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Rendezvous mit dem Kasperlgraf

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Eröffnen kurz vor dem Schließen: Kurator Dr. Michael Köhle bei der Laudatio zur Ausstellungseröffnung »Franz von Pocci und der Humor« im Kloster Seeon. (Foto: Benekam)

Es herrschte dieses Mal ein wenig das Gefühl einer »Endzeitstimmung«, als Bezirkstagspräsident Josef Mederer die wenigen Gäste zur Ausstellungseröffnung »Franz von Pocci und der Humor« im Benediktinersaal des Kultur- und Bildungszentrums Kloster Seeon begrüßte.

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Der Veranstalter hatte entschieden, die Ausstellung wie geplant zu eröffnen, obwohl drei Tage später den Kunst- und Kulturinteressierten durch den angekündigten Lockdown der Besuch wieder verweigert werden würde. Da aber die Ausstellung, die in Kooperation mit der Fachberatung Heimatpflege des Bezirks Oberbayern und der Franz-von-Pocci-Gesellschaft e.V. organisiert worden ist, bis zum 21. März 2021 zu sehen ist, hoffen alle Beteiligten, dass dennoch ein genügend großes Zeitfenster bleibt und sich somit alle Mühen lohnen.

Bei seiner Begrüßungsrede drückte Mederer sein Bedauern darüber aus, dass besonders die Künstler und Kulturschaffenden von der Coronakrise so stark betroffen seien. Das Eröffnen kurz vor dem Schließen sei ein Zeichen der Wertschätzung und auch wenn man ursprünglich mit weit mehr Besuchern gerechnet hatte, so seien doch die Anwesenden besonders herzlich willkommen, betonte Kurator Dr. Michael Köhle. Mit einer anschaulichen und kreativ gestalteten Videoprojektion vermittelte Köhle den Gästen einen lebendigen Eindruck über das Leben und Schaffen von Pocci: Franz Graf von Pocci (1807 bis 1876), Sohn eines italienischen Offiziers und einer Baronin aus Dresden, kam in München zur Welt und wurde nach dem Studium der Rechtswissenschaften bereits im Alter von 23 Jahren Zeremonienmeister König Ludwigs I. von Bayern.

Er war Zeichner, Satiriker, Landschaftsmaler, Komponist, Dichter, Theaterautor, Mitbegründer einer Münchner Herrengesellschaft, zarter Spötter, hyperaktiver Kreativer und Dilettant voller Selbstzweifel. Sein bekanntestes Werk sind die über 40 Puppenkomödien rund um den Kasperl Larifari, dem er seinen Ruf als »Kasperlgraf« verdankt. Dass er neben seiner beruflichen Laufbahn als Zeremonienmeister, Hofmusikmeister und Oberstkämmerer, die sich am Hof der bayerischen Könige Ludwig I., Max II. und Ludwig II. vollzog, in seiner Freizeit noch so viel Raum für Produktivität und künstlerische Schaffenskraft fand, lässt auf eine enorme Leidenschaft, fast schon Besessenheit und Liebe für seine Kunst schließen.

Diese spiegelt sich auch in der Detailverliebtheit seiner Werke wider: Franz von Pocci hinterließ der Nachwelt unzählige Karikaturen und Aquarelle – zudem rund 600 Musikstücke – darunter auch die Melodie des berühmten Liedes »Wenn ich ein Vöglein wär«. Besondere Liebe zu den Kindern spricht aus der Fülle seiner Bilderbücher, Illustrationen, Lieder und Gedichte für das kleine Volk. Mit offensichtlichem Vergnügen ließ der rastlos Kreative seine Bildfantasie spielen, kreiste um erfundene Landschaften oder stürzte sich in die Illustration seiner Texte und Lieder. Das Märchenhafte stand dabei neben dem Studium der Natur, sodass Pocci ein typischer Vertreter der Kunst seiner Zeit war. Zudem konnte er mit unbestechlicher Boshaftigkeit seine Kollegen in Verwaltung und Künstlerschaft in Karikaturen aufspießen. Ergänzend zur Ausstellung gibt es Führungen mit Kurator Michael Köhle: Am Samstag. 13. Februar und am Samstag, 13. März, jeweils um 14 Uhr und ein Rahmenprogramm: Am Samstag 19. Dezember um 15 Uhr das Kasperltheater »Kasperl und der Plätzchendieb & Kasperl und der Riesenkrebs«, am Samstag 13. Februar findet nachmittags ein Zeichenworkshop und ein Marionettenbaukurs (13. und 14. Februar, vormittags) mit Rosemarie Zacher statt.

Die Ausstellung kann nur unter Einhaltung der aktuellen Sicherheitsregeln besucht werden. Sie kann, bei freiem Eintritt, die ganze Woche über von 10 bis 17 Uhr, besichtigt werden. Zu allen Punkten des Rahmenprogramms ist eine Voranmeldung mit Reservierung zwingend erforderlich: Anmeldung ist im Klosterladen Seeon oder unter Telefon 08624/897201 oder per E-Mail unter klosterladen@kloster-seeon.de möglich. Da die Plätze begrenzt sind, wird eine frühzeitige Anmeldung empfohlen. Alle Veranstaltungen werden unter Wahrung der aktuellen Sicherheits- und Hygieneregelungen durchgeführt.

Kirsten Benekam

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