. (Foto: Effner)

Schöpfungsmysterien auf der Spur

Die Spirale ist sein Markenzeichen: Mit immer neuen Variationen dieser »Urform des Lebens« hat der aus Linz stammende, international gefragte Künstler Josef Baier Faszination geweckt und seinen Erfolg begründet. Inzwischen ist der 70-jährige Salzburger mit großräumigen Installationen und Klangexperimenten, die Ausstellungsbesucher in ganz neue Erfahrungswelten eintauchen lassen, weit über seine ursprüngliche Intention hinausgewachsen.

Im Rahmen des von Helmut Mühlbacher organisierten Gesprächs- und Diskussionsforums zur 37. Kunstsprechstunde in Traunstein konnten Interessierte den umtriebigen Künstler, seine Werke und Motivation bereits vor kurzem im »Offenen Raum Traunstein« kennenlernen.

Bei der Vernissage der Ausstellung von Baier im Kirchenraum des Kulturforums Klosterkirche hat der Künstler am Wochenende die Installation »Im Fluge« in Gang gesetzt. Sie ist speziell auf die strenge Kubatur des Gebäudes zugeschnitten.

Ausgelöst durch Bewegungsmelder setzen sich Förderbänder in Gang, wenn Besucher den Raum betreten. Auf den Bändern werden Ahornsamen transportiert, die in serieller Reihung angeordnet sind. Aus einer Höhe von sechs Metern schweben die Ahornsamen in ihrer charakteristischen Propellerdrehung zu Boden. Die Ausstellung ist bis 28. August zu sehen. Geöffnet ist Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Rundgänge mit Künstlergesprächen gibt es am Mittwoch, 17. August um 11 Uhr sowie bei der Finissage am 28. August um 16 Uhr.

Sehr fasziniert zeigten sich die Besucher der Kunstsprechstunde bei der Diskussion über den Werdegang und das Werkverständnis von Josef Baier. Mehr oder weniger durch Zufall gelangte der Bildhauer nach dem Studium an der Hochschule für Gestaltung in Linz im Rahmen eines Symposions zur Beschäftigung mit Spiralformen. Aus Experimenten mit exakt berechneten Schnittformen aus rostfreiem Stahl entstanden immer aufwendigere, komplexere und größere, zum Teil sogar ineinander verschlungene Spiralformen. Für Baier sind sie mathematische wie auch metaphysische Symbole für die Schöpfungsprinzipien schlechthin.

Ein acht Meter langes und 3,20 Meter hohes Gebilde, das begehbar auf dem Wasser schwamm, sorgte etwa im Schloss Kremsmünster für Aufsehen. Aus einem keltischen Knoten entwickelte Baier später sogar die Idee eines überdimensionalen organischen Strohknotens. Dessen Bahnen ähneln nicht durch Zufall den unendlichen Umkreisungen eines Elektrons um den Atomkern.

Nach der Beschäftigung mit Stroh und Schafwolle als Ursprungsmaterialien auf Symposien in Spanien und Afrika setzte sich Baier immer wieder auch mit den Schöpfungsmysterien des Klangs auseinander. Bereits 2020 präsentierte er in Traunstein bei einer Ausstellung seine Bogenharfe im Salinenpark und eine »Spurenmaschine« in der Klosterkirche. Eine elektrisierende Wirkung auf Besucher, Musiker und Sänger übte Baier mit der von ihm entwickelten Klangskulptur »Lambdoma« aus. Im Herbst letzten Jahres präsentierte er die aus 256 Klangröhren mit bis zu drei Meter Länge konzipierte Installation erstmals im Klangraum der Studienkirche St. Josef in Burghausen. Die begehbare Kuppel verbindet Kunst, Musik, Philosophie und Mathematik zu einer Einheit und ist auch für Konzerte stark nachgefragt.

Axel Effner

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